08/03/2026
Zähne und Kopf sind über eine sehr direkte Nervenverbindung miteinander verbunden – den Trigeminusnerv. Dieser Nerv ist der fünfte Hirnnerv (Nervus trigeminus) und einer der wichtigsten sensorischen Nerven des Kopfes. Er teilt sich in drei große Äste: den Augenast (V1), den Oberkieferast (V2) und den Unterkieferast (V3). Über diese Äste versorgt er große Teile des Gesichts, die Zähne, das Zahnfleisch, den Kiefer, die Nasenhöhle sowie Bereiche rund um Schläfen und Stirn mit Schmerz- und Berührungssignalen.
Die Zähne selbst sind extrem empfindlich, weil sie im Inneren eine weiche Struktur besitzen – die Zahnpulpa. Dort verlaufen sehr feine Nervenfasern und Blutgefäße. Diese Nerven gehören ebenfalls zum System des Trigeminusnervs. Wenn ein Zahn entzündet ist, etwa durch Karies oder eine Infektion der Pulpa, werden starke Schmerzsignale über diesen Nerv direkt zum Gehirn geleitet.
Interessant ist, dass im Gehirn viele dieser Signale im Trigeminuskern im Hirnstamm zusammenlaufen. Dort werden Informationen aus unterschiedlichen Bereichen des Gesichts verarbeitet. Weil die Signale aus Zähnen, Kiefer, Stirn und Schläfen über ähnliche Nervenbahnen laufen, kann das Gehirn die genaue Quelle manchmal schwer unterscheiden. Dadurch entsteht sogenannter übertragener Schmerz (referred pain).
Deshalb kann ein Zahnschmerz nicht nur lokal im Zahn spürbar sein, sondern auch Kopfschmerzen, Schmerzen in der Schläfe, im Ohr oder sogar hinter dem Auge auslösen. In manchen Fällen berichten Patienten sogar über scheinbare Nebenhöhlenschmerzen, obwohl die eigentliche Ursache ein entzündeter Backenzahn im Oberkiefer ist. Das liegt daran, dass der Oberkieferast des Trigeminusnervs auch Teile der Kieferhöhle (Sinus maxillaris) versorgt.
Ein weiterer wenig bekannter Punkt: Bei manchen Menschen kann eine starke Reizung dieses Nervensystems sogar Migräneattacken oder trigeminale Neuralgien verstärken oder auslösen. Deshalb achten Zahnärzte und Neurologen bei ungeklärten Gesichtsschmerzen oft auch auf mögliche Probleme an den Zähnen oder im Kiefer.