19/01/2022
Jubiläums-Appell zum 20 Jährigem
Seit nunmehr 20 Jahren mache ich diesen Job und es ist leider immer noch, oder heute sogar noch viel mehr, ein Dschungel in dem sich kaum ein Laie zurechtfindet.
Nach wie vor sind Therapeutische Berufe im Tierbereich nicht geschützt, da Tiere als "Sache" gelten!
Die Schulen sprießen aus dem Boden wie Pilze, mit mehr oder weniger guten Inhalten und Zugangs - Vorrausetzungen.
Aber mit ihnen lässt sich mal so richtig viel Kohle machen.....
Allen gemein ist, daß es sich um FORTbildungen handelt, die unter solchen Umständen im Humanbereich nicht zugelassen sind!
Vollzeitausbildungen werden, meines Wissens nach, immer noch nicht angeboten.
Fakt ist, daß man sich im Rahmen einer solchen Fortbildung, als Quereinsteiger, schwerlich tiefes Wissen im Umgang mit Krankheits-/Verletzungsbildern aneignet.
Die Ausbildung zur Humanphysio. dauert 3 JAHRE in Vollzeit und wird in dieser Zeit ständig von Fachleuten betreut.
Eine FORTbildung zum Osteotherapeuten dauert sogar 5 Jahre und ist ohne medizinische Ausbildung überhaupt nicht möglich!
Man wird täglich mit echten Patienten und ihren Krankheitsbildern, Verletzungsmustern, Komplikationen, Kontraindikationen, etc. konfrontiert und lernt verantwortungsbewusst damit umzugehen.
Unter ständiger Betreuung lernt man die Beschaffenheit der verschiedenen Gewebe, bei verschiedenen Personen mit unterschiedlichen, oder auch gleichen Krankheitsbildern zu ertasten und einzuschätzen.
Durch diese Art des jahrelangen Lernens ist man nach der Ausbildung schon recht routiniert und sicher in der Praxis.
Dies alles fehlt den Quereinsteigern im Tierbereich und ist mit einer Fortbildung nicht aufzuholen.
Diese erstrecken sich zumeist auf eine Dauer von 2 Jahren mit, im Schnitt, 6 Präsenzwochenenden. Teilweise auch in Blockeinheiten für die Praxisteile und Theorie über Skripte zum selbst erarbeiten...
Danach stapfen diese Therapeuten los und sind in vielen Fällen völlig auf sich allein gestellt. (Dies belastet nicht nur die Tiere, sondern auch die Therapeuten, die sich oft allein gelassen fühlen...)
Müssen sich ohne kompetente Hilfe mit kranken/verletzen Tieren beschäftigen und wissen, was sie fühlen und tun, oder besser lassen.... das ist wirklich eine Herausforderung und kaum zu schaffen.
Selbst erfahrene Humantherapeuten haben teils anfangs Schwierigkeiten das Gefühlte richtig einzuschätzen, wenn es sich z. B. darum handelt zu entscheiden, ob eine "Blockade" vorliegt, die behandelt werden muss, oder eben nicht!
Das kann vorkommen, da oftmals in der Fortbildung nur Probandenpferde zum üben gestellt werden....was ziemlich schade ist.
In der Osteopathie geht es um eine ganzheitliche Betrachtung des Tieres/Menschen.
Das ist ein ziemlich großes Unterfangen....es beinhaltet quasi alles von den Lebensumständen, über das Equipment, die Krankengeschichte, die Reitweise, und und und....
Ein guter Therapeut muss kein Sattelfachmann, auch kein Zahnarzt, Reitlehrer, oder Hufpfleger sein,.... ABER er muss sich mit Biomechanik, Anatomie, Physiologie, Pathologie und Neurologie so gut auskennen, daß er Auffälligkeiten in diesen Bereichen erkennt und beurteilen kann (und dann an entsprechende Fachleute verweisen).
Nur so kann sich der ganzheitliche Ansatz auch umsetzen lassen.
Die wenigsten können wohl all dies alleine abdecken ;)
Wer seine Grenzen kennt, macht weniger Fehler.