01/03/2026
POST aus ZIST
Ob nun die Vegetation tatsächlich nicht leidet, wie es Goethe annehmen konnte, steht bei all dem, was wir Menschen der Natur antuen, in den Sternen. Dennoch ist der nahende Frühling jedes Jahr wieder eine Phase, die mit ihrem Wachsen und Werden und den angenehmeren Temperaturen dazu einlädt, dankbar zu sein dafür, dass uns dieses Leben geschenkt worden ist und wir auf diesem wunderbaren Planeten leben dürfen.
Überschattet oder gar bis zur Unkenntlichkeit verschüttet ist das Gefühl der Dankbarkeit allerdings immer mehr durch viele unüberschaubare gesellschaftliche Entwicklungen, die Angst machen und Fragen aufwerfen.
In einem Gespräch mit einer guten Freundin, die seit vierzig Jahren hauptberuflich Lobbyarbeit für Umwelt-NGOs macht (ja, es gibt auch diese Art der Lobbyarbeit), fragte ich sie, wie sie trotz der vielen Erfolge, die sich aus beharrlichem internationalen Networking entwickeln, mit den zum Teil heftigen Rückschlägen und dadurch mit Frustration, gar Resignation umginge. Sie antwortete, dass sie eine tiefe Verbindung zu dem Gefühl der Dankbarkeit für das Geschenk des Lebens auf diesem Planeten habe und dass sie das tragen würde, auch wenn ihr in weiten Phasen vor lauter Entsetzen die Haare sprichwörtlich zu Berge stünden. Sie ist eine Frau, die neben ihrem Beruf auch an vielen Fortbildungen zum persönlichen Wachstum in der Selbsterfahrung teilgenommen hat. Die Offenheit für andere Biografien, Sichtweisen oder Standpunkte, die damit einhergeht, ein weiteres Verständnis von menschlicher Eigenart zu entwickeln und ein gewisser Pragmatismus, helfen ihr dabei, Gemeinsamkeiten mit Gesprächs- und Verhandlungspartnern (m/w/d) auszuloten.
Auch für Wolf Bündig war das Gefühl der Dankbarkeit ein zentrales Thema. Für die Festschrift zum 80. Geburtstag von Bruder Steindl-Rast verfasste er 2006 einen Beitrag mit dem Titel Dankbarkeit, den ich hier verlinke für diejenigen, die ihn lesen möchten.
https://www.zist.de/dankbarkeit
Und nun in ganz eigener Sache: Wir freuen uns sehr darüber, unseren Abonnenten (m/w/d) nach mehrjähriger Pause wieder eine Printversion unseres Programmheftes schicken zu können.
Ab 2020 hatten wir uns aufgrund der Ereignisse um COVID-19 dazu entschlossen, zunächst erst einmal nur noch einen kleinen Veranstaltungskalender zu versenden. In der Folge diskutierten wir während und nach der Pandemie immer wieder, inwieweit Print überhaupt noch zeitgemäß sei. Überlegungen zum Umweltschutz spielten eine wesentliche Rolle.
Dennoch: In einer Welt, die permanent Nachrichten über Social Media postet und empfängt und in jeder Sekunde nach Aufmerksamkeit schreit, Inhalte aber nur noch überflogen werden, kurz beachtet und umso schneller vergessen sind, kommt vieles beim Leser/User (m/w/d) gar nicht an.
Ein Printmedium, vor allem ein ästhetisch und ruhig gestaltetes, besitzt andere Fähigkeiten: es bleibt länger da und, wie im Falle unseres Programmheftes, ein paar Monate beim Leser liegen. Diese Ruhe, die bei den verschiedenen Gelegenheiten immer mal wieder beim Lesen und Schauen genossen werden kann, entfaltet eine andere Wirkung als gezieltes Suchen am – den Tagesablauf moderner Gesellschaften beherrschenden – Computer, Tablet oder Mobiltelefon.
Wir vertrauen darauf, dass unsere Leser entspannende Momente mit unserem diesjährigen Programmheft haben werden. Und das passt, nebenbei gesagt, bestens zu ZIST, das in diesen verwirrenden Zeiten neben vielem anderen auch eine Oase der Ruhe ist. Angesichts der immens zahlreichen, nicht kalkulierbaren und enorm schnell voranschreitenden Veränderungen, die uns sowohl in politischer als auch technologischer Hinsicht in den letzten Jahren begleiten, beängstigen und ratlos zurücklassen, brauchen wir alle diese besinnliche Ruhe dringend.
Wenn Sie noch nicht zu unseren Abonnenten gehören und das Programmheft kostenlos bestellen möchten, können Sie es hier bestellen (und natürlich liegt es es auch in ZIST vor Ort aus):
https://www.zist.de/programmheft-2026-bestellen
Mit herzlichen Grüßen
Silke Bunda Watermeier