19/02/2026
Grundsätzlich sollte die Anschaffung eines Haustieres wohl überlegt sein. Wir Tierärzte stehen Ihnen sehr gerne beratend zur Seite, wenn Sie sich überlegen ein Kaninchen, eine Katze oder einen Hund aufzunehmen.
Sehr oft erleben wir Frustration, weil das angeschaffte Tier nicht den romantisierten Erwartungen entspricht. Und Leidtragende sind in der Gleichung vor allem die Tiere. Besonders prekär wird es, wenn ein Hund nach optischen Gesichtspunkten oder als Beschützer bzw. Partnerersatz ausgewählt wird. Natürlich kann ein Hund ein wunderbarer, ehrlicher und verlässlicher Gefährte für das Leben sein, aber man muss auch für ein Zusammenleben bereit und geeignet sein. Die Erziehung oder das Training eines (willens)starken Hundes darf keinesfalls unterschätzt werden. Andernfalls kann es schnell gefährlich werden. („Schlaua durch aua“, wie ein wortgewandter Hundespezi einst treffend pointierte.)
Sprechen Sie uns gerne an, BEVOR Sie sich ein Tier anschaffen. Wir informieren Sie gerne über Bedürfnisse, Haltungsbedingungen, Kosten und mögliche Fallstricke und Bedingungen einer geplanten Tierhaltung.
Liebe Grüße
Roland Zeidler
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In letzter Zeit bemerken wir verstärkt, dass wir bereits ganz tief in genau der "Scheiße" sitzen, die einige Vereine, Tierschützer, Trainer seinerzeit prophezeiten, bzw. erahnten.
Ein nicht unerheblicher Anteil der Hunde erlebt gerade Naivität, Verniedlichung, Selbstüberschätzung, Realitätsverweigerung, Trotz und fragwürdiges Halbwissen bei der Haltung und Anschaffung durch uns als Menschen.
Insbesondere bemerken wir aufgrund der Anzahl der steigenden und dringlichen Abgabeanfragen, dass es immer schlimmer wird. Pro Woche erhalten wir aktuell 10-15 Anrufe mit dem immer gleichen Inhalt. Der Hund muss so schnell wie möglich weg, er hat gebissen, man hat jetzt Angst, oder man ist völlig überfordert. Zu 80% handelt es sich bei unseren Anrufern um Halter von American Bully XL.
Dahinter reiht sich der Cane Corso ein und jüngst auch gelegentlich der Presa Canario. Alles Substitut-Rassen für die in NRW gelisteten Hunde. Die einst "üblichen Verdächtigen" Staff, Pit, Rottweiler, Dogo Argentino etc. werden immer weniger Inhalt unserer Telefonate.
Wir machen diesen Job jetzt seit über 20 Jahren. Wir hatten Hunde von15kg bis 75kg im Heim, wir hatten unfassbar nette und friedliche Hunde und wir hatten auch Hunde, die brandgefährlich waren/sind. Im Laufe der Zeit reden wir von 3.500 bis 4.000 Hunden, die durch uns gehalten, trainiert, eingeschätzt und denen geholfen wurde. Wir durften von und mit Hunden lernen.
Wir sind auch schonmal etwas "flappsig" und nennen unsere Hunde liebevoll die "Pitzi-Kinder". Sie sind uns halt anvertraut und somit ganz wichtige Persönlichkeiten in unserem Alltag. Dennoch würden wir niemals ihre Individualität, Herkunft, Historie Genetik und Epigenetik ausblenden.
Genau das passiert jedoch gerade immer häufiger in diesem Land und insbesondere in Socialmedia. Mit Erschrecken lesen wir täglich Aussagen wie:
- Das böse ist immer am anderen Ende der Leine
- Kein Hund kommt böse auf die Welt
- Das sind doch Nannydogs
- Alles nur Knutschkugeln und Kampfschmuser
- Genetik gibt es nicht, alles Erziehungssache
In Anbetracht dessen, dass immer mehr Menschen durch die von uns durchaus geschätzten Rassen zum Teil schwer und schwerst verletzt werden, sowie der Tatsache, dass stetig mehr Hunde in akuter Not sind, bzw. gar den Tod durch Euthanasie finden, hängen uns diese "Parolen" zum Hals raus.
Wir könnten jetzt zu etlichen Rassen unseren Senf einfließen lassen, jedoch würde das den Rahmen sprengen und außerdem sind unsere Expertisen einfach nicht auf alle Rassen ausgedehnt. Bezug nehmend auf die oben genannten Vertreter jedoch haben wir eine ganz klare Meinung und erkennen erschreckende Tendenzen. Sowohl der Cane Corso, als auch der Presa Canario sind ambitionierte Hunde mit sich ähnelnden Tendenzen im Wesen und sie benötigen ein stabiles, geeignetes Umfeld. Diese Hunde sind ganz sicher nicht für jeden geeignet, insbesondere i.d.R. nicht für Anfänger, Romantiker und "Ego-Rambos".
Besonders kritisch jedoch sehen wir den American Bully XL. Hier wurde in den vergangenen Jahren eine Rasse gehyped, die dem Staffordshire Terrier, oder dem Pitbullterrier ähnlich sieht, jedoch erheblich größer, massiger und schwerer ist, als der AmStaff, oder gar der Pitbull. Aufgrund der hohen Nachfrage durch willige Abnehmer werden diese Hunde immer häufiger "vermehrt" und nicht mehr fundiert und selektiert professionell gezüchtet. In Folge dessen haben wir recht viele Hunde mit äußerst fragwürdiger Genetik und Epigenetik, mit geringerer Reizschwelle und tendenziell erhöhtem Beutefangverhalten auf dem "Markt", welche ungefiltert auf anschaffende Personen stoßen, die sich charakteristisch im zweiten Absatz dieses Postes wiederfinden.
Es ist einfach gefährlich was hier bereits in vollem Gange ist und es ist unfassbar ernüchternd und traurig, dass wir mit großen Schritten auf britische und amerikanische Verhältnisse zusteuern könnten. Fähige Organisationen zur Aufnahme dieser Hunde sind hoffnungslos überfüllt und viele große Tierheime können das gleiche Leid klagen.
Rien ne va plus... Nichts geht mehr! Überlegt euch bitte sehr gut, ob und welche Hunde ihr euch anschafft. Kaum jemand wird euch und euren Hunden zukünftig mehr helfen können, wenn es nicht funktioniert wie erträumt!!!
Die Bilder dienen der Aufmerksamkeit, dennoch sind es Hunde, die aktuell bei uns im Heim sitzen, den erwähnten Rassen angehören und deren Vermittlungschancen aufgrund ihrer Historie und/oder Physis leider recht bescheiden sind.
ROCKY - American Bully, 10 Jahre, 46kg
SIGGI - Cane Corso Mix, 7 Jahre, 64kg
JOHNNY - Presa Canario, 5 Jahre, 55kg