
24/07/2025
❤️ Ein wundervolles Erlebnis:
Ich bin gerade mit einigen Kindern im Austausch und beobachte einen Jungen, der eigentlich seine Aufmerksamkeit bei uns hätte haben sollen, weil das, worüber wir gerade sprechen, auch ihn betrifft. Er dreht uns jedoch seitlich seinen Rücken zu und schaut aus dem Fenster. Für mich nicht erkennbar, ob er uns/mir zuhört. Deshalb frage ich ihn, ob er denn auch zuhören würde, weil es auch für ihn wichtig sei, was ich gerade zu sagen habe. Ohne seine Position zu verändern erwidert er sehr ruhig:
„Ich höre Dir zu, nur eben anders.“
… Pause...
Und es ist erst einmal still zwischen uns, denn ich lasse seine Information erst einmal bei mir ankommen. Was hatte er mir da gerade gesagt? Er hatte den Mut aufgebracht mir etwas von sich preiszugeben, was ich nicht erkannt und vielleicht sogar falsch hätte interpretieren können. Denn:
Gehen wir (Erwachsenen) eigentlich immer oder oft davon aus, dass jemand, der uns nicht anschaut, auch nicht zuhört? Ja, ich denke schon. Blickkontakt scheint uns zu signalisieren: Sind deine Augen bei mir, dann sind auch deine Ohren bei mir.
Tja, das mag stimmen, aber eben nicht immer.
Später sitzen wir alleine nebeneinander und ich bedanke mich bei ihm für sein Vertrauen, das er mir mit seiner Information geschenkt und mit der er mir sehr geholfen hatte, ihn besser verstehen zu können. Ich frage ihn, ob er sagen können, wie oft ungefähr er am Tag in Schule oder anderswo zu hören bekam: „Mensch, jetzt hör mir doch mal zu.“ oder so ähnlich. Er bestätigt, dass das genau der Satz sei, den er oft hörte und zählt einzeln an seinen Fingern ab, so als ob er es sogar ganz genau sagen könne. Dann antwortet er „20mal“. Ich frage weiter, ob er sich vorstellen könne, diesen tollen Satz auch anderen Erwachsenen gegenüber zu äußern, denn schließlich hätte er mir ja auch sehr damit geholfen. Er zögert und nickt langsam und nachdenklich.
Einige Zeit später kommt er auf mich zu und fragt mich, wie genau nochmal der Satz gewesen sei und ich wiederhole ihn verbunden mit der Nachfrage, ob ich ihn für ihn aufschreiben solle, was er bejaht. Ich schreibe auf einen Zettel:
„Ich höre Dir zu, nur eben anders.“
Lieber J.
Vielen Dank, dass Du mir mit diesem wundervollen Satz geholfen hast, Dich besser zu verstehen.
Liebe Grüße, Gaby.
Er liest den Zettel durch, steckt ihn sorgsam in seinen Rucksack und lächelt.
Diese Begegnung heute hat mir wieder einmal gezeigt, wie wichtig achtsame Kommunikation ist – auf Augenhöhe - wertfrei und empathisch und, was man mit ihr bewirken kann. In jeder Aussage liegt eine Botschaft desjenigen, der sie ausspricht. Die Aufgabe des Empfängers ist es, sie bar jeder Wertung oder Interpretation zu entschlüsseln und zu verstehen. ❤️
** Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. (Viktor Frankl) **