30/03/2026
Ich erkläre es gerne noch einmal – und diesmal vielleicht ein bisschen deutlicher, aber mit dem gleichen Ziel: Verständnis.
Wir sind leider der falsche Adressat für Beschwerden darüber, dass es in unserer kostenfreien und freiwilligen Restplatzbörse kaum Plätze für Mütter/Väter mit nur einem Kind gibt. Und ja, ich verstehe absolut, wie frustrierend das ist. Wirklich.
Aber den Frust ausgerechnet bei den Menschen abzuladen, die versuchen zu helfen, ist ungefähr so sinnvoll wie sich über den Regenschirm zu beschweren, dass es regnet.
Es gibt diesen Spruch:
Selbst wenn du über Wasser gehen könntest, würden sich manche darüber beschweren, dass du nicht schwimmst.
Und genau so fühlt es sich manchmal an.
Unsere Nicole, inzwischen auch (zum Glück) Iris und grundsätzlich alle Kurberaterinnen geben jeden Tag alles. Sie versuchen für euch „übers Wasser zu gehen“ – auch wenn die Realität oft eher nach „gegen die Strömung schwimmen“ aussieht. Und das liegt nicht am Einsatz, sondern an den Rahmenbedingungen.
Die sind nämlich das eigentliche Problem.
Eine Kurklinik funktioniert wirtschaftlich ein bisschen wie ein Flugzeug:
Die Auslastung muss stimmen. Und dabei gibt es schlicht weniger „Sitzplätze“ für Familien mit nur einem Kind.
Rechnen wir es einmal ganz nüchtern durch:
Bei einem Tagessatz von etwa 85 € ergeben sich für 21 Tage rund 3.570 € mit einem Kind.
Mit zwei Kindern sind es 5.355 €, mit drei Kindern 7.140 €.
Das ist kein „Wunschdenken“, sondern wirtschaftliche Realität. Und selbst damit kämpfen die Kliniken. Zwei weitere Häuser werden 2027 schließen, weil sich der Betrieb zu diesen Sätzen schlicht nicht mehr darstellen lässt – die Krankenkassen erhöhen die Tagessätze nicht ausreichend.
Und dann kommt noch mehr dazu:
Kindergruppen müssen ausgelastet sein, Therapien müssen sinnvoll geplant werden, die Zusammensetzung der Familien muss passen. Es geht nicht nur ums Geld, sondern um ein komplexes Gesamtsystem, das funktionieren muss – organisatorisch, therapeutisch und wirtschaftlich.
Und ja, das ist unfair.
Besonders unfair ist es für Eltern mit nur einem Kind. Noch schwieriger wird es, wenn das Kind besondere Bedürfnisse hat. Da stößt man oft auf verschlossene Türen – und das tut weh, das verstehe ich.
Wenn wir könnten, würden wir neue Kliniken eröffnen, statt zuzusehen, wie welche schließen. Aber die Realität ist gerade eine andere.
Was wir tun können:
Für besondere Kinder gibt es teilweise alternative Wege, die wir gemeinsam prüfen können. Und für Familien mit einem Kind bleibt nur eins: gemeinsam laut werden – Richtung Politik. Denn dort liegt das eigentliche Problem.
Man darf dabei nicht vergessen:
Dieses Kur-System gibt es so nur in Deutschland. Und es steht immer wieder zur Diskussion.
Die eigentliche Frage ist also:
Gehen wir weiterhin so miteinander um, dass der Frust immer wieder bei denen landet, die helfen wollen? Oder verstehen wir gemeinsam die Situation – auch wenn sie nicht fair ist?
Wir würden euch wirklich gerne Plätze „aus dem Ärmel schütteln“. Glaubt mir, das wäre auch für uns die einfachste Lösung. Aber wir arbeiten mit dem, was da ist – nicht mit dem, was wir uns wünschen.
Und trotzdem lassen wir euch nicht allein. Auch dann nicht, wenn gerade kein Restplatz verfügbar ist.
Ein großes Danke an Nicole, die das alles jeden Tag möglich macht.
Und danke an Iris, die einspringt, weil wir aktuell kaum hinterherkommen.
Wir sind da. Auch wenn wir nicht zaubern können.