11/10/2025
𝗣𝗳𝗹𝗲𝗴𝗲𝗴𝗿𝗮𝗱 𝟭 𝘃𝗼𝗿 𝗱𝗲𝗺 𝗔𝘂𝘀 – wieder sollen die Schwächsten zahlen. 3,5 Milliarden Euro fehlen der Pflegeversicherung im Jahr 2026. Und während sich in Ministerien die Excel-Tabellen türmen, sickert ein altbekannter Reflex durch die Zwischenzeilen: Wir müssen sparen – fangen wir bei denen an, die sich nicht wehren können.
Aktuell diskutiert die Bundesregierung, den Pflegegrad 1 zu streichen. Noch ist nichts beschlossen. Noch ist es ein Vorschlag. Aber er liegt auf dem Tisch – ernsthaft, laut und offenbar ohne Scham.
Würde das umgesetzt, träfe es rund 860.000 Menschen, die bislang Anspruch auf Entlastungsleistungen und Zuschüsse für barrierefreie Umbauten haben. Menschen mit leichten Beeinträchtigungen – nicht gesund, aber auch nicht dramatisch krank. Genau deshalb oft übersehen.
131 Euro im Monat. Eine kleine Hilfe. Ein bisschen Luft. Ein Stück Selbstständigkeit. Jetzt wird diskutiert, ob es nicht auch ohne geht. 1,8 Milliarden Euro ließen sich so jährlich einsparen, sagt das RWI Leibniz-Institut.
In Zahlen klingt das klug.
Menschlich klingt es: zynisch.
Denn hinter jeder Zahl steht ein Leben.
Eine Geschichte. Ein Alltag, der gerade noch so funktioniert – bis jemand beschließt, ihn unbezahlbar zu machen.
Der Move, auf Kosten der Pflegebedürftigen zu sparen, ist nicht neu. Neu ist nur, dass es offenbar niemandem mehr unangenehm ist.
Vielleicht ist das die eigentliche Krise:
Nicht das Loch in der Kasse.
Sondern das Loch im Gewissen.