27/07/2015
Schafe – bewundernswerte Herdentiere
Bild oben: Bea, ein ungarisches Zacklschaf und ich
Bild unten: Hercules, ein Waliser Schwarznasenschaf und ich
Die Schafe (Ovis) sind eine Säugetiergattung aus der Gruppe der Ziegenartigen (Caprini). Sie umfassen fünf Arten, darunter das Wildschaf, aus dem das Hausschaf hervorgegangen ist.
Wilde Schafe kommen heute im westlichen, mittleren und nordöstlichen Asien sowie im westlichen Nordamerika vor. Im südöstlichen Europa sind wilde Schafe vor rund 3000 Jahren ausgestorben. Die meisten Schafe sind Gebirgsbewohner, es gibt aber auch Tiere, die in Wüsten leben.
Hausschafe zählen zu den ältesten Haustieren überhaupt, sie wurden vor etwa 9000 bis 11.000 Jahren domestiziert. Durch Trophäenjagd und Konkurrenz mit Hausvieh sind die wildlebenden Arten gefährdet.
In den meisten indoeuropäischen Kulturen galt der Ziegenbock – häufig jedoch auch der Widder – als Sinnbild der Fruchtbarkeit und in diesem Zusammenhang häufig als Verkörperung einer Fruchtbarkeitsgottheit. An einem Tag kann der Bock fünfzig Begattungen vornehmen. Die Böcke gehören zu den kräftigsten Tieren. Die Redensart Mit dem Kopf durch die Wand weist darauf hin.
Wilde Schafe der Gattung Ovis kamen während des Eiszeitalters in Europa vor, sind aber im Fossilbericht relativ selten. Unter den Namen Ovis antiqua und Ovis savini wurden sie etwa aus dem Mittelpleistozän Europas beschrieben. Im Späten Pleistozän, das vor etwa 125.000 Jahren begann, sind wilde Schafe in Italien und Nordafrika relativ häufig. Ein Fund dieser Zeit ist auch aus dem Fränkischen Jura in Deutschland bekannt.
Schafe sind vorwiegend tagaktiv, manchmal ruhen sie aber während der heißesten Tagesstunden und begeben sich auch nachts auf Nahrungssuche. Schafe besitzen ein stark ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl und sind Fluchttiere, daher leben sie in Herden. Aus diesem Grund darf ein Schaf niemals alleine bleiben. Selbst ein Mutterschaf, welches kurz vor der Geburt steht, benötigt zwar Ruhe vor den anderen Schafen, muss jedoch Blickkontakt halten können. Die Weibchen bilden gemeinsam mit den Jungtieren kleine Gruppen, die sich manchmal zu größeren Verbänden zusammenschließen. Die Männchen leben in freier Natur die meiste Zeit des Jahres von den Weibchen getrennt, entweder einzelgängerisch oder in Männchengruppen.
Schafe sind Wiederkäuer. Deshalb können Schafe auch rohfaser- und zellulosereiches Futter gut verwerten. Fressen die Tiere zu viel junges hochverdauliches Gras, benötigen sie zum Ausgleich Ballaststoffe, altes Heu und Stroh. Daher sollte man Futterumstellungen nur langsam angehen und keinesfalls verdorbenes Futter anbieten.
Die Paarungszeit fällt meist in den Herbst, nach einer rund fünf- bis sechsmonatigen Tragzeit kommen im Frühling ein bis vier Jungtiere zur Welt. Bei den nordamerikanischen Schafen sind Einzelgeburten üblich, bei den asiatischen Schafen Mehrlinge. Nach mehreren Monaten werden die Jungtiere entwöhnt, nach einem bis sieben Jahren geschlechtsreif. Schafe können alt werden – bis zu 20 Lebensjahre sind möglich.
Pflege und Gesundheit
Schafe brauchen Pflege. Und zwar Körperpflege. Diese setzt sich unter anderem aus der Schafsschur und der Klauenpflege zusammen. Wollschafe sollten mindestens einmal jährlich geschoren werden. Bester Zeitpunkt zum Schafe scheren ist das Frühjahr. Die Schafsklauen wachsen ungefähr vier bis fünf Millimeter im Monat. Da der natürliche Abrieb nicht ausreicht, müssen die Klauen dreimal im Jahr geschnitten werden. Die regelmäßige Klauenpflege, schützt die Tiere vor ansteckenden und schmerzhaften Infektionserkrankungen – wie zum Beispiel der Moderhinke.
Um einen Befall von Würmern vorzubeugen, ist es sinnvoll die Weide in Parzellen einzuteilen und die Schafe abwechselnd – ungefähr alle vier Tage – auf die verschiedenen Koppeln zum Grasen zu führen. Ich empfehle zweimal jährlich eine Kotprobe untersuchen zu lassen, um einen eventuellen Parasitenbefall festzustellen. Ebenso ist es empfehlenswert im Frühjahr und im Herbst eine Kräuterkur zur Ausleitung und Unterstützung des Magen-/Darmtraktes durchführen zu lassen.
Zum Schluss wieder ein Gedicht
Das Schaf und der Wolf
Nachdem es ungefähr sich traf, dass hier ein Wolf und dort ein Schaf bei einem Bach zusammen kommen und beide Seiten eingenommen: So sprach das Schaf, was tu ich hier, dass du mit frecher Mordbegier mir stets nach meinem Leben trachtest und mich so unbarmherzig schlachtest. Wenn es mein Unfall mit sich bringt, dass dir dein Strassenraub gelingt? Mit nichten! liess der Wolf sich hören, du irrst dich sehr, mein guter Freund denn, tracht ich gleich, dich zu verzehren, ists doch so böse nicht gemeint
Aus keinem Hass entstehen die Triebe, in meiner dir geneigten Brust, dein süßes Fleisch erweckt mir Lust, ich fress dich nur aus lauter Liebe. So macht es mancher falsche Freund, er schwätzt von nichts, als lauter Liebe, gibt aber dann die schärsten Hiebe, wenn er am allerfrömmsten scheint. Doch wenn die Bosheit klar erhellet und man ihn drum zur Rede stellet ist er wohl noch so frech zu sagen: Es ist zwar übel ausgeschlagen, doch war es gut von mir gemeint – Daniel Wilhem Triller (1695-1782)
Quellenangabe:
• Colin Peter Groves und Peter Grubb: Ungulate Taxonomy. Johns Hopkins University Press, 2011, S. 1–317 (S. S. 108–280)
• Colin Peter Groves und David M. Leslie Jr.: Family Bovidae (Hollow-horned Ruminants). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 2: Hooved Mammals. Lynx Edicions,
Barcelona 2011, S. 727–739
• Ronald M. Nowak: Walker’s mammals of the world. 6. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999
• Hans Haid: Das Schaf. Eine Kulturgeschichte, Böhlau Verlag, Wien 2010
• Nadja Feicht • Tierheilpraktikerin • Künstlerhof Priessenthal
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