18/02/2026
Braucht man die Ärztliche Osteopathie heute überhaupt noch?
Mir hat neulich einmal ein Patient im Sprechzimmer genau diese Frage gestellt. Ihm ging durch den Kopf, dass es doch heute so viele hervorragende Operationstechniken und gute „Ersatzteile“ gibt, wie künstliche Hüften, Hightech-Herzschrittmacher, modernste Insulinpumpen und so weiter. Wozu dann noch Medizin, die fast ausschließlich mit den Händen arbeitet?
Gleich eins vorweg:
Ich möchte hier keine medizinischen Techniken verteufeln. Sie haben alle ihre Berechtigung. Und trotzdem hat die Ärztliche Osteopathie einen ganz entscheidenden Vorteil. Sie betrachtet den Menschen im Ganzen und denkt in komplexen Zusammenhängen, nimmt sich viel Zeit und erkennt Störungen als Funktionseinschränkungen, die nicht durch Fehlverhalten von Einzelteilen entstehen. Ziel ist es, Funktionsstörungen rechtzeitig in ein Gesamtsystem einzuordnen und abzustellen, bevor daraus strukturelle Veränderungen resultieren.
Wir Menschen funktionieren nicht in Einzelteilen sondern in Muskelfunktionsketten.
Das bedeutet, dass Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Tinitus oder Hüft- und Knieschmerzen nicht isoliert entstehen sondern manchmal an entfernten Orten, wie zum Beispiel dem Kiefergelenk oder den Füßen. Um die Auslöser herauszufinden, bedarf es eines anderen ärztlichen Verständnisses für die Zusammenhänge und man benötigt Finger, die sehen können. Ich darf mich glücklich schätzen, mit Beidem gesegnet zu sein.
Aber zurück zur Ausgangsfrage: Braucht man die Ärztliche Osteopathie heute überhaupt noch?
Ja. Unbedingt! Mein Eindruck ist nämlich, dass die veränderte, unruhige und kranke Welt, in der wir leben, die von Unsicherheiten und Zukunftsängsten geprägt ist, genau diese funktionellen Störungen vermehrt entstehen lässt, die man mit Herzschrittmachern und künstlichen Hüftgelenken nicht behandeln kann.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Dr. Lars Harnisch
www.praxis-dres-harnisch.de