21/12/2017
Ärzte wissen zu wenig über multiresistente Keime und Antibiotikatherapie
In Deutschland ist bei vielen Ärzten unabhängig von der jeweiligen Fachrichtung das Wissen über multiresistente Keime und die rationale Antibiotikatherapie scheinbar unzulänglich. Das zeigen die Ergebnisse einer Umfrage bei deutschen Klinikärzten. Aber auch Bundesbürger wissen wenig über Antibiotika.
Wenn Antibiotika nicht mehr wirken, bricht eine tragende Säule unserer Gesundheits-versorgung weg. Im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen ist entscheidend, dass Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn es medizinisch erforderlich ist. Deshalb ist es wichtig, die Fortbildung für medizinisches Personal und das öffentliche Bewusstsein weiter zu stärken.
Wissen über Antibiotika-Resistenz-Strategie abgefragt
Angesichts der steigenden Relevanz von Antibiotikaresistenzen für den klinischen Alltag war im Jahr 2013 die S3-Leitlinie „Strategien zur Sicherung rationaler Antibiotika-Anwendung im Krankenhaus“ zum Antibiotic Stewardship (ABS) veröffentlicht worden. Ziel ist, der steigenden Zahl von Antibiotikaresistenzen zu begegnen. Bisher lagen allerdings keine Erkenntnisse darüber vor, wie diese beiden Konzepte (ABS/DART 2020) von deutschen Klinikärzten unterschiedlicher Fachrichtungen beherzigt werden, und ob es hierbei Abweichungen beim Wissensstand über multiresistente Erreger und den rationalen Einsatz von Antibiotika zwischen den unterschiedlichen Facharztgruppen gibt.
Urologen verabreichen häufiger Antibiotika als ihre Kollegen anderer Fachrichtungen
Die Auswertung der Befragung zeigte, dass die Urologen in den 7 Arbeitstagen vor der Befragung signifikant häufiger bei mehr als fünf Patienten ein Antibiotikum verabreichten als Nicht-Urologen (50,7 % vs. 24,3 %). Zudem fühlten sich die Urologen hinsichtlich Dosierung, Frequenz und Dauer einer Antibiotikaverordnung und bei der Interpretation von Antibiogrammen signifikant sicherer als ihre Kollegen anderer Fachrichtungen. Alle Fachrichtungen weisen insgesamt geringe Kenntnisse zum Antibiotic Stewardship auf.
Es besteht erhöhter Weiterbildungsbedarf
Befragten Urologen waren sich sicher, die Statistiken zur Erregerresistenz ihrer Klinik zu kennen. Allerdings ordneten nur 36,3 % von ihnen die lokale Escherichia coli-Resistenz gegen Ciprofloxacin einer richtigen Kategorie zu. Bei den Nicht-Urologen waren es sogar nur 31,2 %. Urologen bewerteten in der Umfrage signifikant häufiger als Nicht-Urologen den Einsatz von Breitspektrum-Antibiotika als ein Problem, das zur Zunahme der multiresistenten Erreger führt. Gleichzeitig würden aber 31,5 % der Urologen und 30,7 % der Nicht-Urologen Patientinnen mit unkomplizierten Harnwegsinfektionen mit einem Breitband-Antibiotikum behandeln.
Die Studienautoren ziehen auf jeden Fall den Schluss, dass ein erheblicher Weiterbildungsbedarf zum Thema der multiresistenten Erreger und des Antibiotic Stewardship bei Ärzten aller befragten Fachrichtungen besteht.
Wissensdefizite auch in der Bevölkerung
Nicht nur beim medizinischen Fachpersonal bestehen offenbar Wissensdefizite hinsichtlich Antibiotika. Auch rund 60 Prozent der Bundesbürger wissen nicht, dass Antibiotika ausschließlich gegen bakterielle Infektionen wirken oder ein frühzeitiges Absetzen eines Antibiotikums dazu führen kann, dass es beim nächsten Mal nicht mehr wirkt. 10 Prozent der Bundesbürger geben zu, bereits einmal oder mehrmals Antibiotika verwendet zu haben, die ihnen für diesen Fall nicht vom Arzt verschrieben worden waren.
Naturheilkundliche Therapien stärker fördern
Es bleibt zu hoffen, dass mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2020) die erforderlichen Maßnahmen im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen wie die Förderung der Aus-, Weiter- und Fortbildung des medizinischen Personals, die Information der Bevölkerung über Antibiotika-Resistenzen und die Förderung von Forschung und Entwicklung bald zu einem Erfolg führen werden. In diesem Zusammenhang wäre es wünschenswert, dass im Rahmen der Fortbildung von Ärzten und der Forschung künftig verstärkt das Potential naturheilkundlicher Verfahren bei der Therapie von leichten Infektionen in den Fokus rücken.
Quelle
Lebentrau S et al.: Impact of the medical specialty on knowledge regarding multidrug resistant organisms and strategies toward antimicrobial stewardship. Int Urol Nephrol 2017; 49: 1311–1318.
Evidence is scarce on subject-specific knowledge of multidrug-resistant organisms and rational use of antibiotics. We aimed at evaluating attitude, perception, and knowledge about multidrug-resistant