08/04/2026
✨ Martin Schülein – Leben, Verantwortung und ein Beruf mit Herz
Ich heiße Martin Schülein, bin 1980 in Kronach geboren und lebe in Langenau. Ich bin Einzelkind und kann wirklich sagen, dass ich eine sehr schöne und sorglose Kindheit und Jugend hatte. Ich hatte die besten Eltern der Welt, und dafür bin ich bis heute dankbar. Sie haben mir Werte mitgegeben, die mich mein ganzes Leben geprägt haben: Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Höflichkeit. Das sind Dinge, die für mich heute noch ganz wichtig sind.
Im Kindergarten war ich in Kleintettau, danach in der Grund- und Hauptschule in Tettau. Die Schule habe ich mit dem Quali abgeschlossen. Nach der Schulzeit wusste ich erstmal nicht so genau, was ich machen soll. Ich habe mich dann für eine Ausbildung zum Bäcker entschieden. Ich habe die Ausbildung mit 1,0 abgeschlossen und wurde sogar zur Bayerischen Meisterschaft eingeladen.
1999 kam dann mein Zivildienst beim Stephanus-Dienst in Tettau. Diese Zeit war für mein Leben ganz entscheidend, weil ich dort gemerkt habe, dass die Arbeit mit Menschen genau mein Weg ist. Im Grunde habe ich dem Stephanus-Dienst auch meine Ausbildung zum Altenpfleger zu verdanken. Dort habe ich dann auch bis Ende 2012 gearbeitet.
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🚀 Der Schritt in die Selbstständigkeit
Am 1. Februar 2013 habe ich mich mit meinem Pflegedienst Pflege ohne Grenzen selbstständig gemacht. Eigentlich wollte ich bewusst klein bleiben, aber es ist dann alles sehr schnell gewachsen. Heute betreuen wir rund 250 Patientinnen und Patienten und haben 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Trotz meiner Aufgabe als Inhaber fahre ich auch heute noch selbst Pflegetouren mit, weil mir wichtig ist, nah an den Menschen zu bleiben und zu wissen, was draußen im Alltag wirklich los ist. Meine Arbeitszeit liegt meistens zwischen 50 und 60 Stunden in der Woche.
Ein großer Schritt war 2015 die Übernahme der Sozialstation in Judenbach. Das war eine sehr intensive und arbeitsreiche Zeit und schon auch ein einschneidender Moment in meinem beruflichen Leben.
2014 bis heute wurde ich außerdem in den Gemeinderat gewählt. Auch das ist für mich eine Aufgabe, bei der es um Verantwortung geht — für die Menschen und für unsere Heimat.
Ein echtes Herzensprojekt war für mich dann die Senioren-Wohngemeinschaft „Leben in der alten Wasserburg“ in Tettau, die ich Mitte 2020 eröffnen konnte. Die Planung für Bau und Konzept hat rund drei Jahre gedauert. Da war viel Einsatz gefragt, aber auch viel Unterstützung nötig. Besonders dankbar bin ich dabei dem 1. Bürgermeister Peter Ebertsch, der wichtige Kontakte geknüpft hat. Die WG hat 12 Plätze, und seit der Eröffnung sind diese immer belegt. Das zeigt mir, dass das Konzept genau richtig ist und gebraucht wird.
Mich begleitet eine sehr liebevolle Partnerin, mit der ich gemeinsam den Pflegedienst leite. Dafür bin ich sehr dankbar. Es ist etwas Besonderes, wenn man privat und beruflich so eng zusammenarbeitet und sich aufeinander verlassen kann.
Freunde habe ich nicht viele, aber die richtigen! Für mich ist nicht entscheidend, wie groß ein Freundeskreis ist, sondern dass man Menschen an seiner Seite hat, auf die man sich wirklich verlassen kann.
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🚴 Kraftquellen im Alltag
Ein ganz wichtiger Teil meines Lebens ist auch der Sport. Ich mache seit über 20 Jahren jeden Tag Sport. Früher bin ich Marathons gelaufen, heute fahre ich viel Rennrad und mache Fitness. Das hilft mir fit zu bleiben, vor allem aber auch um den Kopf freizubekommen. Bei meiner Arbeit ist das für mich ein wichtiger Ausgleich.
Wenn ich auf mein Leben schaue, dann kann ich wirklich sagen: Ich habe ein sehr schönes Leben und sehr viel Glück gehabt.
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💼 Selbstständigkeit bedeutet auch Verantwortung
Selbstständig habe ich mich gemacht, weil ich vieles anders machen wollte als mein Arbeitgeber und um mich zu verwirklichen.
Ich finde man muss mit der Zeit gehen und darf nicht stehenbleiben, nur weil was vor fünf Jahren gut war, muss es jetzt nicht immer noch so sein. Ich wollte schon damals Thüringen mitversorgen, was natürlich einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, der nicht gewünscht war. Das Wort „Grenzen“ in „Pflege ohne Grenzen“ bezieht sich auf die Landesgrenzen. Wie wir alle wissen: anderes Bundesland, andere Gesetze. Es war gerade am Anfang ein riesiger Aufwand.
Man muss mit den Krankenkassen Verträge abschließen, um abrechnen zu können. Was auch wieder bedeutet, dass man dann, wenn man in Thüringen abrechnet, auch eine Qualitätsprüfung nach Thüringer Gesetze hat. Auch sind die Abrechnungen und die Leistungen in Thüringen anders als in Bayern.
Für uns hat es sich gelohnt, denn gerade in Thüringen sind wir die einzigen, die überhaupt viele Ortschaften als Pflegedienst versorgen.
Wer sich selbstständig macht oder ist, der tickt glaub ich ein bisschen anders. Ich bin aber trotzdem ein Team Player und kann mich auch unterordnen und vor allem lasse ich mich auch von anderen Meinungen überzeugen und sehe dann auch ein, wenn ich falsch war. Außerdem möchte ich etwas bewegen und dass die Gesellschaft einen Mehrwert davon hat.
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🏡 Alltag in der Senioren-Wohngemeinschaft
Der Alltag in der Wohngemeinschaft ist persönlicher und vertrauter als im Heim. Im Mittelpunkt steht ein selbstbestimmtes Leben in einer familiären Atmosphäre. Die Bewohner/innen haben ihr eigenes Zimmer, das sie individuell einrichten können. Sie teilen sich Gemeinschaftsräume wie Küche und Wohnzimmer. Dadurch entsteht ein Gefühl von „Zuhause“ statt „Einrichtung“ und das merkt man auch am Verhalten, denn wir kommen uns sehr oft als Gäste vor, was aber auch gut so ist.
Der Tagesablauf orientiert sich stark an den individuellen Gewohnheiten und Bedürfnissen der Bewohner/innen. Es gibt keine festen Zeiten wie in vielen Pflegeheimen. Wer gerne ausschläft, kann das tun. Mahlzeiten werden gemeinsam und flexibel gestaltet und vorher mit den Bewohnerinnen und Bewohnern ein Speiseplan für die kommende Woche besprochen. Gleichzeitig fördern wir gezielt Gemeinschaft – sei es beim gemeinsamen Kochen, Spielen, Spazierengehen oder bei kleinen Aktivitäten im Alltag. Ich sage immer wir ersetzen die Angehörigen und sind „einfach“ jeden Tag da.
An Leistungen bieten wir eine umfassende Betreuung: dazu gehören Grundpflege (z. B. Körperpflege, Ankleiden), Behandlungspflege nach ärztlicher Verordnung (z. B. Injektionen), Unterstützung im Haushalt sowie soziale Betreuung. Ein großer Fokus liegt darauf, Ressourcen zu erhalten und zu fördern – wir unterstützen also nur dort, wo Hilfe wirklich notwendig ist. So kommt es auch zustande, dass wir günstiger sind als ein Heim. Im Durchschnitt liegen wir monatlich 1100€ unter den Kosten eines Heimes.
Was die Selbstständigkeit betrifft, muss niemand „alles allein können“. Im Gegenteil: Auch Menschen mit höherem Pflegebedarf sind bei uns gut aufgehoben. Wichtig ist jedoch, dass die Bewohner/innen in das gemeinschaftliche Leben integrierbar sind und von dieser Wohnform profitieren können.
Es gibt allerdings gewisse Einschränkungen. Sehr intensive medizinische Versorgung (Beatmung) können wir nicht leisten. Auch bei Krankheitsbildern die eine besondere „Sicherung“ (starke Demenz) sind wir die falsche Wohnform. Mit einer normalen Altersvergesslichkeit kommen wir zurecht.
Grundsätzlich gilt: Wir schauen immer auf den einzelnen Menschen und versuchen, eine passende und würdevolle Lösung zu finden.
Die Bewohner/innen selbst und deren Angehörigen bilden das Gremium, dies haben wir als Verein gegründet e.V. (Spenden möglich 😅) wir treffen uns alle 8 Wochen in Form einer Versammlung wo wir darüber reden was gut und schlecht läuft so sind alle informiert und jeder hat ein Mitspracherecht. Das ist im Endeffekt das, was unsere WG so wertvoll macht.
Jährlich haben wir - obwohl wir kein Heim sind - eine Prüfung durch das Landratsamt, die Heimaufsicht sowie dem Gesundheitsamt und dem medizinischen Dienst.
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🤝 Was Menschen heute brauchen
90 % unserer Patienten/innen haben Angst vor der Zukunft auch in der Form, dass sie alles nicht mehr bezahlen können. Viele haben leider auch schon einen Krieg erlebt oder zumindest die Zeit nach dem Krieg miterleben müssen. Und wenn man sieht, was auf der Welt los ist, muss man nicht pflegebedürftig und alt sein, um Angst zu haben, sondern die Angst haben auch wir.
Unsere Patienten/innen haben oft nur uns, weil die Kinder nicht mehr hier leben und sind somit auch ganz alleine im Haus. Oft kennen sie nicht mal ihre Nachbarn, die vielleicht neu hergezogen sind, was die Angst noch größer macht.
Früher, also früher mein ich sogar in meiner Kindheit war das Leben anders, man hat miteinander geredet, nicht übereinander. Auf den Straßen war was los. Man hat Menschen gesehen und wenn man ein Problem hatte, ist man zum Nachbarn und wusste: da ist jemand.
Wir brauchen einfach wieder mehr Gemeinschaft und eine Möglichkeit, damit sich die Menschen wieder kennenlernen. Ich denke da an eine Begegnungsstätte man trifft sich dort hält verschiedene Thementage holt diejenigen ab, die nicht mehr mobil sind. Dort kann man sich auch gegenseitig helfen. Früher ist man da glaub ich einfach ins Wirtshaus 😅
Bei Bedarf fahren wir zu den Patienten/innen, um mit ihnen einfach Zeit zu verbringen. Also nicht klassisch zur Körperpflege oder zur medizinischen Versorgung, sondern meine Betreuungskräfte sind einfach vor Ort, damit die Patienten/innen nicht allein sind, mit jemandem reden können, Gesellschaft haben. Wir gehen auch mit ihnen spazieren oder machen mit ihnen Spiele. Hier ist Zeit mehr wert als Geld, ich glaube du kannst es selbst bestätigen, oft müsste der Tag 8 Stunden mehr haben, um alles zu schaffen.
Mit dieser Betreuung vor Ort verdienen wir kein großes Geld, aber es macht was mit den Leuten ❤️🩹
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🙏 Ein Gedanke zum Abschluss
Die Menschen - egal wo - sollten einfach dankbarer sein und nicht neidisch auf den anderen schauen, sondern sich miteinander freuen, denn ich glaube dran: wer was Gutes tut der bekommt auch etwas Gutes zurück 🙏🏼
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Das Team von Pflege ohne Grenzen Tettau ist rund um die Uhr für seine Patentinnen und Patienten mit einem breiten Angebot da. Interessierte können sich hier informieren: https://pflegedienst-tettau.de/
Außerdem sucht das Team auch immer Verstärkung!
Weitere Infos für die Wohngemeinschaft Tettau findet ihr hier: https://wohngemeinschaft-tettau.de/