Petra Zerfas - Praxis für Ergotherapie, Rechenschwäche und Schreibmotorik

Petra Zerfas - Praxis für Ergotherapie, Rechenschwäche und Schreibmotorik Hier erhaltet ihr Infos zu den Themen Ergotherapie, Rechenschwäche und Schreibmotorik, aber auch zu aktuellen Kursen oder Neuigkeiten

11/06/2023

Du siehst die Welt übrigens falsch.
Genauso falsch, wie du sie richtig siehst.
Du siehst sie sogar gleichzeitig richtig und falsch. Deshalb hast du übrigens auch immer recht. Oder halt nie. Such’s dir aus.

Deine Perspektive ist eben nur ein Teil der Wahrheit und Wahrheit ist für dich das, was du wahrnimmst. Und was du wahrnimmst ist Ausdruck deines höchst subjektiven Erlebens, abhängig von deinen individuellen Erfahrungen und gewonnenen Überzeugungen über die Welt und dich in der Welt. Was dir eine bestimmte Perspektive auf eine Sache beschert, einen Standpunkt.
Zum Beispiel eine Perspektive, in der dir klar ist, dass richtig und falsch nur Bewertungen sind und dass jeder Streit um eine Perspektive einer Sache absurd ist, weil aus ihrer Perspektive jede immer richtig ist.
Und weil sie ja da ist.
Sie ist halt immer nur nicht alles, sondern nur ein Ausschnitt des Ganzen.

Unterschätz also nicht den Einfluss, den deine Sicht auf dein Kind hat.
Dein Blick auf dein Kind bestimmt nicht nur, wie du es wahrnimmst, sondern auch, wie es selbst sich durch dich wahrnimmt, denn das tun Kinder.
Deine Sicht auf es bestimmt sein Selbstbild.

Ist es ein unerträglicher Dickkopf oder sorgt es für sich?
Ist es eifersüchtig auf die kleine Schwester oder braucht es dich?
Hält es sich nicht an Abmachungen oder ist es stark genug, eigene Entscheidungen zu treffen?
Hängt es schulisch hinterher oder hat es sein eigenes Tempo?
Ist es unselbständig und fordernd oder vertraut es dir noch mehr als sich selbst?

Deine Sicht auf dein Kind ist, was du an deinem Kind wahrnimmst.
Gefällt dir nicht, was du siehst, sieh es anders, denn veränderst du deine Perspektive, erkennst du ein anderes Kind, weil dein Kind entweder nie war, was du gesehen hast oder weil es endlich sein darf wer es auch ist.

Du alleine entscheidest darüber, was du siehst und ob das richtig oder falsch oder einfach nicht alles ist.
Du alleine entscheidest darüber, die Perspektive zu wechseln und mehr wahrzunehmen, als das, was du bisher siehst.
Du alleine entscheidest darüber, wieviel Platz dein Kind in seinem Selbstbild hat.

Mach deinem Kind doch heute mal Platz und wechsel die Perspektive.
Und wenn du schon dabei bist: mach dir selbst Platz.
Was bist du alles nicht, weil es falsch war das zu sein?
Was bist du alles, weil es jemand aus seiner Perspektive für richtig hielt?
Wer bist du alles, wenn du deine Perspektive wechselst und was kannst du alles noch werden?

Frei bist du zu wählen.
❤️
Break the cycle.

10/02/2023

Systemische Familientherapie

26/01/2023

Ängste nehmen in unser Gesellschaft immer mehr zu. Gleichzeitig wird dieses Gefühl jedoch tabuisiert. Kaum jemand spricht darüber, was ihm Angst macht oder gar, dass sie oder er ständig Angst verspürt.
Doch Angst muss bewusst da sein dürfen, damit wir einen Weg finden, mit ihr umzugehen. Nur so können wir lernen zu unterscheiden, dass das Gefühl angebracht und wichtig ist, weil eine reale Gefahrensituation besteht, oder ob es eine Angst von früher ist, die wir immer noch in uns tragen.

Wenn wir keine Angst spüren, heißt das noch lang nicht, dass wir angstfrei sind. Oft haben wir in dem Fall einfach gelernt, sie abzuspalten, weil sie früher so überwältigend war.

Deswegen wünsche ich mir, dass wir anfangen, uns gegenseitig zu erlauben ängstlich zu sein und darüber zu sprechen. Denn Angst kann eine - unangenehme - Chance sein, uns wach zu machen.

Mehr dazu hörst du in meinem Youtubevideo "Mut zur Angst". Den Link findest du in meiner Bio.

26/01/2023

Am PC Bücher zu lesen finde ich sehr anstrengend und ermüdend. Das macht mir keinen Spaß und taugt höchstens, um schnell mal was nachzuschlagen. Die Alternative ist ein eBook. Allerdings ist das Benutzen eines Touchscreens seit mehreren Jahren unmöglich für mich. Zwar gibt’s mittlerweile Fernbedienungen, aber diese wollen ja auch gedrückt werden. Da mir das Drücken von Tasten leider mit keinem Körperteil mehr möglich ist, muss es mit den Augen funktionieren. Meine Lösung: Man nehme ein eBook mit Tasten zum Umblättern, einen Switchbot Bot, einen Switchbot Hub, eine Amazon Echo Gerät, einen augengesteuerten Sprachcomputer, 20 Minuten Zeit für die Einrichtung und fertig ist die Laube. Wenn ich nun Alexa mit dem Sprachcomputer bitte umzublättern, unterhält sich Alexa per Skill mit dem Hub und der Hub sich mit dem Bot. Der Bot drückt dann die Taste und blättert um. Feine Sache. Zudem habe ich mir ein einfaches Seitenset auf dem Sprachcomputer erstellt, das dunkel ist und eine große Taste für den Sprachbefehl hat, damit mich der Computer möglichst wenig beim Lesen stört. Wem das zu viel Technik war: Ich lese ein Buch.

Da ich schon erahne, dass die Frage nach dem aktuellen Buch kommt, hier die Antwort: „Eine Art zu leben: Über die Vielfalt menschlicher Würde“.

24/12/2022

Wir reden mit unseren Kindern immer noch so, als ständen wir am Anfang der Industrialisierung. Wir sagen ihnen, dass sie funktionieren müssen, um glücklich zu sein.
Jesper Juul • familylab.de

23/12/2022

Wir trauern.
Am Freitag, den 16.12.2022, ist Bruno Schmidt im Altern von 57 Jahren an der unheilbaren Krankheit ALS verstorben. „Die Krankheit wird es schwer mit mir haben“ sagte Bruno Schmidt noch 2021 in unserem Podcast „Hirn & Heinrich“ und beschrieb damit gleichzeitig sein Credo, dass er trotz der Ausweglosigkeit der tödlich und rapide verlaufenden Krankheit ALS stets lebte.

Bruno Schmidt gründete nach seiner Diagnose 2014 ein ALS-Verein „ALS-Alle Lieben Schmidt e.V.“, ließ sich von verschiedenen Medien öffentlichkeitswirksam begleiten und rief einen eigenen YouTube-Kanal ins Leben. Durch sein Wirken wurde er zu einer Gallionsfigur im Kampf gegen die unerbittliche ALS. Seine offenen und ehrlichen Berichte aus dem Leben eines ALS-Erkrankten halfen vielen Betroffenen und Angehörigen bei ihrem eigenen Schicksalsweg. Bruno Schmidt wurde Anlaufs- und Hilfestelle, konnte mit der Unterstützung seines Vereins Hoffnung und Rat geben, wichtige Gerätschaften vermitteln und durch das Sammeln von Spenden sogar die Forschung (und auch uns am DZNE) fördern. Denn Bruno Schmidt wollte nicht nur der ALS in seinem Körper das Leben schwermachen, sondern der ganzen ALS als solches. Dazu suchte Bruno Schmidt den Kontakt zu unserem Forscher PD Dr. Patrick Weydt, der sowohl über das Uniklinikum Bonn praktizierender Arzt und Leiter der ALS-Ambulanz ist, sondern auch über seine Tätigkeit am DZNE Bonn an der Erforschung der Erkrankung mitarbeitet. Bis zuletzt kämpfte Bruno Schmidt gegen die ALS und wurde völlig zu Recht Ende des letzten Jahres mit der „Verdienstmedaille zum Bundesverdienstkreuz" ausgezeichnet!

Wenn man sagen kann, dass eine Krankheit Antagonisten haben kann, dann war Bruno Schmidt definitiv einer von ihnen. Trotz größter körperlicher Einschränkungen machte Bruno Schmidt stets weiter und seine Worte wahr: Die Krankheit hatte es schwer mit ihm!

Vielen Dank für Deinen unermüdlichen Einsatz! Mögest Du in Frieden ruhen. 🖤
Wir kämpfen für Dich weiter.

24/09/2022

Ihr wisst ja, ich nenne es lieber "Bewegungsmuster" als "Reflexe" 😉
In habe schon über die Zusammenhänge zwischen dem Moro Reflex, dem ATNR, dem TLR und dem STNR und dem Sehen geschrieben.
Aber auch der Palmar- und der Plantarreflex sowie der Spinale Galant Reflex haben Einfluss auf das Sehen, auch wenn das noch weniger offensichtlich ist :
Der Spinale Galant Reflex und der Plantar Reflex können zu einem unrunden Gangbild und instabilem Stehen führen. Da sind wir wieder beim Thema, dass das "Stativ" (unser Körper) für die "Hochpräzisionskamera" (die Augen) instabil ist. Das ist sowohl in der Fotografie wie auch beim Sehvorgang ungünstig.
Der Palmar Reflex hingegen verhindert den physiologischen Handstütz und nimmt dadurch störenden Einfluss auf die Muskelfunktionskette Handwurzel - Unterarm - Oberarm - Schulter - tiefe Nackenmuskulatur - Augenmuskeln.
Und wieder wird durch diese Zusammenhänge klar, dass ein Visualtraining in Verbindung mit Körperübungen erst so richtig optimal wird.

Es sind nur noch wenige Plätze frei! Schnell sein lohnt sich! https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSeciYgC6PTAyg8CIK...
24/09/2022

Es sind nur noch wenige Plätze frei! Schnell sein lohnt sich!

https://docs.google.com/forms/d/e/1FAIpQLSeciYgC6PTAyg8CIKYDgkV2X8f1LCc-34bX51K8UJU1xlhtlQ/viewform?fbclid=IwAR1zH40CELGv6GBwRV6TykSGLIEoU4Ha1Sqp88AP2oBJujNOYVWg3Ha5xCo

Meine Intervisionsgruppe organisiert eine spannende Inhouseschulung zum Thema "Einführung in die TCM" in Kooperation mit der Heimerer Akademie. Für die Inhouse-Schulung sind noch 5 exklusive Plätze zu vergeben. Schnell sein lohnt sich :-) Beschreibung: Shonishin ist eine nicht invasive Akupunktur...

Das ganze System Schule  muss unbedingt überarbeitet werden….
11/09/2022

Das ganze System Schule muss unbedingt überarbeitet werden….

Jedes Kind kann nur selbst lernen, das wissen alle Eltern die ihren Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen versuchen.
Mathias Voelchert_familylab.de

Kinder lernen, was für sie wichtig ist: Sie lernen interessiert zu schauen, wenn sie abschalten, sie lernen ihr Kurzzeitgedächtnis zu gebrauchen, um gute Zensuren zu bekommen, Kinder lernen den Eltern und Lehrern zuliebe. Dabei geht es darum Lernsituationen zu schaffen, in denen die Lernenden von sich aus motiviert sind zu lernen, weil es Freude macht etwas zu können, was man vorher nicht konnte. Weil es Spaß macht etwas zu wissen, was man vorher nicht wusste. – Was wir als Eltern mit dem Kind (und vor allem für uns) klären sollten, ist: Warum lernst du, verstehst du, warum du lernst, gibt es Sachen, die muss man einfach lernen, auch wenn man sie nicht versteht, oder darf man fragen, warum ich das lernen soll? Kann ich lernen, auch wenn ich den Lehrer oder Lehrerin nicht mag. Ist mir das Fach wichtig oder brauche ich dazu auch, dass ich den Lehrer mag? – Eltern dürfen sich NUR dazu missbrauchen lassen Hausaufgaben mit ihren Kindern zu machen, wenn die Eltern das wirklich wollen und wenn das Kind das will. Wenn es für alle zu mühsam wird, sollten Eltern den "Hausaufgaben-Ball" an die Schule zurückspielen mit den Worten, dass Schule endlich die Verantwortung dafür übernehmen soll, was Kinder lernen und wie schnell. Wenn das in 6-8 Stunden Unterricht nicht gelingt, liegt das nicht an der Unfähigkeit der Kinder, sondern an der Unmöglichkeit heutige, junge Menschen passend für das System Schule zu machen. Endlich muss sich das System Schule den Bedürfnissen der Menschen zu lernen anpassen. Ganz normale Kinder im Alter von 5 Jahren haben 2.500 Arm- und Beinbewegungen pro Stunde (Quelle Prof. Remo Largo) wir erwarten von ihnen, dass sie still sitzen, das ist nicht kindgerecht. Es wird auch dadurch nicht besser, dass wir heute Erwachsenen, dazu gezwungen wurden und es 'überlebt' haben.

13 • familylab-Schriftenreihe • Sind Hausaufgaben Hausfriedensbruch?
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https://kurzelinks.de/32vj

02/10/2021

Aggression ist eine Einladung!

Wenn Kinder aggressiv sind, dann werden sie schnell zu Problemkindern abgestempelt. Aber: Aggression ist eines der Grundgefühle der Menschen und absolut legitim. Aggressionen zeigen uns, dass in der Beziehung etwas nicht stimmt. Aggression zu zeigen ist unbedingt notwendig, wenn sie nicht nach innen gerichtet werden soll, wo sie großen Schaden anrichten. Die Folgen von nach innen gerichteter Aggression sind vielfältig: Selbstverletzungen (Ritzen), Schuldgefühle, Depression, das Gefühl falsch zu sein. Aggression ist ein absolut natürliches Gefühl und gehört zu menschlichen Beziehungen dazu, so wie Liebe, Angst, Trauer, Frustration, Ekel, u.a.m.

Es herrscht die Angst vor, dass Kinder, die Aggressionen zeigen, zu Gewalttätern werden.

Aber Aggression und Gewalt ist nicht dasselbe. Im Gegenteil, wenn Kinder in ihrer Aggression nicht anerkannt werden und sich diese Gefühle stauen, weil sie als schlecht verurteilt werden, dann züchtet man lebende Zeitbomben, die irgendwann explodieren und andere verletzten, bzw. sich selbst verletzen. Für die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls ist es wichtig, dass wir alle Gefühle, die in uns sind, anerkennen und akzeptieren. Es braucht eine ganze Kindheit lang, um mit dem Gefühl der Aggression passend umgehen zu können. Das ist vollkommen normal.

Fast alle 2-jährigen Kinder beißen. Das ist normal. Viele 2-3-jährige Kinder hauen und schlagen. Das ist auch normal. Warum? Kinder benutzen in den ersten Jahren ihre großen Muskeln um Frustrationen auszudrücken. Erst später können sie ihre kleinen Muskeln, sprich die Stimmbänder, dazu benutzten um sich auszudrücken. Wie damit umgehen? Es gibt mehrere Möglichkeiten. Wenn ihr Kind Sie schlägt, sagen Sie folgendes: "Ich will nicht, wenn du mich schlägst. Ich will, dass du damit aufhörst.“ Pause! „Was macht dich jetzt so wütend?"

Geschwisterstreit

Wenn das größere Kind das kleinere schlägt, weil es ihm sein Spielzeug nimmt, dann gehen Sie zu ihm hin und sagen ruhig und klar: "Ich kann verstehen, dass dich das wütend macht. Sag deinem Bruder, dass du nicht willst, dass er dein Spielzeug nimmt. Du willst jetzt alleine spielen."

So zeigen Sie ihm, wie man seine Grenzen verteidigen kann, ohne den anderen zu verletzten. Aber machen sie das Kind nicht schlecht, weil es geschlagen hat. Wenn Sie es schimpfen, wird er sich in seinen Gefühlen nicht ernst genommen fühlen und das Gefühl haben, meine Mutter oder mein Vater halten nur zum Geschwisterchen. Das beeinträchtigt sein Selbstwertgefühl und macht es noch wütender. Eventuell sagen sie kurz: "Ich mag nicht, wenn du schlägst." Aber moralisieren Sie nicht.

Fühlen Sie sich in seine Welt hinein.

Wenn größere Kinder auffallend aggressiv sind, dann heißt das übersetzt: "Hallo, mir geht es nicht gut! Könnte bitte jemand in meine Gefühls- und Gedankenwelt kommen und mir helfen herauszufinden, was ich anders machen kann?" Treten Sie mit auffälligen Kindern in Beziehung. Aggression entsteht vielfach dann, wenn wir uns für die Menschen um uns herum nicht wertvoll fühlen, uns nicht gesehen und geachtet fühlen. Dass macht uns aggressiv. Schauen Sie sich in der Welt des Kindes um und versuchen Sie mit ihm herauszufinden, was es bedrückt, frustriert oder Angst macht.

Häufig haben aggressive Menschen wenig Worte für ihre Gefühle. Das führt auch dazu, dass sie sich in Stresssituationen nicht verbal, sondern körperlich wehren. Kindern tut gut, wenn wir Erwachsene ihnen unsere Sprache leihen und versuchen mit ihnen zusammen Beschreibungen für ihre Gefühle zu finden. z.B. durch die Frage: „Was macht dich so wütend? Erzähl mir davon.“ „Erfolgreich kommunizierte Aggression ist konstruktiv. Aggression, die ihre kommunikative Funktion verloren hat ist destruktiv“, sagt der Neurobiologe Joachim Bauer.

mehr im Buch • 08 • familylab-Schriftenreihe • Genießt euch und eure Kinder! Gelassen und lebensmutig den Selbstwert der Kinder stärken • https://shop.famlab.de/Geniesst_euch_und_eure_Kinder

Autorinnen: Astrid Egger, Elisabeth Kußtatscher

Ein Herzensthema….
18/09/2021

Ein Herzensthema….

Entwicklung ist kein Wettbewerb – aber es ist auch nicht alles egal!

Den Meilenstein des sicheren freien Laufens erreichen Kinder mit etwa 13 Monaten. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Durchschnittswert: Von ca. 9 bis 18 Monaten ist bei gesunden Kindern alles möglich, da der zeitliche Verlauf der motorischen Entwicklung eine große Schwankungsbreite zeigt. Glücklicherweise spricht es sich langsam immer mehr herum, dass es kein Grund zur Sorge ist, wenn ein Kind an seinem 1. Geburtstag noch nicht frei gehen kann, und dass sich Kinder generell einfach unterschiedlich schnell entwickeln.

Das ist sehr begrüßenswert, denn Entwicklung ist kein Wettbewerb, aber leider kippt diese entspannte Grundhaltung teilweise auch ins andere Extrem, nämlich in zu große Sorglosigkeit. Hilfesuchende Eltern bekommen in ihrem Umfeld oder in sozialen Medien auf ihre besorgten Fragen zur Entwicklung ihres Kindes oftmals Antworten wie „Das ist ganz normal, das kommt schon alles von alleine, war bei uns auch so und jetzt ist alles gut“. Von Laien, die keinerlei Ausbildung im Bereich Bewegungsentwicklung haben. Gestern habe ich das wieder einmal beobachtet und das hat mich zu diesem Beitrag inspiriert.

Diese beruhigenden Kommentare sind sicherlich gut gemeint, aber ohne fundiertes Fachwissen potentiell gefährlich. Denn es kommt eben nicht immer alles von alleine, und man kann auch nicht vom eigenen Kind auf alle anderen schließen. Es gibt viele Kinder, die sehr von Physiotherapie profitieren können, und die meisten davon sind nicht so schwer betroffen, dass es jede/r auf den ersten Blick erkennen könnte – oder sogar ganz ohne einen Blick, nur durch ein kurzes Posting in einer Facebookgruppe. Dass zB ein späterer Laufbeginn normal ist, heißt noch lange nicht: „Jedes Kind, das jünger als 18 Monate alt ist und nicht frei läuft, ist normal entwickelt und braucht keine Therapie.“ Das stimmt leider nicht. Der Laufbeginn ist nur ein einziger Faktor von unzähligen, die wir Kinderphysios uns ansehen und aufgrund derer wir beurteilen können, ob Therapie sinnvoll ist.

Ein Kind, das Auffälligkeiten in seiner Bewegungsentwicklung zeigt, tut dies in der Regel nicht ganz plötzlich mit 18 Monaten, von einem Tag auf den anderen. Auffälliges Bewegungsverhalten zeigt sich bei aufmerksamer Betrachtung bereits viel früher, oft schon in den ersten Monaten. BEMERKT wird es allerdings in vielen Fällen erst, wenn das Kind mit 18 Monaten noch nicht gehen kann, denn der Fokus liegt in der ärztlichen Diagnostik meist nur auf Zeitpunkten zu erreichender Meilensteine und nicht auf der Bewegungsqualität. Das haben mir Kinderärzt*innen selbst bestätigt, aber ich höre es auch täglich von Eltern, denen von ärztlicher Seite versichert wurde: „Das wächst sich aus.“ Ups, doch nicht!

Die erwähnte Fixierung auf das Entwicklungstempo bedeutet zudem, dass viele Kinder, die aufgrund ihrer Bewegungsqualität von Physiotherapie profitieren würden, diese nicht bekommen, nur weil sie zeitgerecht sitzen/laufen lernen. Das Entwicklungstempo kann immer nur ein Indiz sein. Aus therapeutischer Sicht ist viel entscheidender, WIE sich ein Kind bewegt. Zeigen sich hier Auffälligkeiten, ist Therapie sinnvoll, auch bei rascher Entwicklung. In meinen Beiträgen findet ihr u.a. die dreiteilige Geschichte eines Patienten, der im 1. Jahr motorisch sehr flott war und daher erst mit 6 Jahren nach langem Kampf endlich Physio bekam – als bereits Folgeschäden entstanden waren. Früherkennung kann diese oft verhindern. Bei vielen Auffälligkeiten ist es außerdem so, dass die Therapie umso länger dauert, je später sie begonnen wird.

Damit Eltern Zugang zu fundierten Informationen über gesunde Entwicklung und Bewegungsqualität bekommen, sowie zu Faktoren, die diese positiv oder negativ beeinflussen können, habe ich vor drei Jahren meine Onlinekurse gestartet. Aktuell ist die Anmeldung wieder geöffnet und die Hälfte der Plätze bereits vergeben. Nähere Infos sowie die Bewertungen meiner Teilnehmer*innen findet ihr auf meiner Website (Link in den Kommentaren).
Ich kann euch natürlich nicht per Crashkurs zu Physios machen 😉 Therapiemethoden werden keine vermittelt. Aber: Wer mehr weiß, muss nicht alles glauben. Und findet sich leichter zurecht in dem Dschungel aus verschiedenen Meinungen, denn die lautesten Berater*innen sind nicht immer die kompetentesten.

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Text: © Kathrin Mattes. Teilen erwünscht, Kopieren (auch auszugsweise) nach dem Urheberrechtsgesetz untersagt.
Foto: © Eva Schranz

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