08/03/2023
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
Serotonin ist das Glückshormon schlechthin. Hohe Spiegel stehen für gute Laune, Abstand von den Sorgen und ein positives Lebensgefühl. Im Umkehrschluss bewirken niedrige Serotoninspiegel Stimmungstiefs, verringerten Antrieb bis hin zur Depression. Der Anteil der Menschen, die Antidepressiva schlucken (die sogenannten Serotoninwiederaufnahmehemmer SSRI) haben sich in den letzten 15 Jahren fast verdreifacht. Schon bei kleineren Stimmungstiefs, Belastung bei der Arbeit oder Verlust einer geliebten Person werden heutzutage bereitwillig SSRI verschrieben. Was viele, die diese Medikamente leichtfertig verordnen, nicht wissen: Durch die Einnahme verringert sich die körpereigene Serotoninproduktion, und zwar mehr, als das bei einer Depression zu erwarten wäre. Dadurch ist es auch so unheimlich schwer, die SSRI wieder auszuschleichen, wenn man diese über einen längeren Zeitraum eingenommen hat. Oft werden die Medikamente nur deshalb weiter genommen - nicht weil sie die Stimmung heben - sondern um den starken, selbst erzeugten Nebenwirkungen beim Absetzen zu entgehen.
Diese Medikamente erhöhen für kurze Zeit die Serotoninkonzentration am synaptischen Spalt im Gehirn. Aber nicht durch die Erhöhung der Eigenproduktion, sondern durch eine Verzögerung des Abbaus. Das habe ich in meinem Buch „Erschöpfung und Depression - wenn die Hormone verrücktspielen“ ausführlich beschrieben. Richtig wäre in meinen Augen die essentielle Aminosäure Tryptophan zuzuführen. Das ist der limitierende Eiweißbaustein zur EIGEN-Produktion von Serotonin. Das bedeutet: Das Gehirn kann genau sie viel – oder wenig – Serotonin produzieren, wie Tryptophan zur Verfügung steht. Das habe nicht ich erfunden. Das lehrt die Biochemie.
Glück verläuft in Wellenbewegungen. Ständiges Glück würden wir als solches gar nicht mehr wertschätzen. Wir müssen die Tiefen kennen, um die Höhen genießen zu können. Und wenn eine geliebte Person stirbt, darf man auch ruhig einmal traurig sein. Das gehört zum Leben dazu - die Pillen nicht.
Hilfreich ist es also immer, das Gehirn mit genügend Tryptophan und B-Vitaminen für die Hormoneigenproduktion zu versorgen. Das hebt die Stimmung und lässt uns Tiefen besser zu überwinden.