04/04/2026
Vitamine sind weit mehr als nur kleine Zusätze in unserer Nahrung – man kann sie sich wie die hochspezialisierten Handwerker einer riesigen Baustelle vorstellen. Während Kohlenhydrate, Fette und Proteine das Baumaterial und den Treibstoff liefern, sorgen Vitamine dafür, dass an der richtigen Stelle die richtigen chemischen Reaktionen ablaufen. Da unser Körper die meisten dieser Stoffe nicht selbst herstellen kann, müssen wir sie regelmäßig über die Nahrung aufnehmen.
Die zwei Welten der Vitamine
Ein entscheidender Punkt für das Verständnis ist der Unterschied zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Die fettlöslichen Vertreter (A, D, E und K – merkbar durch das Wort EDEKA) können vom Körper nur dann effizient aufgenommen werden, wenn gleichzeitig ein wenig Fett im Spiel ist. Ein klassisches Beispiel ist der Schuss Öl im Karottensalat: Das enthaltene Beta-Carotin (Vorstufe von Vitamin A) bleibt ohne das Fett für den Körper weitestgehend nutzlos. Da diese Vitamine im Fettgewebe gespeichert werden können, ist eine tägliche Zufuhr nicht zwingend, aber eine extreme Überdosierung durch Präparate sollte vermieden werden.
Die wasserlöslichen Vitamine, zu denen das berühmte Vitamin C und die gesamte B-Gruppe gehören, funktionieren anders. Sie können (mit Ausnahme von Vitamin B12) kaum im Körper gespeichert werden. Überschüssige Mengen werden einfach über die Nieren wieder ausgeschieden. Das bedeutet einerseits, dass wir sie fast täglich nachliefern müssen, und andererseits, dass eine "Überdosis" über die normale Ernährung kaum möglich ist.
Besondere Rollen im System
Einige Vitamine nehmen eine Sonderstellung ein. Vitamin D zum Beispiel ist streng genommen eher ein Hormon, da unser Körper es mithilfe von Sonnenlicht in der Haut selbst produzieren kann. In unseren Breitengraden reicht die Sonnenintensität im Winter jedoch oft nicht aus, weshalb dieses "Sonnenvitamin" besonders für die Knochengesundheit und das Immunsystem im Fokus steht.
Vitamin B12 wiederum ist eine Art "Exot", da es fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Es ist unverzichtbar für die Blutbildung und den Schutz unserer Nervenbahnen. Wer sich rein pflanzlich ernährt, sollte diesen Stoff unbedingt ergänzen, da ein Mangel oft erst nach Jahren bemerkt wird, wenn die körpereigenen Speicher in der Leber leer sind.
Vitamine im Alltag schützen
Es hilft jedoch wenig, das teuerste Bio-Gemüse zu kaufen, wenn man die Vitamine beim Kochen "tötet". Viele Vitamine sind extrem hitze- und lichtempfindlich. Wenn Brokkoli oder Paprika zu lange im kochenden Wasser liegen, landen die wasserlöslichen Vitamine im Kochwasser und nicht in deinem Körper. Kurzes Dünsten oder Dämpfen ist hier die deutlich schonendere Methode.