Kunst- und Gestaltungstherapie ist keine Psychotherapie, obwohl sie im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen zu Anwendung kommen kann. Im Gegensatz zur Psychotherapie, die vom Gesetzgeber ausschließlich als Heilkunde verstanden wird, begegnen Kunst- und Gestaltungstherapeutinnen und Kunst- und Gestaltungstherapeuten ihren Klienten auch außerhalb der Heilkunde. Edith Kramer, Begründerin der psy
choanalytischen Kunsttherapie schrieb hierzu: „Es scheint mir der einzige Grund, warum man ein Kunsttherapeut werden würde, dass man etwas anzubieten hat, das speziell ist, das nur die Künste geben können. Andernfalls könnten sie auch ein Psychotherapeut werden.”
In dieser einzigartigen, partnerschaftlichen und mündigen Zusammenarbeit können Kunst- und Gestaltungstherapeutinnen sowie Kunst- und Gestaltungstherapeuten Handlungsmodelle entwickeln, Lösungsansätze aufgreifen, das Klientenpotenzial an Fähigkeiten und Begabungen herausarbeiten und für den Klienten gedankliche Realitätsüberprüfungen anbieten. Bildimaginationen, Mandala malen, Formenzeichnen), Kreatives Schreiben und Plastizieren. Kunst- und Gestaltungstherapie die eigenständig im Bereich der Psychosomatik tätig und somit an der Heilung psychischer Störungen beteiligt ist, benötigt eine Approbation bzw. die entsprechende Qualifikation nach dem Heilpraktikergesetz. Im Gegensatz zur Ergotherapie die auch kreative Medien zur Beschäftigung und Rehabilitation motorischer Fähigkeiten der Patienten nutzt, will Kunst- und Gestaltungstherapie innere Kräfte mobilisieren und zu einem somatisch und psychischen Gleichgewicht führen.
“Das Hauptinteresse in Kunsttherapien richtet sich gewiss und zu Recht auf die Prozesse und die Ergebnisse der Hervorbringung von Bildern. Wir sind beeindruckt, fasziniert von der gestalterischen Energie, die sich Bahn bricht, von der verschlüsselten Eigentümlichkeit der Werke. Der Atem des Schöpferischen, die scheinbare Unbedingtheit, die verborgene Bedingtheit der Kreation fesseln und befreien.” (Klaus Matthies)
Künstlerische Prozesse und die Begegnung mit unterschiedlichen Materialien verbildlichen in idealer Weise innere Zustände, Erfahrungen und Konflikte und sind damit geeignet, um Veränderungsprozesse modellhaft zu erfahren. Kunst- und Gestaltungstherapie setzt alle denkbaren künstlerischen Mittel zum Wohle des Klienten ein: Malen, Plastizieren, Schreiben, Musizieren, Tanzen, Spielen. Im Bereich der psychosozialen Arbeit, in der Pädagogik und der Psychiatrie, in der Kinder- und Jugendlichentherapie sowie in der Geriatrie (Arbeit mit älteren Menschen) hat die Kunst- und Gestaltungstherapie zu Fortschritten in der gesamten Therapiebehandlung beigetragen. Kunst- und Gestaltungstherapie ermöglicht eine erweiterte Beratung, Diagnostik und Behandlung von sozialen Konflikten, psychischen und körperlichen Störungen und Einschränkungen. der Malstil auf die Körperfunktionen auswirken kann, auch diese Tatsache macht sich die Kunst- und Gestaltungstherapie zu Nutze, um Klientinnen bzw. Klienten je nach Bedürfnis seelische oder körperliche Konzentration, Entlastung oder Heilung zu ermöglichen. Die Erfahrung im Künstlerischen führt dazu, dass Klientinnen bzw. Klienten die gewonnenen Erfahrungen in andere Lebensbereiche weiterhin anwenden. (Konditionierung).
“Erziehung zur Kreativität ist gleichbedeutend mit der Erziehung zum Leben.”
(Erich Fromm: Der kreative Mensch, 1959)
Je nach Einsatzort stellt sie eine eigenständige Therapie dar oder sie ergänzt und erweitert die Behandlung mit anderen Heilverfahren. Kunst- und Gestaltungstherapeutinnen sowie Kunst- und Gestaltungstherapeuten arbeiten unter anderem selbständig in eigener Praxis und in:
Senioren- und Pflegeheimen
Familienberatungsstellen
Kinder- und Jugendtherapieeinrichtungen
Selbsthilfegruppen
Praxisgemeinschaften
Kreativ- und Kunstschulen
Kindergärten und Schulen
Hospizeinrichtungen
pädagogischen Beratungsstellen
Behinderteneinrichtungen
Jugendzentren
Bürgerzentren
heilpädagogischen Einrichtungen
Institutionen der Freien Wohlfahrt
Frauenzentren- und Frauenhäusern
Integrationszentren
Gemeindezentren
Psychosomatischen Kliniken
Ambulanten Tagesstätten
Sanatorien und Kurhäusern