06/01/2026
Wenn du unter einer Angststörung leidest, bist du nicht „zu schwach“.
Wahrscheinlich hast du ein sehr fein justiertes Nervensystem.
Wie ein sensibles Alarmsystem reagiert es lieber einmal zu viel als zu wenig. Das Problem ist nicht dein Körper. Das Problem ist, dass dein System gelernt hat, Gefahr falsch einzuschätzen.
Gedanken wie „Was ist, wenn …?“ fühlen sich absolut real an, aber Gefühle sind keine Beweise. Deshalb ist ein wichtiger Schritt (nicht mitten in der Angst, sondern danach): Gedanken realistisch zu überprüfen. Nicht, um sie wegzumachen, sondern um sie einzuordnen.
Zum Beispiel:
• Ist das gerade eine echte Gefahr – oder ein Alarm ohne Brand?
• Was weiß ich aus Erfahrung?
• Was würde ich einer guten Freundin in dieser Situation sagen?
Parallel braucht dein Körper Unterstützung:
• ruhiges, verlängertes Ausatmen
• ein klarer Hilfssatz wie: „Mein Nervensystem ist im Alarm – ich bin trotzdem sicher.“
Und jetzt der entscheidende Punkt:
Wenn Angst dein Leben regelmäßig einschränkt, reicht Verstehen allein nicht. Angststörungen sind gut behandelbar, aber sie verschwinden selten dadurch, dass man „es allein schafft“. Therapie bedeutet nicht, dass du versagt hast. Sie bedeutet, dass du Verantwortung übernimmst
und deinem System hilfst, neu zu lernen. Du musst da nicht alleine durch.
Und du musst dich dafür nicht erst „schlimm genug“ fühlen.
Wenn du dich in diesen Zeilen wiedererkennst, dann nimm das ernst.
Nicht als Diagnose, sondern als Hinweis. Angst, die immer wiederkommt, sich ausweitet oder dein Leben einschränkt, ist kein Thema, das man „einfach aussitzt“. Ja, Atemübungen helfen. Ja, Gedanken zu hinterfragen ist sinnvoll. Aber Lernen unter Angst braucht Begleitung.
Eine gute Therapie hilft dir,
• dein Nervensystem neu zu regulieren
• Angstmuster zu verstehen, ohne dich darin zu verlieren
• wieder Handlungsspielraum zu gewinnen.
Therapie ist kein letzter Ausweg. Sie ist ein früher, kluger Schritt.
Wenn du merkst, dass du dich seit Monaten anpasst, vermeidest oder aushältst, statt wirklich zu leben, dann ist das ein guter Zeitpunkt, dir Unterstützung zu holen.
Nicht, weil du es nicht allein könntest, sondern weil du es nicht allein musst.