11/02/2026
Wenn ein Kind oder Jugendlicher nicht zur Schule gehen kann, weil die sensorischen Herausforderungen viel zu groß sind, der Kontext fehlt, kaum Entscheidungsmöglichkeiten vorhanden sind und das Gefühl der Zugehörigkeit nicht vorhanden ist (als Teil der Problematik - meist ist es noch komplexer, aber dadurch auch nicht leichter verständlich…), dann sind Eltern nicht gerade in der angesehensten Rolle unserer Gesellschaft - und das Kind auch nicht.
Es bedeutet für die Familie, sich in neue Rollen und Aufgaben finden zu müssen.
Ich bin Ergotherapeutin geworden aus der tiefen Überzeugung dieser Profession heraus, dass der Mensch sinnvolle Tätigkeiten und einen Platz in der Gesellschaft braucht.
Wer glaubt, dass Kinder und Jugendliche, die nicht zur Schule gehen können, deshalb automatisch glücklich und zufrieden sind - der irrt.
Unsere Gesellschaft erwartet den Schulbesuch („Und, wie läuft‘s in der Schule?“). Und erzeugt eine Haltung, die einen glauben lässt, versagt zu haben.
Der Druck, jetzt beweisen zu müssen, dass man trotzdem wer ist und was kann, wird von den Systemen erzeugt. Obwohl sie mit verantwortlich dafür sind, dass der Schulbesuch zu einer unüberwindbaren Herausforderung wird - so sehr man sich auch bemüht, anpasst, sein Nervensystem übergeht und an sich arbeitet.
Welche echten Alternativen gibt es - die gesellschaftlich genauso angesehen sind?
Die neuen Rollen, neuen Aufgaben, das Schaffen neuer Strukturen - ein Blick über den Tellerrand kann hier hilfreich sein.
Wie und wo finden sich andere Familien neu?
Welche sinnvollen Lebensgestaltungen kann es geben, welche Gemeinschaften verstehen die Herausforderungen und zeigen Perspektiven auf?
Schon die Schulzeitverkürzung war für uns nicht der leichte Weg, aber wir vertrauen weiter darauf, dass wir auf unserem wilden Pfad weiterkommen.
Mit Liebe und Wildnis,
und mit dem starken Glauben ans Hier & Jetzt,
Kerstin 🤍🐺🌿