30/12/2025
Ich schreibe Teil 1 noch bevor die Tür klingelt.
Und schon das ist eine Berührung: ich taste mich mit Worten an etwas heran, das gleich Körper wird.
In mir ist gerade ein ganzer Sturm. Da ist das traurige Gefühl, weil es die letzte Massage in meinen eigenen Räumlichkeiten ist. Der Raum, der so feel erlebt hat – Atem, Zittern, Lachen, Stille, leise Ja’s und klare Nein’s. Heute löse ich ihn auf. Ein Abschiedsritual mit beiden Händen: ich räume nach der Massage alles aus, Stück für Stück, als würde ich jedem Gegenstand noch einmal zunicken. Danke. Danke. Danke.
Und ja: ich räume danach wieder ein. Für meine Sexualcoachings. Andere Settings. Andere Sprache. Andere Art von Nähe. Nicht weniger tief – nur anders. Und genau darin liegt auch ein Stich: weil Übergänge nicht nur praktisch sind. Sie sind emotionaler Umzugskarton.
Dann ist da mein Kopf. Kopfschmerzen beim Aufwachen. So ein dumpfer Druck, der mir sagt: heute ist mein System nicht auf Sommerwiese, heute ist es eher auf Nebelpfad.
Eine schwere Nacht liegt hinter mir. Sorge um einen geliebten Menschen hat mich wachgehalten – dieses Pendeln zwischen „vielleicht harmlos“ und „vielleicht doch ernst“, ohne es genau zu wissen. Dieses Nichtwissen kenne ich seit Jahren, und trotzdem zieht es mir jedes Mal wieder die Brust enger, wenn er krank im Bett liegt und ich nicht spüren kann, wie schlimm es gerade wirklich ist. Braucht er Hilfe? Und ich merke: Wenn der Mensch, den ich liebe, leidet, wird alles andere zur Nebensache. Aus Verbundenheit.
Und dann, ganz früh, der Anruf meiner (erwachsenen) Tochter. Handy und viel Geld geklaut. Zack – Adrenalin. Diese Mischung aus Wut, Schutzinstinkt, Ohnmacht und diesem ganz praktischen Rattern im Kopf: Was jetzt? Polizei? Karten Sperren? Orte? Wege? Geld per Post schicken? Ich spüre mich in der Rolle der Mutter, die retten will, und es aber auch zeitgleich in 5 Minuten an meiner Türe für die Massage schellt.
Und nun sitze ich hier, kurz bevor diese 107. Begegnung passiert, und ich merke: Ich bin nicht in diesem weiten, klaren Feld, in dem ich sonst so leicht auf Empfang schalte. Ich bin wackelig.
Und genau das ist der Punkt, an dem Ta**ra Massage nicht als Konzept, sondern als Leben auftaucht.
Denn Ta**ra Massage ist nicht nur die Kunst, mit ruhigen Händen zu berühren. Ta**ra Massage ist auch die Kunst, wahr zu sein, bevor die Hände überhaupt losgehen. In einer nüchtern-zarten Ehrlichkeit: Ich bin da. Und ich bin heute nicht leer und offen wie eine frisch gelüftete Decke. Ich bin da wie ein Mensch, der gerade mehrere Dinge gleichzeitig hält.
Ich werde es thematisieren. Ich werde es nicht verstecken hinter Profi-Gesicht und Funktionskörper.
Wenn diese 107. Massage heute stattfindet, dann wird sie nicht “trotz” allem stattfinden, sondern “mit” allem. Und wenn sie heute nicht stattfindet, dann war genau diese Entscheidung schon Ta**ra Massage: ein achtsames Nicht-Machen, das schützt.
Und jetzt: atme ich einmal. Nur einmal. Und höre nach innen, ob da ein kleines, echtes Ja sitzt – oder ein tapferes Ja. Nur das echte bekommt heute Eintritt. JA
Ich werde ihr die Wahl geben, ob auch sie ein „Ja“ hat.