13/05/2026
Kennlernstory Teil 3 ✨
Seine Stimme war ruhig, ein wenig rau und doch irgendwie voller Wärme.
Wir gingen nebeneinander her, Schritt für Schritt, durch die langen Gänge des Werks.
Er erzählte irgendetwas über die Abteilungen, dass er gar nicht von hier kam aber zumindest schon mal im Schulungsraum war um nun zu wissen wo es hinging. Wir hielten kurzen Smalltalk und auf die Frage ob ich heute die Dozentin sei, nickte ich kurz und atwortete mit einem etwas verlegenem Ja.
Ich hörte ihm zu aber irgendwie auch nicht.
Ich war viel zu müde um zu denken, aber immer noch wach genug um zu fühlen.
Im Aufzug war kurz Stille.
Ich spürte seinen Blick. Er war sanft, neugierig aber ohne dabei aufdringlich zu sein.
Ich tat, was ich immer tat, wenn mein Herz zu laut wurde: Ich schob das Gefühl beiseite.
Ich war schließlich Dozentin. Und Psychologin. Und alt genug, um zu wissen, dass man einem charmanten Blick nicht zu viel Bedeutung schenken sollte.
Doch das Schicksal liebt es, mit Menschen zu spielen, die glaubten, sie hätten alles im Griff.
Im Kurs saß er in der ersten Reihe. Natürlich, wieso sollte es auch anders sein?
Ich erklärte also die Seitenlage, Druckverbände, Wiederbelebung und alles was halt eben dazu gehörte um ein Leben zu retten. Während ich sprach, sah ich aus dem Augenwinkel wie er mich beobachtete.
Nicht so, wie man jemanden anstarrt. Sondern so, als würde er jedes Wort, jede Geste, jede Bewegung speichern wollen und seinen Blick nicht gelöst bekommen und ich musste mir selbst gestehen, dass es mir ähnlich ging. Super Leonie, dachte ich mir. Du hast die letzten 24 Stunden durchgearbeitet, hast insgesamt 2 Liter Kaffee in dir, steckst mitten in einer Trennung und dein Nervensystem dreht bei dem nächst besten Typen völlig durch obwohl dein einziger Job jetzt gerade reine Professionalität ist. Ich flüchtete mich in der Pause auf die Toilette, schaute in den Spiegel und sagte mir selbst, dass wir jetzt mal nicht durchdrehen! Das ist einfach eine ganz normale Reaktion auf einen total Absturz deines Systems. Ich schloss die Augen, atmete noch einmal und nahm meine letzte Gehirnzelle an die Hand um den Kurs zu Ende zubringen.
Fortsetzung folgt ✨❤️