07/08/2025
Ahimsa
Im Dorf, wo Stille Flöten spielt,
ein Mönch in tiefer Ruhe fiel.
Ravi, der Weise, sanft wie Licht,
trug Frieden auf dem Angesicht.
Ein Jüngling kam, mit Zorn im Blick,
die Brust gefüllt mit Widerblick:
„Die Welt ist hart, du bist zu weich!
Wer nie zurückschlägt, bleibt stets gleich.“
Der Alte nickte, still und sacht,
und sprach mit Stimme, leis und sacht:
„Komm morgen früh zum Fluss mit mir,
ich zeig dir still, was ich verlier’.“
Der Morgen kam mit Nebelkleid,
der Fluss floss ruhig, zeitbereit.
Der Mönch hielt etwas in der Hand –
ein Stein, schwer wie der Weltenrand,
und eine Blume, zart und fein,
vom Morgentau im Dämmersein.
„Nimm beides nun“, so sprach der Greis,
„und wirf sie in das Wasser leis.“
Der Junge tat’s – der Stein versank,
die Blume aber trieb und schwank’.
Sie tanzte leicht auf Wasserhaut,
vom Fluss getragen, unerschaut.
„Was siehst du nun?“ – Der Alte sprach.
„Der Stein war stark – doch brach er nach.
Die Blume aber, sanft und frei,
ist schwach – und bleibt dabei dabei.
Ahimsa ist nicht Verzicht,
es ist das wahre Lebenslicht.
Denn wer mit Wut die Wut bekämpft,
vergiftet sich – und bleibt gehemmt.
Doch wer mit Liebe Antwort gibt,
bleibt leicht, bleibt hell – und wird geliebt.“