10/04/2026
Neurodivergenz ist zu einem großen Teil genetisch mitbedingt.
Wenn eine Mutter neurodivergent ist – zum Beispiel im Autismus-Spektrum – besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass auch ihr Baby neurodivergent zur Welt kommt.
Neurodivergenz ist keine Phase. Keine Folge von
"schlechter" Erziehung.
Sie zeigt sich von Anfang an –in der Art, wie ein Baby Reize wahrnimmt, verarbeitet und auf seine Umwelt reagiert.
Das kann bedeuten:
Ein Baby ist schneller überreizt, weint mehr oder findet erschwerter in einen regulierenden Zustand.
Nicht, weil etwas „falsch“ läuft –sondern weil sein Nervensystem anders arbeitet.
Im Autismus-Spektrum kann die sensorische Verarbeitung eine zentrale Rolle einnehmen.Berührungen, Nähe oder Körperkontakt können intensiver wahrgenommen werden –für manche sogar als (sehr) unangenehm oder schmerzhaft.
Das kann dazu führen, dass ein Baby auf dem Arm, in der Trage oder beim Kuscheln versucht, sich zu "entziehen".
Von außen wirkt das oft irritierend.Ein weinendes Baby nicht hochzunehmen, widerspricht dem, was viele gelernt haben und als "richtig" erachten.
Doch was, wenn genau das die Regulation ist?
Was, wenn dieses Baby gerade weniger Nähe braucht –nicht mehr?
Gleichzeitig kann auch die Mutter selbst an ihre Grenzen kommen.Wenn sie ebenfalls neurodivergent ist, können Berührungen, Geräusche oder intensive Situationen ihr eigenes Nervensystem stark belasten.
Es passiert etwas, worüber kaum gesprochen wird:
Zwei neurodivergente Nervensysteme treffen aufeinander. Sie korrelieren miteinander, arbeiten in Wechselwirkung gegeneinander.
Ein dysreguliertes Nervensystem einer Mutter kann kein dysreguliertes Nervensystem eines Babys regulieren.
Ohne Selbstregulation keine Co-regulation möglich.
Das ist keine fehlende Liebe.
Sondern eine Realität, die endlich gesehen werden muss.
Wir brauchen mehr Wissen darüber,wie sich Neurodivergenz bereits im Säuglingsalter zeigen kann.
Mehr Verständnis für unterschiedliche Regulationswege.
Vor allem: weniger Bewertung von außen.
Nicht jedes weinende Baby braucht Nähe.
Nicht jede Mutter kann sie jederzeit geben.
Aber beide verdienen eines:gesehen zu werden. 🤍