09/05/2015
An allen, die den diesjährigen Interplasteinsatz unterstützt haben
ein herzliches Dankeschön.
Ihre Spenden haben unsere Arbeit ermöglicht.
Anbei der Einsatzbericht Sittwe 2015
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Einsatzbericht Sittwe 2015
Wie bereits 2014 haben wir für Feb./März 2015 wieder einen Einsatz in Sittwe, im Rhakine State in Myanmar geplant. Im Großen und Ganzen war das Team wie im letzten Jahr zusammengestellt: als Operateure die Plastischen Chirurgen Andreas Schmidt und Caius Radu, als MKG-Chirurg Michael Bergermann. Als Anästhesisten mit dabei, wie auch im vergangenen Jahr, Dirk Dunkelberg und Stefanie Ruhnau, die dieses Jahr verstärkt wurden durch Herbert Bauer. Weiterhin Gerry Schmidt als OP-Schwester, Dirk Bierawski als Anästhesiepfleger, Anja Niering als zusätzliche Pflegekraft und die Medizinstudentin Alexandra Kurz aus München.
Spannend war, dass wir erneut im gleichen Einsatzgebiet tätig waren, was zum einen Vertrautheit mit der dortigen Infrastruktur bedeutet, zum anderen für die burmesischen Kollegen wiederum Kontinuität.
Über die lokalen Gesundheitsbehörden wurde auch diesmal in einem Umkreis von ca. 100 km bekannt gegeben, dass ein deutsches Interplast-Team für 14 Tage kostenlos Operationen durchführen würde, was dazu geführt hat, dass sich erneut sehr viele Pat. vorgestellt haben. Das bewährte Konzept, dass Pat. und Angehörige im naheliegenden Kloster aufgenommen wurden und dort vor und nach der Behandlung bleiben und versorgt werden konnten, hat sich wieder als sehr sinnvoll erwiesen. Sowohl Screening als auch die Nachuntersuchungen nach Entlassung aus dem Krankenhaus konnten dort durchgeführt werden.
Die Vorbereitungen auf unseren Einsatz haben sehr gut geklappt, wir konnten im Vorfeld wieder sehr viele Materialspenden sammeln. Aufgrund der neuen Gepäckregelung der Thai Airways und unserer Vielfliegermeilen, hatten wird dieses Mal keinerlei Probleme mit Übergepäck und konnten entspannt einchecken. Auch die geänderte Flugverbindung kam uns sehr entgegen, so dass wir in „einem Rutsch“ bis nach Sittwe kamen. Der Flug führte uns über Bangkok direkt nach Rangun und nach einem kurzen Zwischenstopp weiter nach Sittwe, so dass wir nach der non-stop-Reise am frühen Nachmittag im Kloster ankamen und mit der Sichtung der Patienten beginnen konnten. Einerseits sicherlich anstrengend, andererseits aber auch sehr effektiv.
Die 2. Hälfte des Teams begann mit dem Aufbau im OP. Zu unserem Erstaunen durften wir als erstes Team die neu gebauten OP-Räumlichkeiten benutzen, welche ausgezeichnet waren. Im neu gebauten OP-Trakt standen uns 2 OP-Säle zur Verfügung, einer mit 2 und einer mit 1-OP Tisch, sodass wir Dank 3 mitgereister Anästhesisten an 3 Tischen mit Vollnarkose operieren konnten.
Das Spektrum der uns vorgestellten Pat. war extrem vielfältig. Die zahlenreichste Gruppe waren erneut Pat. mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, wobei dieses Mal, zu unserer Überraschung, die Gaumenspalten zahlenmäßig dominierten. Danach kamen die Pat. mit Verbrennungskontrakturen. Es stellten sich auch mehrere Patienten mit ausgeprägten Neurofibromatosen vor, mehrere Kinder mit Klumpfüßen und etliche Weichteiltumore, etc. Bedauerlicherweise wurden uns auch unzählige Pat. vorgestellt, denen wir nicht helfen konnten. Darunter Taubstumme, Paresen der unteren Extremitäten nach Spritzenabszeßen, Hemiplegien, etc. Insgesamt wurden nach mehreren Screenings insgesamt 98 Patienten für eine Operationen vorgesehen. An diesen wurden zum Teil Mehrfacheingriffe durchgeführt, so dass wir auf insgesamt 114 Operationen kamen.
Als besondere Herausforderung erwiesen sich, aufgrund der massiven Ausdehnung im Gesichtsbereich und der erheblichen Blutungsneigung, die Pat. mit den ausgedehnten Neurofibromatosen,. Bei einem Pat. konnte die Resektion an der Stirn vollständig durchgeführt werden, bei den anderen beiden wurde eine deutliche Reduzierung der Hautüberschüsse durchgeführt. Erfreulicherweise verheilte alles ohne nennenswerte Komplikationen.
Die Patienten konnten, nach eine kurzen Nachbeobachtung im Aufwachraum, auf die HNO-Station, welche uns zur Verfügung stand, verlegt werden. Die meisten von ihnen wurden nach 1-2 Tagen ins Kloster entlassen. Die Unterstützung durch die burmesischen Kollegen, aber auch durch die Schwestern auf Station und das Pflegepersonal im OP war sehr gut, so dass die Arbeit reibungslos und sehr effizient verlief.
Nach 9 erfolgreichen OP-Tagen konnten wir bei der letzten Visite feststellen, dass wir keinerlei Nahtdehiszenzen bei den Lippen- und Gaumenoperationen hatten, die meisten Vollhauttransplantate waren gut eingeheilt, es fanden sich nur geringfügige Wundheilungsstörungen. Bei einige Patienten mit erheblichen Kontrakturen, zum Teil nach Verbrennungen, zum Teil nach Spinnenbissen, mussten die Gelenkte temporär mit Kirschner-Drähten arthrodedisiert werden. Hier und auch bei den Pattienten, bei denen Klumpfüße operiert wurden, ist die weitere Nachsorge von Bedeutung. Wir mit den Kollegen vor Ort die Nachsorge besprochen und hoffen, dass der weitere Heilungsverlauf ungestört sein wird.
Wir haben auch einige Kinder, welche wir im Vorjahr operiert haben, wieder gesehen. Bei 3 von ihnen waren Folgeoperationen erforderlich. Der spektakulärste Fall im vergangenen Jahr war ein Kind mit einer ausgedehnten, paramedianen Gesichtsspalte (Tessier Nr.3), sowie einer bilateralen Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Das Ergebnis war ausgezeichnet und der Junge wohlauf. Er stellte sich vor zum Verschluss der bilateralen Gaumenspalte und einer Nachkorrektur im Bereich des Augenlides.
Aufgrund der großen Fallzahl ist davon auszugehen, dass im Rhakine Staat auch weiterhin ein großer Bedarf an plastisch-rekonstruktiven Eingriffe besteht und sicherlich im nächsten Jahr wieder Teams dorthin reisen werden.
Ich möchte mich beim gesamten Team für das Engagement bedanken, welches es ermöglicht hat, viele und auch sehr komplexe Eingriffe sicher und frei von Komplikationen durchzuführen. Ebenso gilt unser Dank den burmesischen Ärzten und den Mönchen vor Ort, die uns eine Infrastruktur zur Verfügung stellten, welche uns eine reibungslose und sehr effiziente Arbeit ermöglicht haben.
Mein besonderer Dank gilt Dr. Heinz Schöneich, der uns über die Sektion München die finanziellen Mittel für diesen Einsatz zur Verfügung gestellt hat.
Dr. Caius Radu
Teamleiter
Komplexe Fehlbildung 2014. Dieses Jahr erfolgten weitere Korrekturen am Gaumen und am Auge. Der Junge ist in seinem Umfeld voll integriert und besucht die Schule.