11/05/2026
Was macht gute Psychotherapie aus?
Für mich nicht: einfach nur Techniken anwenden und Checklisten abhaken.
Das könnten mittlerweile auch Chatbots.
Dafür braucht es keinen echten Psychotherapeuten.
Menschen sind dafür auch meistens zu komplex.
Und viele Themen eben nicht klar schwarz oder weiß.
Für mich bedeutet gute Psychotherapie: einen geschützten Raum schaffen.
Als Therapeut versuche ich, dem Patienten das Gefühl zu geben:
Hier kann ich tatsächlich ungeschützt sprechen.
Denn nur so dürfen Dinge ausgesprochen werden, die sonst keinen Platz haben.
Nur so kann man Themen von verschiedenen Seiten anschauen.
Und Widersprüche dürfen stehen bleiben.
Manchmal liebt man jemanden und ist gleichzeitig verletzt oder wütend.
Manchmal funktioniert nach außen alles — und innen fühlt es sich trotzdem leer an.
Manchmal weiß man rational genau, was sinnvoll wäre, und schafft es emotional trotzdem nicht.
Solche Widersprüche gehören zum Menschsein dazu.
Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, zu erklären, wie man „richtig” funktioniert.
Wir sind kein Ratgeber, der auf der Spiegel-Bestsellerliste steht.
Sondern wir versuchen, jeden Menschen aus seiner eigenen Lebenssituation heraus zu verstehen.
Manchmal sind die Lösungen keine Lehrbuchlösungen.
Manchmal sind es Kompromisse — zwischen dem, was ideal wäre, und dem, was wirklich möglich ist.
Auch die schwierigen Dinge. Gerade die.
Denn meistens gibt es einen Weg, wie es weitergeht.
Bertolt Brecht hat das so ausgedrückt:
„Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.”