02/05/2026
[ Gedenken an August Lemcke ]
Der 1. Mai wurde von den Nationalsozialisten 1933 zum „Feiertag der nationalen Arbeit“ umfunktioniert – als Propagandashow zur Täuschung und Vereinnahmung. Joseph Goebbels kündigte offen an, was folgen sollte: Am 2. Mai würden die Gewerkschaftshäuser besetzt.
Und genau das geschah. Am 2. Mai 1933 wurden in Mecklenburg und Lübeck innerhalb weniger Stunden Gewerkschaftsbüros gestürmt, Eigentum beschlagnahmt und Funktionär*innen verhaftet. Die freie Arbeiterbewegung wurde zerschlagen – organisiert, brutal und ohne Widerstandsmöglichkeiten.
Auch in Schwerin traf es engagierte Gewerkschafter. August Lemcke, Vorsitzender des Ortsausschusses des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, wurde durch massive Drohungen der SA und die Verhaftung seines Sohnes in den Tod getrieben. Ein Mensch, der sein Leben dem Kampf für Würde, Rechte und Solidarität gewidmet hatte.
Diese Geschichte ist keine ferne Vergangenheit. Sie ist eine Warnung. Denn auch heute erstarken rechte Netzwerke, autoritäre Ideologien und Parteien wieder. Hetze gegen Minderheiten wird lauter, demokratische Institutionen werden gezielt angegriffen, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliches Engagement werden diffamiert. Das gesellschaftliche Klima verschiebt sich – nach rechts.
Wer glaubt, dass sich Geschichte nicht wiederholen kann, übersieht, wie schleichend und gleichzeitig entschlossen demokratische Strukturen ausgehöhlt werden können. 1933 begann nicht mit Lagern und Terror – sondern mit Propaganda, Einschüchterung und der Zerschlagung organisierter Gegenmacht.
Gerade deshalb reicht Erinnern allein nicht aus. Es braucht Haltung, Widerspruch und aktiven Widerstand gegen jede Form von Menschenfeindlichkeit, Nationalismus und autoritärem Denken. Die Verteidigung von Arbeitnehmerrechten, Solidarität und Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie muss jeden Tag neu erkämpft werden.
In Erinnerung und Würdigung von August Lemcke haben wir seinen Stolperstein am Demmlerhof geputzt, damit möglichst viele Menschen „darüber stolpern“ und sich der Geschichte bewusst machen.