19/02/2026
Ein Moment der Klarheit
Manchmal erzählen mir Menschen von Beziehungen – Freundschaften, Partnerschaften, familiären Bindungen – in denen sie oft das Gefühl haben, nicht gesehen zu werden. Dann kommen Zweifel, Ambivalenzen, nicht selten Kritik sich selbst gegenüber. Dann fragen sie sich immer wieder: War es wirklich so schön? Oder rede ich es mir nur schön? Es gab gute Zeiten. Natürlich gab es die. Aber da war eben auch etwas anderes: Stress, wenn man nicht nachgab. Spannung, wenn man eigene Bedürfnisse äußerte. Und dieses leise Gefühl, nie ganz genug zu sein.
Manche Beziehungen funktionieren lange nach einem Muster: Einer passt sich an. Der andere bestimmt das Tempo, die Regeln, die Stimmung. Und um Konflikte zu vermeiden, macht man mit - immer wieder. Aber das Problem ist: Der innere Stress verschwindet nicht. Er wird nur nach innen verlagert.
Psychologisch gesehen geschieht hier etwas sehr Menschliches: Wir versuchen, Bindung zu sichern – selbst auf Kosten unserer eigenen Bedürfnisse. Doch eine wichtige Erkenntnis lautet: Du kannst andere Menschen nicht verändern. Du kannst nur verändern, wie du auf sie reagierst. Es ist nicht deine Aufgabe, die Erwartungen anderer zu erfüllen, wenn du dich dabei selbst verlierst. Abgrenzung bedeutet nicht Härte. Sie bedeutet Selbstverantwortung.
Und vielleicht beginnt Veränderung nicht damit, dass du „Nein“ zu jemand anderem sagst, sondern damit, dass du innerlich „Ja“ zu dir selbst sagst. Wenn jemand eifersüchtig wird, weil du dich um dich kümmerst, ist das nicht automatisch dein Problem. Du darfst dir die Frage stellen: Wie geht es mir in dieser Beziehung? Und was brauche ich, um mich gut zu fühlen?
Zuwendung beginnt manchmal mit einem unbequemen Schritt: dem Anspruch loszulassen, es allen recht machen zu müssen.
Und stattdessen deiner eigenen Stimme zuzuhören.