23/04/2026
Eine Patientin kommt mit Fieber aus dem Urlaub zurück. Wenige Tage später landet sie in einem lebensbedrohlichen Zustand auf der Intensivstation.
Mit solch einem Fall stand PD Dr. med. Johanna Erber von unserem Interdisziplinären HIV-Zentrum IZAR auf der Bühne des in München – einem der weltweit wichtigsten Kongresse für Infektionsmedizin mit über 18.000 Teilnehmenden.
Die Infektiologin wurde als eine von weltweit nur sieben Ärztinnen und Ärzten für die Fallpräsentation ausgewählt und erhielt für ihre Leistung ein Reisestipendium.
In ihrem Vortrag berichtete sie von einer jungen Frau, die sich nach einer Reise nach Vietnam mit einem fieberhaften Infekt in unserer Notaufnahme vorstellte und am Folgetag wegen Sepsis auf die Intensivstation verlegt werden musste.
Unser Oberarzt Prof. Jochen Schneider wurde früh um Rat gefragt und stellte rasch die Verdachtsdiagnose Scrub Typhus (auch Tsutsugamushi-Fieber) – eine Infektionskrankheit, die durch kleine Bakterien übertragen wird, die in Milbenlarven leben.
Die Diagnose konnte aufgrund komplexer Diagnostik, die unter anderem im Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und am Bernhard Nocht Institut in Hamburg durchgeführt wurde, erst nach sieben Tagen gesichert werden.
Entscheidend war bei diesem Fall aber nicht das endgültige Laborergebnis, sondern die die frühe therapeutische Entscheidung: Noch bevor alle Laborergebnisse vorlagen, wurde eine gezielte antibiotische Therapie mit Doxycyclin begonnen und zeigte rasch eine deutliche Besserung. Nach neun Tagen konnte die Patientin ohne Folgen der Infektion entlassen werden.
„Gerade bei importierten Infektionen kann ein einziger Tag entscheidend sein. Wenn wir zu spät behandeln, kann aus einer gut therapierbaren Erkrankung schnell ein lebensbedrohlicher Verlauf werden“, erklärt PD Dr. Erber, Fachärztin für Innere Medizin, Intensiv- und Notfallmedizin.
Wichtig zu wissen:Tsutsugamushi-Fieber spricht nicht auf Standardantibiotika an. Ohne gezielte Therapie kann die Infektion schnell zu schwerem Organversagen führen. Umso wichtiger ist es, solche Diagnosen überhaupt zu erwägen. „Ein kleiner Hinweis in der Anamnese oder ein unscheinbarer Hautbefund kann der Schlüssel sein – wenn man ihn aktiv sucht“, betont die Medizinerin.
Der Fall wurde gemeinsam mit einem Münchner Team aus moderner Infektionsmedizin aufgearbeitet. Beteiligt waren neben PD Dr. Erber Dr. Luis Hinterwaldner, Carolina Corredor Obregon, Dr. Sabine Zange, Dr. Eva Ortner, Dr. Fabian Kleinhenz, Dr. Laura Wagner, Prof. Christoph D. Spinner, PD Dr. Ulrich Mayr, Prof. Tobias Lahmer und Prof. Jochen Schneider.
Die Vorstellung des besonderen Patientenfalls vor rund 2.000 Zuhörenden und die anschließende Diskussion mit einem internationalen Expertengremium im Rahmen der sogenannten Clinical Grand Rounds waren für PD Dr. Erber ein Highlight: „Die Clinical Grand Rounds zählten schon immer zu meinen Lieblingssitzungen bei ESCMID, weil man dort sieht, wie aus einem schwierigen Fall durch gemeinsames Denken eine klare medizinische Entscheidung wird“, erklärt sie.
Unser HIV-Zentrum IZAR ist Teil der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II am TUM Klinikum Rechts der Isar – eine interdisziplinäre Spezialambulanz für HIV und komplexe Infektionskrankheiten. Bei Bedarf vermitteln wir in weitere Kliniken, Abteilungen und Institute unseres Universitätsklinikums.
Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das:
✔ schnelle diagnostische Abklärung auch bei schweren Verläufen
✔ unmittelbare interdisziplinäre Therapieentscheidungen
✔ spezialisierte Expertise bei seltenen und importierten Infektionen
✔ moderne, ganzheitliche HIV-Versorgung mit langfristiger Betreuung
Fachschaft Medizin TUM TU München Gesundheitsreferat München Judith Gerlach, MdL Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention