25/06/2020
Liebe schwangere, in einem Beitrag geht es ja um das CTG, das für manche so wichtig ist (VOR der Geburt), dass sie anderen direkt Kindeswohlgefährdung unterstellen wenn sie es ablehnen. Allerdings fällt mir auf, dass kaum jemand weiß, was ein CTG eigentlich macht. Ein CTG kontrolliert das verhalten des Babys im Verhältnis zu den Wehen. Einzelne betonen, der Wehenschreiber wäre bei Ihnen nicht im Spiel- damit ist das CTG nicht Auswertbar. Andere betonen, dass es nur 15-20 Minuten geschrieben wird. Aber man braucht 30 Minuten quasi lückenlose Aufzeichnung um es auszuwerten. Ich habe euch mal die 2012er Leitlinie zum Thema verlinkt. Es kommt bald eine neue aber besser als nichts. Da steht zum Beispiel drin, Routinemäßig wird derzeit bei über 90% der Schwangeren ein CTG geschrieben, wobei die Anfertigung des CTG im Niedrigrisikokollektiv zu keiner Verbesserung der perinatalen Daten führt (37,61,84; EL IIa). Insbesondere liegen auch keine validierten Studien zum Einsatz im Nichtrisikokollektiv in frühen Schwanger- schaftswochen (< 34) vor. (upsi, wo doch der Frauenarzt meint es wäre so wichtig)
Auch das ist spannend: es kommen sogar mehr kranke und tote Kinder zur Welt wenn es wahllos eingesetzt wird: Beim Einsatz des CTG in Hochrisikokollektiven ohne additive Zusatzdiagnostik lässt sich in einer Metaanalyse sogar eine signifikante Erhöhung der perinatalen Mortalität feststellen (EL Ia). Eine iatrogen induzierte erhöhte Ra- te an Frühgeburten mag die wesentlichen Ursache hierfür sein. Hierzu trägt die hohe Falschpositivrate des CTG bei gleichzeitig hoher Inter- und Intraobserverva- riabilität bei (9, 14, 55, 99; EL IIa).
Die Leitlinie sieht tatsächlich wesentlich mehr Gründe ein CTG zu schreiben als die Mutterschaftsrichtlinien. GDM kommt allerdings nicht vor;-) 📷Anämie der Mutter (Hämoglobin < 10 g/dl oder ≤ 6 mmol/l),
Arrhythmien des Feten (speziell Tachyarrhythmien) im Ultraschall,
Blutungen während der Spätschwangerschaft,
Blutgruppeninkompatibilität,
Bluthochdruck (≥ 140/90 mmHg),
Diabetes mellitus Typ I bzw. Typ II,
Fetale Dopplerbefunde suspekt oder pathologisch (z.B. PI in Art. umb.> 90. P.),
Drogenabusus (z.B. Nikotinabusus),
Hydramnion (AFI > 25 cm),
Infektionen viral (z.B. Parvovirus B19) und bakteriell (AIS),
Kindsbewegungen vermindert,
Kreislaufinstabilität maternal (orthostatischeProbleme),
Mehrlingsschwangerschaft,
Oligohydramnion („single-pocket“ < 2 cm),
Terminüberschreitung > 7 Tage,
Unfall mit abdominalem Trauma oder schwerer mütterlicher Verletzung,
vorzeitigen Wehen (Tokolyse) / drohender Frühgeburt,
Wachstumsrestriktion < 10. Perzentile. Stöbert also mal in Ruhe bevor ihr wieder wild aufgrund von Halbwissen urteilt.schwangerschaft ist kein Wettbewerb wem es am schlechtesten geht. glg