25/07/2017
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Und wer wird für mich mal da sein?
Davor haben viele Angst, und ich auch: Hilflos sein, alt sein, auf andere angewiesen sein. Und dann? Wird es noch jemanden geben, der sich um mich kümmert? Aus meiner Familie? Jemand, dem ich vertrauen kann? Dieses Thema treibt mich immer wieder um: wie gehen wir mit "unseren Alten" um?
Jeder, der davon betroffen ist, kennt das Gefühl, ständig ein schlechtes Gewissen mit sich rumzuschleppen. Man hat zu wenig Zeit und zu wenig Geduld. Man sieht einen Menschen verfallen, den man noch stark und selbstbewusst in Erinnerung hat. Der Kopf schreit immer wieder: "Das kann doch nicht sein! Das darf doch nicht so schnell gehen!" Während das Herz einfach nur verkrampft. Man will es einfach nicht wahrhaben und verdrängt, was die letzte Konsequenz ist: Nicht mehr lange, und man wird einfach ein „Niemand“ sein. Wohin geht die Würde? Wohin geht der Stolz? Wohin die Seele? Wohin das Leben?
Ich habe das Gefühl, jede Stunde, die ich verpasse, ist eine Stunde, die mich weiter wegträgt von diesem Menschen, der mir so vertraut ist. Demenzkranke spüren am Anfang selbst, wie sich ihre Erinnerung auflöst und sind verzweifelt darüber. Sie wehren sich. Sie verweigern sich. Sie haben Angst. Hilflos steht man gemeinsam davor und versucht, etwas festzuhalten, was man nicht festhalten kann. Doch egal was man tut, egal wie stark man ist, der Mensch geht und mit ihm seine Erinnerungen.
Gut, dass es mittlerweile so ausgezeichnet ausgebildete Pflegekräfte gibt, die auch mir helfen zu verstehen, was passiert. Ich hoffe, ich werde, neben meiner Familie, auch einmal solche Helfer haben, die für mich da sind, bis ich irgendwann von der Liste des Lebens gestrichen werde.
Mein Besuch auf der Demenz-Pflegestation nächsten Mittwoch in meiner Sendung „dunja hayali“ um 22.15 Uhr im ZDF.
Auf dem Foto: Frau Dunkel und Pfleger Chris