24/11/2025
*Gewalt in der Geburtshilfe anerkennen*
Aufruf und Presseinfo zur am 25. November 2025
Pinneberg, den 19. November 2025 – Am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, den 25.11. beteiligen sich erneut zahlreiche Frauen, Familien und Unterstützer:innen an der Roses Revolution. Mit dem Niederlegen von rosafarbenen Rosen vor Kliniken und Geburtshäusern machen Betroffene sichtbar, dass Gewalt in der Geburtshilfe kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem ist. Die Initiative Gerechte Geburtshilfe ruft dazu auf, diese stille Protestform zu unterstützen und die Stimmen der Betroffenen ernst zu nehmen: Es braucht jetzt konkrete Maßnahmen!
Hintergrund
▪️Seit 2013 wird die Roses Revolution in Deutschland begangen und hat das Tabu gebrochen, über Gewalt in der Geburtshilfe zu sprechen.
▪️Die Aktion bietet Betroffenen die Möglichkeit, (anonym) ihre Erfahrungen zu teilen und damit die Dimension des Problems sichtbar zu machen.
▪️Die Rosen stehen als Symbol für Würde, Respekt und die Forderung nach einer menschenwürdigen Geburtshilfe.
▪️Mehr Informationen: www.gerechte-geburt.de/rosrev – Hashtags:
Gewalt in der Geburtshilfe – ein systemisches Problem
Laut Deutschem Hebammenverband erlebt etwa jede dritte Frau ein Geburtstrauma – über 200.000 jährlich. Viele berichten von Eingriffen ohne Zustimmung, fehlender Betreuung oder respektlosem Ver halten. Strukturelle Faktoren wie Personalmangel, ökonomische Fehlanreize im DRG-System und die unzureichende Finanzierung von Hebammenarbeit schaffen den Nährboden für Grenzüberschreitungen.
Politische Verantwortung
Im August 2025 hat die Initiative Gerechte Geburtshilfe das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) per Einschreiben angeschrieben und ausdrücklich um eine Stellungnahme gebeten. Dem Schreiben lag auch unsere Pressemitteilung vom Sommer 2025 bei. Bis heute liegt keine Antwort vor – trotz Verpflichtungen durch nationale Gesetze, die Istanbul-Konvention und die EU-Resolution zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, die Gewalt in der Geburtshilfe ausdrücklich einschließt.
Menschenwürdig gebären – ein Bildungsprojekt der HOOU
Neben den Verbesserungen in den medizinischen Leitlinien und dem zunehmenden Eingang wichtiger Forschungsergebnisse in die Praxis, insbesondere seit Akademisierung des Hebammenberufs, ist dieses Jahr ein positives Beispiel zu nennen: Der kostenlose Online-Kurs „Menschenwürdig gebären – erfahren und begleiten. Geburtskulturen im Wandel“ der Hamburg Open Online University (HOOU), konzipiert von Ethnologin und Hebamme aus der Lehre Angelica Ensel. Auch Mascha Grieschat von Gerechte Geburt oder Katharina Desery von Mother Hood e. V. wirkten daran mit. Der Kurs zeigt, wie Bildung und Reflexion neue Perspektiven für eine respektvolle und traumasensible Geburtshilfe eröffnen und beinhaltet mehrere Kapitel zu Gewalt in der Geburtshilfe. Mehr zum Kurs: HOOU – Menschenwürdig gebären: https://learn.hoou.de/course/view.php?id=1281&lang=en
Trotz positiver Entwicklungstendenzen bleibt viel zu tun.
Schlusswort
Der Roses Rwvolution Day am 25. November zeigt auf: Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Die Initiative Gerechte Geburtshilfe erwartet konkrete Schritte: verbindliche Standards, unabhängige Beschwerdestellen und eine Überarbeitung des Aktionsplans „Gesundheit rund um die Geburt“ mit verbindlicher 1:1-Betreuung. Gewalt in der Geburtshilfe ist längst dokumentiert – Gesetze, Leitlinien und die EU Resolution verpflichten zum Handeln.
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Dieser Text findet sich in gekürzter Form auf 1 DA4-Seite als PDF als Download hier:
https://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/pressemitteilung/