10/04/2026
PESSO-THERAPIE - Was ist das?
Pesso Boyden System Psychomotor (PBSP), im deutschen Sprachraum als Pesso-Therapie bezeichnet, wurde in den 1960er Jahren von Albert Pesso und Diane Boyden-Pesso entwickelt. Es handelt sich hierbei um eine Form der körperorientierten Psychotherapie mit Elementen der analytischen, kognitiven, systemischen und humanistischen Psychotherapie.
Im Zentrum steht die Annahme, dass viele heutige Konflikte mit frühen Erfahrungen zusammenhängen, insbesondere mit Situationen, in denen grundlegende Bedürfnisse nicht erfüllt wurden.
Diese Bedürfnisse sind grundlegend:
- das Gefühl, willkommen zu sein
- Bindung und emotionale Nahrung
- Schutz
- Unterstützung
- und eine klare, wohlwollende Begrenzung
Wenn sie fehlen, entstehen innere Lücken, die oft unbewusst weiterwirken.
ERFAHRUNG STATT ANALYSE
Die Pesso-Therapie geht davon aus, dass Worte allein häufig nicht ausreichen, um solche frühen Prägungen zu verändern.
Was fehlt, ist eine neue, korrigierende Erfahrung - möglichst nah an dem, was damals nicht möglich war.
Deshalb arbeitet die Methode mit erlebbaren, oft körperlich spürbaren Prozessen. In einer Sitzung entsteht eine sogenannte „Struktur“: ein geschützter Raum, in dem zentrale Lebensthemen sichtbar und erfahrbar werden.
Dabei können Situationen aus der Vergangenheit nicht als bloße Erinnerung sondern als lebendige innere Szene wieder auftauchen.
DIE IDEE DER “IDEALEN ERFAHRUNG“
Ein zentraler Schritt besteht darin, diesen frühen Erfahrungen etwas Neues hinzuzufügen.
In der Pesso-Arbeit geschieht das durch sogenannte “ideale Figuren”:
Sie verkörpern das, was damals gefehlt hat, zum Beispiel Schutz, Unterstützung oder Anerkennung.
So entsteht eine neue, stimmige Erfahrung, die emotional und körperlich verankert werden kann. Diese wird oft als „Antidot“ beschrieben - als eine Art Gegenerfahrung zu dem, was belastend war.
Diese Erfahrung wird nicht nur gedacht, sondern erlebt.
ARBEITEN MIT INNEREN MUSTERN
Im Verlauf der Arbeit werden auch innere Glaubenssätze sichtbar, etwa:
„Ich muss alles alleine schaffen“ oder
„Ich darf nicht zu viel Raum einnehmen.“
Solche inneren Stimmen prägen Verhalten und Beziehungen oft über Jahre hinweg. Indem sie bewusst gemacht und in einen neuen Zusammenhang gestellt werden, kann sich der Blick auf sich selbst verändern.
Auch familiäre Dynamiken spielen eine Rolle:
Wenn etwa Kinder früh Verantwortung übernommen haben, die eigentlich nicht ihre war, kann sich daraus ein dauerhaftes Muster entwickeln.
Die Pesso-Therapie bietet Möglichkeiten, solche „übernommenen Rollen“ symbolisch zurückzugeben und eigene Bedürfnisse wieder stärker wahrzunehmen.
ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND GEGENWART
Ein wesentliches Anliegen der Pesso-Therapie ist es, die Verbindung zwischen früheren Erfahrungen und aktuellen Themen sichtbar zu machen.
Dabei geht es nicht darum, die Vergangenheit zu analysieren oder zu bewerten, sondern sie in einen neuen inneren Zusammenhang zu stellen.
Durch das Erleben neuer, stimmiger Erfahrungen können sich auch im Alltag Veränderungen zeigen:
- mehr Zugang zu eigenen Bedürfnissen
- mehr Handlungsspielraum in Beziehungen
- ein differenzierteres inneres Erleben
Die Pesso-Therapie kann helfen, sich selbst wieder näher zu kommen und die eigene innere Wahrnehmung zu stärken.
Der Workshop "Come To Life – von Scham und Schuld zu Integration und Verbundenheit" basiert auf dem Entwicklungsmodel von Al Pesso.
Durch Übungen und interaktive Erfahrungen können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben, wie Verbundenheit anstelle von Beschämung und Isolation entsteht und wie Würde und Integration anstelle von Demütigung und Dissoziation möglich wird.
→ Come To Life mit Sabine Löffler und Uwe Minde
24.07.2026 – 26.07.2026
https://www.zist.de/veranstaltungen/2026-07-24-come-life-von-scham-und-schuld-zu-integration-und
Der Workshop 60 PlusMinus ist für Männer und Frauen, die reich an Lebensjahren und Lebenserfahrung sind und nun die Gelegenheit nutzen wollen, sich mit dieser Phase und seiner neuen Perspektive auseinander zu setzen. Mithilfe erlebnisorientierter Elemente der körperorientierten PBSP/Pesso-Methode, holen wir interaktiv und symbolisch die Erfüllung wichtiger Grund- und Entwicklungsbedürfnisse nach.
→ 60 PlusMinus mit Dorothea Habicht
30.10.2026 – 01.11.2026
https://www.zist.de/veranstaltungen/2026-10-30-60-plusminus