19/01/2026
Mit fast 40 Jahren hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Nicht am Ziel, sondern in meinem eigenen Lebensraum. Einem Raum, den ich mir erarbeitet hatte und in dem ich atmen konnte. Ich glaubte, dieser Zustand würde bleiben. Dass ich von hier aus weiter wachsen dürfte – beruflich wie privat –, meiner Leidenschaft nachgehen, mich vertiefen, entwickeln und erfolgreich sein könnte. Ich war überzeugt, dass dies nun mein Fundament sei.
Sechs Jahre lang, nachdem ich mir meinen Lebenstraum endlich erfüllt hatte, lebte ich in diesem Gefühl von Stimmigkeit. Von Sinn. Von innerer Ruhe. Es war kein Stillstand, sondern ein lebendiges Weitergehen aus einer Position der Freiheit heraus.
Heute erkenne ich, wie leise sich alles verändert hat. Nicht durch eine bewusste Entscheidung meinerseits, sondern durch äußere Umstände und Einflüsse, in die ich hineingedrängt wurde. Schritt für Schritt bin ich in eine Situation geraten, in der ich mich nicht mehr frei fühle. Mein Lebensraum ist enger geworden, ohne dass ich es sofort bemerkt habe. Jetzt spüre ich es deutlich: Ich fühle mich gefangen, bedrängt und innerlich nicht mehr zuhause.
Ich tue Dinge, nicht weil sie mich erfüllen, sondern weil sie notwendig sind. Ich arbeite, um meinen Lebensunterhalt zu sichern – etwas, von dem ich glaubte, es nie wieder tun zu müssen. Es fühlt sich an, als läge ein Drahtkorb um meine Brust, der sich Tag für Tag ein wenig enger zieht. Kein plötzlicher Schmerz, sondern ein stetiger Druck, der mir den Atem nimmt.
Nach und nach habe ich meinen Traum losgelassen. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Anpassung. Mein Leben, meine Arbeit und meine Leidenschaft mussten weichen für etwas, das ich nur noch aus Zwang tue. Dieser Abschied war leise, beinahe unsichtbar – und gerade deshalb so tiefgreifend.
Dieser Text ist mein Innehalten. Mein Anerkennen dessen, was verloren gegangen ist. Und mein Abschied von einem Lebensabschnitt, der einst getragen war von Freiheit, Sinn und innerer Stimmigkeit. Ich lasse ihn bewusst gehen, weil ich weiß: Nur so kann irgendwann wieder Raum entstehen – für ein Leben, das sich erneut nach mir anfühlt.