07/05/2026
Medical Gaslighting beschreibt Erfahrungen, bei denen Menschen mit ihren Beschwerden, Symptomen oder Wahrnehmungen von medizinischem Personal nicht ernst genommen werden.
In meiner Praxis sind es vor allem autistische Frauen oder jene mit ADHS, die solche Sätze schon häufig zu hören bekommen haben:
»Du bist zu sensibel« , »Frauen sind halt emotionaler« , »Du musst dich einfach mehr anstrengen« oder »Wir haben doch alle mal Probleme, uns zu konzentrieren.«
Das führt zu Fehlbehandlungen, falschen Diagnosen und es macht etwas mit den Menschen. Mit Vertrauen.
Viele Frauen erhalten ihre ADHS oder Autismus Diagnose erst im Erwachsenenalter, nicht selten nach Jahren voller Fehldiagnosen, Selbstzweifel, Scham, Erschöpfung und psychischen Störungen.
Wer immer wieder erlebt, dass die eigene Wahrnehmung relativiert oder belächelt wird, beginnt irgendwann, sich selbst zu misstrauen. Man lernt, das Problem bei sich zu suchen.
Medical Gaslighting ist dabei nicht einfach nur das A*** im weißem Kittel.
Es entsteht auch in einem Gesundheitssystem, das unter ökonomischen Druck gesetzt wird, auf Durchschnittswerte und Effizienz ausgerichtet ist und Komplexität oft reduzieren muss. Wenn Zeit knapp ist und Empathie nicht die Basis, sondern eine Kostenstelle ist, bleibt für subjektive Erfahrungen ein Raum.
Die neuen Gesetze zur Fließbandisierung unseres Gesundheitswesens wird das verschärfen.
Mit fatalen Folgen:
Menschen suchen sich irgendwann keine Hilfe mehr, ziehen sich zurück oder erkennen körperliche und psychische Erkrankungen erst spät. Besonders bei sensiblen Themen kann wiederholtes Nicht-Ernstgenommen-Werden zu tiefem Misstrauen führen.
Deshalb braucht Medizin und Psychotherapie mehr Raum für echtes Zuhören, für Unsicherheit, für Beziehung und Kooperation.
Und falls du solche Erfahrungen gemacht hast:Du bist nicht schuld daran, dass deine Wahrnehmung keinen Platz hatte. Deine Wahrnehmung zählt.