14/12/2025
Im Jahr 2008 machte die Biologin Katie Hinde eine Entdeckung, die die Wissenschaft jahrhundertelang übersehen hatte:
Muttermilch ist kein festes „Rezept“ – sie ist eine ständig wechselnde Botschaft.
Bei der Untersuchung von Makaken in Kalifornien bemerkte Hinde ein ungewöhnliches Muster:
Bekommt eine Mutter ein Männchen, ist ihre Milch fett- und eiweißreicher – ein Treibstoff mit besonders „hohem Oktanwert“.
Bekommt sie ein Weibchen, produziert sie mehr Milch, die dafür einen höheren Kalziumgehalt aufweist.
Doch wie wusste der Körper der Mutter, die chemische Zusammensetzung je nach Geschlecht des Babys zu verändern?
Diese Frage führte Hinde zu einem der faszinierendsten Mechanismen der menschlichen Biologie: dem „retrograden Fluss“.
Lange nahm man an, dass Milch nur in eine Richtung fließt – von der Mutter zum Kind.
Das war falsch.
Beim Stillen entsteht ein leichter Unterdruck, durch den winzige Mengen an Speichel des Babys in die Brust der Mutter zurückgesogen werden.
Und dort geschieht etwas Außergewöhnliches: Das Brustgewebe analysiert diesen Speichel – ein biologischer Scanner.
Enthält der Speichel Hinweise auf Fieber oder eine Infektion, beginnt der Körper der Mutter innerhalb weniger Stunden, maßgeschneiderte Antikörper zu produzieren, die genau gegen diese Krankheit wirken.
Ist das Baby gestresst, verändert die Milch ihre hormonelle Zusammensetzung (z. B. Cortisol), um den emotionalen Zustand des Kindes zu beeinflussen.
Muttermilch verändert sich morgens, abends, bei Krankheit –
und sogar abhängig davon, ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen ist.
Katie Hinde fasste es so zusammen:
„Muttermilch ist Nahrung, Medizin und Signal zugleich.“
Sie ist eines der komplexesten Kommunikationssysteme der Natur – ein stiller Dialog zwischen zwei Körpern, den selbst modernste Technologie bis heute nicht vollständig nachbilden kann.
Historisch und wissenschaftlich bestätigt.
Katie Hinde, PhD – Laboratory for Comparative Lactation, Arizona State University.