13/02/2026
Beitragsreihe: Warum sich Montessori Pädagogik wunderbar in der TGI (Tiergestützten Intervention) eignet… Teil 3
Es kursiert aktuell ein Beitrag einer bekannten Reitpädagogin, in dem belegt werden soll, dass sich die Montessori Pädagogik nicht für den Einsatz im tiergestützten Bereich (speziell der Reitpädagogik) eignet. Hierbei wird die These aufgestellt, dass Kindern die Verantwortung der Erwachsenen übertragen wird.
Wir schauen uns in diesem Beitrag die Themen Selbstständigkeit und freie Wahl an. Dazu kommen wir zurück zu den Säulen aus Teil 2 unserer Beitragsreihe (Raum, Material, Pädagog*in).
Unsere Aufgabe als Pädagog*in ist nämlich genau dies: wir achten darauf, dass Überforderung vermieden wird. Wir schaffen einen geschützten Raum. Wir beobachten aufmerksam und schätzen ein, welche Aufgaben wir zumuten können und welche nicht. Wir übernehmen die Verantwortung. ✅
„Helfen Sie niemals einem Kind bei einer Aufgabe, bei der es seiner Meinung nach erfolgreich sein kann.“ ¹
Kann das Kind es schaffen den Putzkoffer selbst zu öffnen? Ja? Dann lasse ich es, egal, wie lange es dauert. Kann es das nicht leisten? Dann zeige ich es noch einmal und lasse ausprobieren. Wir lassen die Selbstständigkeit im Rahmen des Allgemeinwohles zu und greifen ein, wenn die Sicherheit in Aufgaben nicht gewährleistet ist.
In der Montessori Pädagogik ist auch die freie Wahl ein wichtiger Aspekt. Darf das Kind wählen „wie bei Ostwind“ zu reiten, freihändig und im Galopp, auch wenn es sich im Schritt kaum halten kann? Nein. ❌
Heißt das, das jederzeit jede*r alles alleine machen darf, wann und wo er/sie will? Natürlich nicht. ❌
➡️Auch in der freien Wahl ist die klare Grenze das Wohl der Gemeinschaft (in unserem Fall die Sicherheit von Klient*in, Pferd, Pädagog*in). Wir sind als Pädagog*innen dafür verantwortlich, dass die freie Wahl funktioniert. Wir geben durch gute Vorbereitung und Beobachtungen eine Wahl, die möglich ist.
Wir fragen zum Beispiel: Möchtest du heute Reiten oder Bodenarbeit machen? Möchtest du Pferd A oder Pferd B reiten? Mit welchem Sattelpad möchtest du reiten? Diese freie Wahl müssen wir vorher vorbereiten. Wir können kein Pferd zur Wahl geben, das nicht zur Klient*in passt. Wir können keinen Ausritt zur Wahl geben, wenn wir kein geländesicheres Pferd haben.
Hier haben wir also wieder das gleiche Prinzip: Wir tragen die Verantwortung und stellen alles zur Wahl, was wir im Allgemeinwohl und in Sicherheit zur Wahl stellen können.
Wir hoffen der kleine Einblick in unsere Arbeitsweise hat euch gefallen. Bald geht es weiter mit Teil 4.
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¹Montessori, zit. nach Safire & Safir, 1990, S. 58