11/02/2026
Dry January – wie geht es weiter?
Seit ein paar Jahren verbreitet sich der Trend, nach den vielen Weihnachts- und Silvesterfeiern das Jahr mit einem „dry“, also alkoholfreien, Januar zu beginnen. Für einige ist das eine echte Herausforderung. Für andere eine überraschend positive Erfahrung: besserer Schlaf, mehr Energie, klarerer Kopf – viele spüren schon nach wenigen Wochen, wie stark der Alkohol Körper und Psyche beeinflusst.
Alkohol ist ein gesellschaftlich akzeptiertes Genussmittel, dessen Risiken oft unterschätzt werden. Bereits geringe Mengen erhöhen langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lebererkrankungen und bestimmte Krebsarten. Die WHO teilte erst 2023 mit, dass es beim Alkoholkonsum keine gesundheitlich unbedenkliche Menge gibt. Die Empfehlung lautet, komplett zu verzichten. Besonders tückisch: der Übergang vom gelegentlichen Glas hin zum problematischen Trinkverhalten passiert schleichend.
Warnsignale können sein, wenn man häufiger oder mehr trinkt als geplant, mehr „verträgt“ als früher, den Alkohol braucht, um Stress zu bewältigen, oder sich rechtfertigt, wenn andere den Konsum ansprechen. Auch die Vernachlässigung von Arbeit, Familie und Hobbies sind ernstzunehmende Hinweise.
Wer erkennt, dass der eigene Alkoholkonsum ein Problem darstellt, hat den ersten Schritt bereits getan. Nun geht es darum, weitere Entscheidungen im Sinne der eigenen Gesundheit zu treffen: etwa, indem man neue Gewohnheiten aufbaut, sich bewusst zu einer Tagesgestaltung ohne Alkohol entschließt. Wenn das tägliche Bier bisher wichtig zum Entspannen war, kann ein Spaziergang oder ein Telefonat zum „Runterkommen“ vielleicht auch helfen. Gut ist auch, Familie und Freunde einzubeziehen, indem man offen thematisiert, gesünder leben zu wollen.
Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung anzunehmen, wenn Sie merken, dass die Veränderung schwerfällt. Das Gespräch mit HausärztInnen oder einer Beratungsstelle kann entlasten und hilfreiche Wege aufzeigen. Ein Problem zu erkennen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern beweist Verantwortung für die eigene Gesundheit.
Hilfreiche Informationen und einen anonymen Selbsttest gibt es unter www.kenn-dein-limit.de
Ihre Dipl.‑Psych. Änne Boehnke, Psychotherapeutische Leitung, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Psychiatrische Institutsambulanz, Psychologische Psychotherapeutin