Tierphysiotherapie und Osteopathie Ingeborg Menge

Tierphysiotherapie und Osteopathie Ingeborg Menge Mobile Praxis für Tierphysiotherapie und Osteopathie

Krankengymnastik , Bewegungstherapie, Manuelle Therapie , Osteopathie, Atemtherapie, Gerätetraining, Ganganalyse, Manuelle Lymphrainage mit Kompressionsbandagierung, Massagen, Triggerpunktbehandlung, Elektrotherapie, Therapeutischer Ultraschall,Thermotherapie

Für Pferde:
Manuelle Lymphdrainage und Kompressionsbandagierung,
Anleitung für Pferdebesitzer im Lymphputzen.

06/03/2022
06/03/2022
24/01/2022

Wenn das vorhandene Bein nicht mehr kann, verhilft der Dreibeinerrolli wieder zu neuer Mobilität.

24/01/2022

Karpalorthesen

Bild oben links: Karpalothese aus Carbon mit Tamarackgelenken bei Durchtritt

Die obere und untere dorsale Schale ist gelenkig verbunden, die frontalen Anlageflächen der beiden Schalen sind entsprechend der ( im Verhältnis zu contralen Seite ) benötigten Extensionsbegrenzung geschliffen.

Bild oben links : Karpalorthese mit beweglicher Pfotenfassung

Bild Mitte: gleiche Orthese von lateral

Bild unten: gleiche Orthese von dorsal
Zur Verstärkung der Pfotenfassung wurde eine Stahlfeder angebracht

24/01/2022

Zahnwurzelbehandlungen vs. Tierschutz oder: Tierzahnmedizin ist nicht gleich Humanzahnmedizin

Von Ralph Rückert, Tierarzt, Ulm, und Claus Meyer, Tierarzt, Mönchengladbach

Wurzelkanalbehandlungen bei Hunden und Katzen? Sicher irgendwie ein Nischenthema, das viele Besitzer:innen naturgemäß erst genau dann interessiert, wenn sich der Hund oder die Katze einen Zahn abgebrochen hat und sich die dringende Frage stellt: Zahnextraktion oder Wurzelbehandlung (evtl. kombiniert mit einer Überkronung)? Da aber solche Zahnfrakturen bei beiden Tierarten gar nicht so selten vorkommen, macht es wohl Sinn, sich mal vorab ein paar Gedanken zu machen.

Ich rate aus den in diesem Artikel zu erläuternden Gründen Tierbesitzer:innen schon seit vielen Jahren von Wurzelkanalbehandlungen ab und empfehle – von absoluten Ausnahmen abgesehen – viel eher die Extraktion des beschädigten Zahnes. Mit diesem Standpunkt habe ich mich immer recht alleine gefühlt, sozusagen als Vertreter einer mehr oder weniger exotischen und überpingeligen Denkweise.

Dann kam mein sehr geschätzter Kollege Claus Meyer und sein Posting zu diesem Thema in einer tiermedizinischen Fachgruppe. Claus praktiziert in seiner Praxis in Mönchengladbach Tierzahnmedizin auf höchstem Niveau, hat in Sachen Wurzelkanalbehandlung genau die gleiche Meinung wie ich und ist zu meiner großen Freude für diesen Artikel mein Co-Autor.

Das CT-Bild oben hat Claus Meyer angefertigt. Es zeigt eine so richtig grausig (und von Anfang an!) verkorkste Wurzelfüllung, die dem betroffenen Hund für lange Zeit sehr schlimme Beschwerden eingebrockt hat. Claus schreibt dazu:

„Über Sinn und Unsinn endodontischer Behandlungen (Anmerkung: Wurzelbehandlungen)

So, wie versprochen: Ein Zahn-/HNO-Fall von gestern. Terrier, 7 Jahre, munteres Bürschchen, fasst sich immer wieder mit der Pfote an die Nase, Besitzerin vermutet ein Problem mit dem vor Jahren endodontisch behandelten (und NICHT nachkontrollierten) Caninus (204) (Anmerkung: Linker oberer Eckzahn). Dentales Röntgen zeigte zwar den völlig verbaselten Guttapercha (Anmerkung: Wurzelfüllmaterial), ließ aber keine Aussage über den apikalen Anteil (Anmerkung: Wurzelspitze) des Zahnes und dessen Umgebung zu. Das heißt, auch wenn nachkontrolliert worden wäre (was nicht geschah) -> dieses Problem wäre nicht erkannt worden! Der Hund ist damit laaange Zeit herumgelaufen, bis es den kleinen Krieger dann doch schmerztechnisch übermannte und er Frauchen endlich Symptome gezeigt hat.... ! Aus meiner Sicht wieder einer der Fälle, die uns klar aufzeigen: Wir dürfen keine endodontischen Behandlungen durchführen, denn wir sind meist nicht in der Lage, erstens die Indikation klar und sicher zu stellen und zweitens das Ergebnis sicher zu monitoren. Will man einem Patienten nicht fahrlässig dauerhaft Schmerz und Schaden zumuten, dann darf man das nicht tun...“

Wir stehen da vor einem ganz grundsätzlichen, in der Öffentlichkeit aber kaum bekannten Problem: Wurzelbehandlungen haben eine Misserfolgsquote, die man bei jedem anderen Routineeingriff irgendwo am Körper als völlig inakzeptabel einstufen würde. Selbst absolut von sich überzeugte und hochgradig auf Endodontie, also Wurzelbehandlungen, spezialisierte Humanzahnärzte reklamieren – wenn sie nicht schiefe Blicke ihrer Kolleg:innen ernten wollen – sicher keine Erfolgsquote von über 90 Prozent. Es gibt aber auch statistische Auswertungen und wissenschaftliche Veröffentlichungen, die eine ganz andere Sprache sprechen und viel niedrigere Erfolgsquoten bis runter zu gerade mal 60 Prozent beziffern.

Nun gut, das ist nicht wirklich berauschend, aber beim Menschen kann man es ja trotzdem drauf ankommen lassen, weil der halt sofort wieder auf der Matte steht, wenn der Misserfolg der Maßnahme durch anhaltende Beschwerden klar zum Ausdruck kommt. Der Sprache mächtige Patienten berichten einzeln oder in Kombination von unspezifischen Schmerzen, von Aufbissschmerz, von Druckgefühl im Bereich der Zahnwurzel oder von Problemen beim Kontakt mit kalten oder warmen Speisen oder Getränken. Auch kommt es vor, dass Patienten das Gefühl haben, der betroffene Zahn wäre verlängert oder würde ein kleines Stück aus dem Zahnfach hervorstehen, dann oft mit Aufbissschmerz. Aber entdecken Sie mal solche chronischen und eher diskreten Beschwerden bei Ihrem Hund oder gar bei Ihrer Katze! Bis Tiere wirkliche Zeichen des Unwohlseins erkennen lassen wie der Terrier aus obigem Beispielfall, müssen schon ziemlich hochgradige Schmerzen vorliegen, die wir Menschen ohne starke Schmerzmittel nicht einen Tag tolerieren könnten.

Mit einer Wahrscheinlichkeit irgendwo zwischen beträchtlich und bestürzend besteht also die Gefahr, dass eine Wurzelbehandlung krachend misslingt und anhaltende oder gar neue Beschwerden auslöst. Darauf, dass das Tier uns diese Beschwerden irgendwann und irgendwie anzeigt, können wir uns absolut nicht verlassen. Wie können wir den Erfolg oder Misserfolg einer Wurzelbehandlung aber sonst absichern? Offizielle Antwort, wie sie in jedem Lehrbuch der Tierzahnmedizin steht: Durch mehrfaches Nachröntgen in bestimmten Zeitabständen! Damit erhofft man sich, anhaltende oder neu entstehende entzündliche Reaktionen um den behandelten Zahn herum als Zeichen des Misserfolgs erkennen zu können.

Also alles gut? Mitnichten! Auch wenn wir diese fachlich korrekten Handlungsanweisungen peinlich genau befolgen wollen, haben wir es gleich wieder mit einer ganzen Latte annähernd unüberwindlicher Probleme zu tun. Erstens fehlt es bezüglich dieser Röntgenkontrollen gern mal an der Compliance der Besitzer:innen. Man kann es ja selbst als Tierarzt ein Stück weit nachvollziehen: Da hat man echt ordentlich Geld (alles in allem sicher im vierstelligen Bereich!) auf den Tisch gelegt, um den beschädigten Fang- oder Reißzahn seines Hundes per Wurzelbehandlung zu erhalten, und jetzt soll das noch x-mal nachgeröntgt werden, natürlich jedes mal in Narkose und für nochmal Hunderte von Euro mehr! Da kann man schon mal ins Prokrastinieren verfallen und es am Ende ganz vergessen! Ganz schlechte Nachrichten für den Hund, der deshalb über Monate und Jahre schwer leiden muss!

Zweitens stellen sich – ähnlich wie bei den technisch durchaus möglichen Zahnimplantaten für Tiere – ethische bzw. tierschutzrechtliche Fragen: Ist es angemessen, einem Hund oder einer Katze drei, vier, fünf zusätzliche Narkosen (im Vergleich zur sofortigen Extraktion) zuzumuten, um einen Zahn zu erhalten, dessen Verlust für das Tier eigentlich locker zu verkraften wäre? Man muss dazu wissen, dass beim Tier im Gegensatz zum Menschen nicht gleich das halbe Gebiss wegen eines fehlenden Zahns in Schieflage gerät.

Drittens haben wir selbst bei perfekter Compliance der Besitzer:innen ein ganz gravierendes Problem mit dem Monitoring, also mit der Erfolgskontrolle einer Wurzelfüllung durch dentales Röntgen. Wie aktuell gerade auf den Markt gekommene Verfahren wie das von Claus betriebene Cone-Beam-CT immer wieder beweisen, ist dentales Röntgen nicht wirklich geeignet, ein eventuell vorhandenes Problem mit einer Wurzelfüllung bei einem Patienten, der sich uns nicht mitteilen kann, sicher auszuschließen, sprich: Sehen wir im Röntgenbild bestimmte Veränderungen, können wir zwar sicher sagen, dass da ein Problem ist. Sehen wir aber keine dieser Veränderungen, beweist das beileibe NICHT, dass da kein Problem wäre. Nach so einer Röntgenkontrolle, bei der man keine auffälligen Befunde gesehen hat, freudig zum Besitzer zu sagen, das alles gut wäre, ist genau genommen ziemlich vermessen.

Diese Tatsachen, kombiniert mit der zumindest für die Humanzahnmedizin trotz hochgradiger Spezialisierung statistisch belegbaren Misserfolgsquote und der eigentlich ziemlich realistischen Befürchtung, dass diese Quote in der Tierzahnmedizin aufgrund des viel niedrigeren Spezialisierungsgrades noch wesentlich schlechter ausfallen dürfte, lassen zumindest bei uns beiden schwere Zweifel an der Sinnhaltigkeit und Tierschutzgerechtigkeit einer Zahnwurzelbehandlung bei Hund und Katze aufkommen. Ist es wirklich ethisch vertretbar, eine solche Behandlung durchzuführen, vielleicht nur auf Wunsch der Besitzer oder auf den eigenen, vielleicht ein bisschen eitlen Wunsch hin, eine solche Behandlung anbieten zu können, und das ohne funktionelle Notwendigkeit, denn zu einer Verschiebung der benachbarten Zähne wie bei Homo sapiens würde es ja nicht kommen? Wir meinen: Nein! Und wir raten deshalb beide – wie schon weiter oben erwähnt – in den allermeisten Fällen und von ganz eng begrenzten Ausnahmen abgesehen bei frakturierten bzw. schon infizierten Zähnen zur Extraktion und nicht zur Wurzelbehandlung.

Wir erwarten absolut nicht, dass alle zahnmedizinisch tätigen Kolleginnen und Kollegen, die auch Endodontie anbieten, dieser unserer Meinung zustimmen. Was man aber nach unserer Auffassung sehr wohl erwarten kann, ist eine schonungslos realistische Aufklärung der Patientenbesitzer:innen, ohne jeden Zweckoptimismus bezüglich der Erfolgsquote und mit einer klaren Darstellung des Leidens, das durch einen Misserfolg leider verursacht werden kann, damit diese zu einer wirklich informierten Entscheidung finden können.

Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze sich noch nie einen Zahn beschädigt hat, kann Ihnen dieser Artikel erst mal völlig egal sein. Sie sollten ihn sich aber irgendwie markieren oder abspeichern, damit Sie ihn bei Bedarf, wenn es halt doch irgendwann und irgendwie passiert ist, nochmal durchlesen können, bevor Sie entscheiden, was mit dem kaputten Zahn passieren soll.

Und wenn jemand in der Social-Media-Diskussion des Artikels kommentieren sollte, dass sein Hund schon vor Monaten oder Jahren eine Wurzelfüllung bekommen hätte und alles in Ordnung wäre, dann können wir nur gleich mal prophylaktisch anmerken: Das wissen Sie eben leider nicht, ob da wirklich alles in Ordnung ist! Und genau das ist das Problem!

Bleiben Sie uns gewogen,

Ihr Ralph Rückert, Ihr Claus Meyer

© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Römerstraße 71, 89077 Ulm, und Tierärztliche Kleintierpraxis Claus Meyer, Reststrauch 187, 41199 Mönchengladbach

Sie können jederzeit und ohne meine Erlaubnis auf diesen Artikel verlinken oder ihn auf Facebook teilen. Jegliche Vervielfältigung oder Nachveröffentlichung, ob in elektronischer Form oder im Druck, kann nur mit meinem schriftlich eingeholten und erteilten Einverständnis erfolgen. Von mir genehmigte Nachveröffentlichungen müssen den jeweiligen Artikel völlig unverändert lassen, also ohne Weglassungen, Hinzufügungen oder Hervorhebungen. Eine Umwandlung in andere Dateiformate wie PDF ist nicht gestattet. In Printmedien sind dem Artikel die vollständigen Quellenangaben inkl. meiner Praxis-Homepage beizufügen, bei Online-Nachveröffentlichung ist zusätzlich ein anklickbarer Link auf meine Praxis-Homepage oder den Original-Artikel im Blog nötig.

15/01/2022

Warnung! Das Kliniksterben geht weiter!

Seit mindestens 2018 warnen verschiedene Tierärzte und tiermedizinische Institutionen vor der dramatischen Entwicklung in der tierärztlichen Notfallversorgung und leider ist keine Besserung in Sicht.

In den letzten 3 Jahren haben allein in NRW 12 von vormals 25 Tierkliniken ihren Klinikstatus abgegeben und damit die Möglichkeit diese 24/7 aufsuchen zu können.
Die verbliebenen 50% versuchen mit aller Macht das zu kompensieren und brechen unter dieser Last (fast) zusammen.

Hauptgrund für die immer häufigere Aufgabe des Klinikstatus‘ ist der Personalmangel in den Tierkliniken und die damit einhergehende Überforderung des verbliebenen Personals. Die Gründe für den Personalmangel sind vielfältig. Zum allgemeinen Fachkräftemangel kommen:
• Fehlende Work-Life-Balance
• Schlechte Bezahlung in Relation zur (akademischen) Ausbildung und Verantwortung
• Hoher physischer und leider auch immer mehr psychischer Druck
• Wechselndes Geschlechterverhältnis (steigender Frauenanteil, der aufgrund familiärer Verpflichtungen die Möglichkeiten für Nacht- und Schichtarbeit reduziert).

Was uns aber wirklich schockiert, ist die harsche Kritik, mit der sich die verbliebenen Kliniken viel zu häufig konfrontiert sehen. Liest man durch die Rezensionen der Tierkliniken auf Google, stößt man auf persönliche Angriffe und überhöhte Erwartungen. Es ist bemerkenswert, dass die Kliniken sich trotzdem diesem Druck täglich stellen (wohlgemerkt freiwillig).
Auch bei uns in der Praxis wird nahezu täglich über die Tierklinken geschimpft und dabei wahlweise die lange Wartezeit, das unfreundliche Personal, die zu junge oder zu unerfahrene Tierärztin in der Nacht, die hohen Kosten, die nicht sofortige Diagnostik oder die Dreistigkeit, das Tier zunächst aufnehmen zu wollen und vieles mehr, genannt. Die allermeisten Mitarbeiter unseres Teams waren bis vor kurzem in einer Tierklinik angestellt und wissen über diesen Druck unzufriedener Patientenbesitzer nur allzu gut zu berichten und sind nicht zu guter Letzt auch deshalb in eine Praxis gewechselt.

Daher möchten wir heute eine Lanze für alle noch verbliebenen Tierkliniken brechen und einmal Danke sagen. Danke, dass ihr euch täglich stellt. Danke, dass ihr nicht nur für unsere Patienten in der Nacht da seid, sondern im Zweifel auch für unsere eigenen Tiere. Danke, dass ihr noch nicht aufgegeben habt.

Seid auch ihr so lieb, nehmt es nicht als selbstverständlich hin, das ist es nämlich längst nicht mehr. Im Gegenteil, wir sind hier noch sehr privilegiert die Möglichkeit zu haben, innerhalb von 30min in einer Tierklinik sein zu können, auch wenn ihr dort ggf. nochmals Stunden warten müsst. In anderen Regionen in Deutschland muss man schon längst über 2 Stunden zu einer rettenden Anlaufstelle fahren.

Daher:
- Seid nett und freundlich, wenn ihr in einer Tierklinik seid. Ganz egal wie lange die Wartezeit ist.
- Sucht eine Tierklinik nur auf, wenn es sich um einen Notfall handelt.
- Nehmt, wann immer möglich zunächst einen bestehenden Ringnotdienst der Haustierärzte in Anspruch.
- Besucht vorher Erste-Hilfe-Kurse, um Notfälle richtig einzuschätzen und im Zweifel eurem Tier durch erste Maßnahmen das Leben zu retten, schon jetzt ist vielerorts wie beschrieben ein Tierarzt nicht innerhalb von 1-4 Stunden zu erreichen. Legt euch daher auch ein Erste-Hilfe-Set an.
- Wenn ihr nicht die Möglichkeit habt, MINDESTENS 3000€ für einen Notfall oder eine OP zahlen zu können, versichert euren Schützling. Bereits eine mittelgroße OP kann einen lebenslangen Versicherungsbeitrag amortisieren. Eine Tierklinik MUSS, um Ihren Betrieb aufrecht zu halten solche Beträge aufrufen, daher beschwert euch bitte auch nicht über die Kosten.

UND das allerwichtigste: zeigt eure Dankbarkeit den Leuten gegenüber, die das nach wie vor ermöglichen. Ihr bewegt damit so viel mehr als ihr denkt.

Daher teilt diesen Beitrag, kommentiert und erwähnt die Tierklinik, der ihr dankbar seid und lasst die Tierkliniken wissen, dass wir es nicht für selbstverständlich halten, dass diese nach wie vor für uns da sind.

Stellvertretend für alle Tierkliniken schon einmal Danke AniCura Bökelberg GmbH Tierklinik Aachen Dr. Staudacher, Tierklinik Hofheim Tierklinik Neandertal, Tierklinik Stommeln, Vetzentrum Köln u.v.m.
Aber auch Danke an alle Haustierärzte, die Ringnotdienste organisieren und sich diesen anschließen.

16/09/2021

Gibt es in Deutschland eigentlich noch die Tollwut?

Diese brandaktuelle Frage möchten wir aus gegebenem Anlass mit folgendem Beitrag beantworten. Gleichzeitig geht es uns darum, auf Gefahren aufmerksam zu machen, die von Hunden aus Drittländern ausgehen, wenn sie illegal nach Deutschland gebracht werden.

Fledermäuse sind in Deutschland das Hauptreservoir für Tollwutviren. Auch wenn eine Übertragung auf andere Spezies durch Fledermäuse möglich ist, gilt die terrestrische Tollwut in Deutschland als eliminiert. Gründe dafür sind die hohe Impfquote unserer Haustiere sowie die Importbestimmungen für Tiere aus dem Ausland. In der Coronapandemie kam es jedoch zu einem Haustier-Boom. Die hohe Nachfrage leerte die Tierheime. Gleichzeitig nehmen die illegalen Tiertransporte und Grenzüberquerungen zu. Auch kommt es immer wieder vor, dass Menschen unter Umgehung der behördlichen Auflagen kranke Hunde und Katzen aus dem Urlaub mit nach Deutschland bringen. Und von so einem Fall möchten wir hier berichten.

Uns wurde diese Woche ein kranker Kangal-Welpe vorgestellt, der zwar aus gut gemeinten Gründen, aber völlig gedankenlos aus der Türkei nach Deutschland gebracht wurde. Dem armen Kerl ging es bei Vorstellung sehr schlecht. Da uns anfangs weder die Herkunft des Tieres noch die Hintergründe der Vorstellung bekannt waren, haben wir alle intensivmedizinischen Maßnahmen eingeleitet. Nach einer kurzen Phase der Verbesserung, verstarb der Patient.
In der Zwischenzeit wurden weitere Details über das Tier bekannt, so dass wir den Hund sofort isolierten. Es ist unsere tierärztliche Pflicht, Tiere aus dem Ausland ohne Herkunftsnachweis, Quarantäne oder nachweisbaren Impfungschutz dem Veterinäramt zu melden. Obwohl der Besitzer hier wenig kooperativ war, kamen wie dieser Pflicht selbstverständlich nach. Das Veterinäramt holte den verstorbenen Patienten ab und leitete eine pathologische Untersuchung ein.

Es stellte sich schließlich heraus, dass der Hund an den Folgen von Tollwut gestorben war. Tollwut ist eine ansteckende und speziesübergreifende Virus-Erkrankung, die immer tödlich endet. Ein Biss durch ein erkranktes Tier gilt als sicherer Übertragungsweg. Jedoch kann das Virus in seltenen Fällen auch über andere Wege auf den Menschen übertragen werden. Ein Großteil unserer Mitarbeiter hatte trotz Schutzmaßnahmen mehr oder minder direkten Kontakt zu dem Tier und setzte sich damit einem deutlich erhöhten Risiko aus.
Wir sind dankbar, dass die Diagnose sehr früh gestellt und schlimmeres verhindert werden konnte. Unser Krisenmanagement funktionierte in dieser Situation sehr gut. Unter ärztlicher Aufsicht und behördlicher Begleitung wurden vergangene Nacht ca. 30 unserer Mitarbeiter notgeimpft, ein paar weitere wurden in Krankenhäusern behandelt. Die Impfungen müssen nun in kurzen Abständen mehrfach wiederholt werden, um für einen wirksamen Schutz zu sorgen. Wir können aber hoffen, dass niemand mehr von uns in Lebensgefahr schwebt. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einmal ganz offiziell unserem zuständigen Veterinär- und Gesundheitsamt danken, die sofort und unbürokratisch gehandelt haben. Gleichzeitig danken wir Dr. Steiner, der uns als ausgewiesener Spezialist mit seiner Expertise rund um die Uhr beratend zur Seite stand und unser Team über die kommenden Wochen weiter medizinisch betreuen wird. Natürlich sind wir auch sehr stolz auf alle unsere Kolleg:innen, die sich der ernsten und angespannten Situation ohne Panik gestellt haben.

Aber warum veröffentlichen wir das an dieser Stelle? Ganz einfach, weil hier durch den gedankenlosen Import eines kranken Tieres eine Gefährdung von Menschen- und Tierleben billigend in Kauf genommen wurde. Wir schätzen uns außerordentlich glücklich, dass nicht mehr passiert ist und möchten Sie mit diesem Beitrag für das Thema sensibilisieren. Bitte halten Sie sich trotz aller Tierliebe immer an die jeweiligen Vorschriften. Sie sind sinnvoll! Und bitte achten sie auch darauf, dass Ihr Tier immer einen aktuellen Impfstatus aufweist. Er wird im Zweifelsfall sowohl das Leben Ihres Tieres als auch das Ihre retten. Denn wir müssen davon ausgehen, dass es sich hierbei nicht um den letzten eingeschleppten Tollwutfall handelt.

Bleiben Sie gesund - bleiben Sie aufmerksam!

Ihr Team der TKP

27/08/2021

𝐒𝐞𝐧𝐬𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧
𝐍𝐞𝐮𝐞 𝐁𝐞𝐡𝐚𝐧𝐝𝐥𝐮𝐧𝐠𝐬𝐦𝐞𝐭𝐡𝐨𝐝𝐞 𝐳𝐮𝐫 𝐓𝐡𝐞𝐫𝐚𝐩𝐢𝐞 ü𝐛𝐞𝐫𝐬𝐜𝐡𝐢𝐞ß𝐞𝐧𝐝𝐞𝐫 𝐈𝐦𝐦𝐮𝐧𝐫𝐞𝐚𝐤𝐭𝐢𝐨𝐧𝐞𝐧 (𝐂𝐲𝐭𝐨𝐬𝐨𝐫𝐛𝐚 𝐮𝐧𝐝 𝐈𝐦𝐦𝐮𝐧𝐚𝐝𝐬𝐨𝐫𝐩𝐭𝐢𝐨𝐧) 𝐞𝐫𝐬𝐭𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐛𝐞𝐢𝐦 𝐇𝐮𝐧𝐝 𝐢𝐧 𝐊𝐨𝐦𝐛𝐢𝐧𝐚𝐭𝐢𝐨𝐧 𝐚𝐧𝐠𝐞𝐰𝐞𝐧𝐝𝐞𝐭.
𝐌𝐞𝐝𝐢𝐳𝐢𝐧𝐢𝐬𝐜𝐡𝐞 𝐊𝐥𝐞𝐢𝐧𝐭𝐢𝐞𝐫𝐤𝐥𝐢𝐧𝐢𝐤 𝐬𝐞𝐭𝐳𝐭 𝐰𝐞𝐥𝐭𝐰𝐞𝐢𝐭 𝐞𝐫𝐬𝐭𝐦𝐚𝐥𝐬 𝐁𝐞𝐡𝐚𝐧𝐝𝐥𝐮𝐧𝐠𝐬𝐯𝐞𝐫𝐟𝐚𝐡𝐫𝐞𝐧 𝐚𝐮𝐬 𝐝𝐞𝐫 𝐇𝐮𝐦𝐚𝐧𝐦𝐞𝐝𝐢𝐳𝐢𝐧 𝐞𝐫𝐟𝐨𝐥𝐠𝐫𝐞𝐢𝐜𝐡 𝐛𝐞𝐢 𝐇𝐮𝐧𝐝 𝐦𝐢𝐭 𝐍𝐢𝐞𝐫𝐞𝐧𝐯𝐞𝐫𝐬𝐚𝐠𝐞𝐧 𝐝𝐮𝐫𝐜𝐡 𝐋𝐞𝐢𝐬𝐡𝐦𝐚𝐧𝐢𝐨𝐬𝐞 𝐞𝐢𝐧.

Leishmaniose ist eine oft tödlich verlaufende Infektionskrankheit beim Hund, die durch Blutparasiten versursacht wird. Diese Blutparasiten werden durch infizierte Stechmücken übertragen, die im südlichen Ausland (vor allem in Mittelmeerländern) sehr häufig vorkommen. Die Medizinische Kleintierklinik sieht viele Hundepatienten mit Leishmaniose, die hier in einem interdisziplinären Ansatz intensiv betreut werden, der dank Zusammenarbeit hoch spezialisierter Teams bei uns an der Klinik möglich ist. Bei der Betreuung von Leishmaniosepatienten arbeitet das Team der klinischen Infektiologie (Leitung: Prof. Dr. Katrin Hartmann, Dr. Michèle Bergmann) eng mit dem Team der Nephrologie (Leitung: Priv.-Doz. Dr. Roswitha Dorsch), dem Team der Dermatologie (Leitung: Prof. Dr. Ralf Müller) mit dem Team der Intensivmedizin (Leitung. Dr. René Dörfelt) zusammen.
So konnten unsere Spezialisten unter Anleitung von Dr. Dörfelt durch eine weltweit erste und völlig neue Kombination zweier Behandlungsmethoden einem schwerst erkranktem Hund mit Leishmaniose das Leben retten. Der vierbeinige Patient litt an akutem Nierenversagen, verursacht durch die Leishmanien, die die inneren Organe, vor allem die Nieren, die Leber und die Milz angreifen. So lagern sich bei manchen Leishmaniosepatienten in den Nieren Antikörper ab und schädigen diese.
Der Dialyseexperte Dr. Dörfelt entschied sich für die Anwendung neuer Therapieverfahren aus der Humanmedizin, die bisher nur bei wenigen Hunden angewendet wurden:

Cytosorba: Hierbei werden Entzündungsbotenstoffe entfernt, ein Verfahren, das aus der Humanmedizin stammt und bei Patienten mit Sepsis (Blutvergiftung) oder auch Covid-19 erfolgreich angewendet wird. Diese Behandlungsmethode wendete Dr. Dörfelt deutschlandweit erstmalig beim Hund an.

Immunadsorption: Im Rahmen dieses Verfahrens werden Antikörper, die im Überschuss durch das Immunsystem gebildet werden, entfernt. Dadurch erhofft man sich eine Verminderung der Nierenschädigung und Verbesserung der Nierenfunktion. Dr. Dörfelt: „Meines Wissens sind wir aktuell die einzige Tierklinik weltweit, die diese Therapieoption beim Hund anbietet.“

Die Kombination beider Therapieverfahren, eine Dialysesitzung mit Cytosorba für drei Stunden und im Anschluss daran zwei Stunden Immunadsorption führte dazu, dass die Nierenwerte des Hundes nicht mehr weiter anstiegen und nach 48 Stunden begannen, langsam abzusinken. Aktuell, fünf Wochen nach der Behandlung, hat die Hündin nun erfreulicherweise normale Nierenwerte. Die Hündin hat sich von der Behandlung gut erholt und wird nun weiter mit Medikamenten gegen die Leishmaniose behandelt, um möglichst lange einen stabilen Zustand zu erhalten.

Dr. Dörfelt: „Ich hatte die Idee, die Behandlungsverfahren aus der Humanmedizin bei unserem vierbeinigen Patienten einzusetzen. Mein Ziel ist es, dieses Therapieverfahren zu etablieren, um auf diese Weise schwer kranken Hunden mit immunologische Erkrankungen und schweren Organstörungen, denen mit anderen Therapiemethoden nicht geholfen werden kann, das Leben zu retten.

Weitere Infos zum Thema Blutreinigungsverfahren finden Sie hier:
https://www.med.vetmed.uni-muenchen.de/downloads/blutreinigungsverfahren.pdf

22/08/2021

Derzeit ist eine Gesetzesänderung auf EU Ebene in Planung, die schon ab 2022 in Kraft treten soll und für unsere Tiere die meisten Antibiotika verbietet. Das...

15/08/2021

Das Haar der Achal-Tekkiner glänzt so metallisch, als wären sie nicht von dieser Welt. Dabei sind sie schon sehr lange hier. Doch nicht ihr Äußeres machte sie über vier Jahrtausende begehrenswert, sondern ihre Ausdauer und Treue.

12/08/2021

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