12/04/2021
Über das Glück im Unglück
Vorab zwei gute Nachrichten:
Erstens: Die aktuell anstehenden Schreibworkshops starten schon in der kommenden Woche!
Die zweite gute Nachricht: Es sind noch Plätze frei!
SCHREIBEN IN BERLIN / Aktuell
Zum Thema: Über das Glück im Unglück
Eine kluge Frau (MK) schrieb mir vergangene Woche:
„ ... Geschichten erinnern auch wieder daran, dass leider erst ein tiefer Schmerz dazu führt, dass viele Menschen einen wichtigen Schritt im Leben gehen.“
Diese Einsicht gab mir in den letzten Tagen heftig zu denken. Denn mir schien es ja auch so zu sein, dass vor großen Wandlungen zum Schönen und Guten, zu dem, was wir meist Glück nennen, oft ein Tiefpunkt herrscht. Selbst nachdem ich mich auf die einschlägigen Denkfehler hin überprüfte, schien mir dieser Eindruck noch wahr und richtig zu sein.
Doch, wenn dem tatsächlich so ist, dann müsste ich doch auch verstehen können, wieso dem so ist. Denn nichts geschieht wohl so ganz ohne Sinn. Oder nicht? – Oder doch?
Ohne jetzt hier allzu tief ins Philosophische einsteigen zu wollen, denn hier geht es ja um das Schreiben, half mir gerade die Erinnerung an unser Schreiben dabei, das Verhältnis von Glück und Unglück zu verstehen.
Was macht die Heldin zur Heldin?
Was macht die Heldinnen unserer Geschichten und Filme zu Heldinnen? – Was macht den Helden zum Helden?
Es ist immer das Drama, die größte Angst, der totale Tiefpunkt unserer Geschichten, die die Heldin oder den Helden zum wahren Heldentum aufsteigen lässt! Es ist immer die totale Kapitulation, die Umwertung aller Werte, die eine neue Perspektive eröffnet und ein ganz neues Handeln und Gestalten ermöglicht.
In unserem Schema der Heldenreise, nach dem die meisten von uns schreiben, entspricht dieser alles neu ermöglichende Perspektivwechsel dem (göttlichen) Elixier, das unsere Heldin oder unser Held nach dem totalen Zusammenbruch, dem Aufgeben, geschenkt bekommt.
Und die Moral von der Geschicht‘?
Was können, was dürfen wir daraus nicht nur für unser Schreiben, sondern auch für unser Leben lernen?
Ist es nicht ein riesiger Trost in schweren Zeiten, wenn wir ziemlich sicher sein dürfen, dass das Schwere, gerade sogar das Allerschwerste, sobald wir bereit sind, die Schwere auf uns zu nehmen, durch das wunderbarste Geschenk, das wir in unserem Leben je erhalten haben, entschädigt, ja geradezu belohnt wird?
Mich stimmt diese Einsicht hoffnungsvoll und stark. Dich auch?
Ich würde mich sehr freuen, Dir demnächst wieder oder Dir demnächst neu begegnen zu dürfen!
Bis dahin wünsche ich Dir alles Gute,
Dein Schreibphilosoph Michael..