11/01/2026
🌊 Januar-Geschichte
Aquino und das leise Ankommen
Der Januar kam still.
Nicht laut, nicht fordernd – sondern wie ein sanfter Atemzug nach einer langen Reise.
Aquino stand barfuß am Rand eines kleinen Sees. Das Wasser war klar und ruhig, als würde es zuhören. Über ihm spannte sich der Winterhimmel weit und offen, und der Wind spielte leise mit seinem Schal, den er immer trug, wenn er sich erinnern wollte, wer er war.
Aquino wusste noch nicht alles über sich.
Aber er spürte viel.
Er spürte, dass er anders war – nicht besser, nicht schlechter. Einfach anders.
Manchmal fühlte er sich auf dieser Erde wie ein Gast, der erst lernen musste, wie man hier lebt. Und manchmal, ganz selten, fühlte er sich genau richtig.
„Ich bin hier“, flüsterte er leise.
Nicht zu jemandem Bestimmten.
Mehr zu sich selbst.
Der Januar liebte solche Sätze.
Aquino kniete sich ans Wasser. Seine Fingerspitzen berührten die Oberfläche, und feine Kreise zogen sich über den See. In diesem Moment war es, als würde das Wasser ihm antworten. Nicht mit Worten – sondern mit Gefühl.
Du darfst ankommen.
Du musst nichts leisten.
Du bist gemeint.
Aquino atmete tief ein.
Er merkte, wie sein Herz langsamer wurde.
Hinter ihm raschelte es. Ein Reh trat vorsichtig aus dem Wald, blieb stehen und sah ihn an. Ganz ruhig. Ganz wach. Kurz darauf ließ sich ein Rabe auf einem Ast nieder, und irgendwo weiter oben zog der Wind seine unsichtbaren Bahnen.
Aquino lächelte.
Die Tiere wussten. Sie wussten immer.
„Ich glaube, ich bin ein Wassermann“, sagte er leise.
Der Wind schmunzelte.
Das Wasser glänzte.
Und das Feuer tief in Aquinos Herz begann warm zu leuchten.
Er erinnerte sich:
Er war gekommen, um zu verbinden.
Um zu fühlen.
Um zu zeigen, dass Gemeinschaft leise beginnt – in einem offenen Herzen.
Doch im Januar ging es nicht darum, die Welt zu verändern.
Der Januar wollte nur eines:
Ankommen.
Aquino setzte sich auf einen Stein und wickelte den Schal fester um sich. Er dachte an all die Menschen, die sich gerade verloren fühlten. An Kinder, die sich zu fein für diese Welt hielten. An Erwachsene, die ihr inneres Leuchten vergessen hatten.
„Ich bin noch klein“, flüsterte er.
„Aber ich wachse.“
Der See spiegelte den Himmel.
Der Himmel hielt den Raum.
Und Aquino – der kleine Wassermann – verstand:
Man muss nicht wissen, wie alles geht.
Es reicht, da zu sein.
Als die Sonne langsam hinter den Bäumen verschwand, machte sich Aquino auf den Weg. Seine Schritte waren ruhig, seine Gedanken weich. Er wusste, dass das Jahr noch viele Aufgaben bereithielt – doch jetzt durfte er einfach nur sein.
Und irgendwo, ganz leise, begann das neue Bewusstsein zu atmen.
Mit ihm.
Durch ihn.
Und für uns alle.
✨ Seelensatz für den Januar
„Ich darf ankommen.
Ich bin hier.
Und das genügt.“