08/12/2025
Raureif liegt auf den Dächern, während ich diese Zeilen zu Papier bringe. Und vor ein paar Tagen hatte es sogar geschneit. Der Schnee blieb zwar nicht liegen, aber er trug mich gefühlt in eine Zeit zurück, in der es normal war, im Winter mit Schnee und Eis zu rechnen, in der es normal war, dass die Temperaturen unter null Grad gingen und wir, als Kinder, uns noch freuen durften den ersten Schneemann zu bauen und das erste Mal rodeln zu gehen. Damals hatten wir tatsächlich sauren Regen, aber keine herbei fantasierte Klimakatastrophe.
Damals saß ich auf dem Sofa, am Fenster, in der Wohnung meiner Oma und schaute dem Wirbeln der Flocken zu. Manchmal verirrte sich eine auf das Fensterbrett, wie um mir zu begegnen. Ihre kristalline Gestalt aufopfernd, schmolz sie in dem einen Augenblick zu Wasser, um im nächsten als eisiger Tropfen zu erstrahlen, wie vom Zepter von Väterchen Frost, berührt.
Währenddessen hatte meine Oma die alte Handmühle hervorgetan und mittels Klemmschraube am Tisch fixiert. Was nun folgte, war ein heiliger Moment. Gemeinsam befüllten wir sie mit Haselnüssen und Blockschokolade. Dann durfte ich an die Kurbel. Am Anfang ging es schwer, doch mit der Zeit wurde es immer leichter. Auf dem darunter platzierten Teller rieselten die Haselnuss-Schokoflocken. Kein Nutella der Welt, wird in meiner Erinnerung, jemals besser schmecken, als diese einfache Leckerei.
Aus heutiger Perspektive betrachtet war diese Zeit, in der damaligen DDR, eine Zeit des Mangels durch fehlgeleitete Planwirtschaft.
Beim lukullischen Eintauschen in meine Haselnuss-Schokoflocken empfand ich das nicht so. Auch nicht beim Verzehren des Apfels im Schlafrock, den meine Oma mir im Anschluss kredenzte. Apfel im Schlafrock, das war ein geschälter und entsteinter rotbäckiger Jonathan, vom Nikolausteller, der mit Erdbeermarmelade, in einer Ummantelung aus Blätterteig, gebacken und im Anschluss daran mit Puderzucker bestäubt wurde. Letzteres war natürlich meine Aufgabe, der ich gerne nachkam. Während der Staubzucker auf dem Blätterteig Haftung fand, dachte ich daran, dass des aussah wie der Schnee, ausgeschüttet aus den Betten der Frau Holle.
„Frau Holle, Frau Holle, die schüttelt ihre Betten aus, fällt blütenweißer Schnee heraus…“ insistierte ich, in Anlehnung an jenes Lied, das ich im Musikunterricht gelernt hatte.
Ich schwelge nicht in Ostalgie und auch nicht in Nostalgie, ich erlaube mir lediglich, mich zu erinnern. Und ja, was würde ich nicht alles dafür geben, noch einmal an diesem Fenster, auf diesem Sofa sitzen zu dürfen, die Kurbel zu drehen, um Haselnüsse und Blockschokolade zu dieser Melange zu zermahlen. Ja, die Mühle habe ich immer noch, es gibt auch Haselnüsse und Blockschokolade. Doch das Ergebnis ist nicht mehr dasselbe, wie in meiner Erinnerung.
Ich liebe die Advents- und Weihnachtszeit gerade auch deswegen, weil es eine Zeit zum Erinnern ist, Zeit das Jahr zu resümieren, dankbar zurückzuschauen und loszulassen, was nicht festzuhalten ist.
Wege haben sich aufgetan und Wege sind geendet. Seelen begegneten sich und Seelen haben sich verloren.
Dankbarkeit legt sind gleich Schnee auf die Unbilden der Zeit, während das Jahr langsam zumacht, wie es in Bayern heißt. Oder, wie wir in Sachsen sagen: „Is geht den Bach nunter“.
Da ist es wieder, das ewige Element, das Leben schenkt, als sprudelnder Quell im Gebirge, als mächtiger Strom oder Fluss, als Nebelschleier zwischen den Welten und liebliches Schneeflöckchen Weißröckchen.
Übrigens, auch unser Körper besteht zu ca. 60% aus Wasser.
Wasser wiederum ist ein Informationsträger. Eine Information, einmal in die Zelle eingebracht, überträgt sich auf dem ganzen Körper. Das kann, wenn es eine gute Information ist, aussehen wie jene Schneeflocke auf dem Fensterbrett der Wohnung meiner Oma.
Der Japaner Masaru Emoto hat das eindrucksvoll in seinem Buch „Die Botschaft des Wassers“ belegt.
Die wichtigste Botschaft der Weihnacht ist unvergänglich und heute aktueller denn je. Es ist die Botschaft der Engel zu Betlehem:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden, in den Menschen seines Wohlgefallens.“
In diesem Sinne wünsche ich allen Freunden, Geschäftspartnern und Patienten eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit und ein gutes neues Jahr.
Möge Gottes Frieden mit uns sein.
Jens Breitfeld, Dezember 2025