09/12/2025
In vielen Gruppen werden ätherische Öle häufig so behandelt, als wären sie harmlose Wellness-Produkte. Viele empfehlen sie bei jedem Symptom: Hormone, Schmerzen, Haut, Emotionen, Infekte, sogar bei schweren chronischen Krankheitsbildern. Das Problem: Ätherische Öle sind biologisch hochaktive Substanzen, deren Wirkung weit über „ein bisschen Duft“ hinausgeht. Wer sie ohne medizinische Kenntnisse und ohne Risikoabschätzung nutzt, kann damit massiven gesundheitlichen Schaden verursachen.
Besonders gefährlich ist das bei Autoimmunerkrankungen.
Bei Autoimmunerkrankungen ist das Immunsystem nicht schwach, sondern fehlgeleitet.
Stell dir das Immunsystem wie eine Polizei vor. Normalerweise schützt sie den Körper vor Eindringlingen.
Bei Autoimmunerkrankungen hingegen greift diese Polizei plötzlich die eigenen Häuser, Gelenke oder Organe an. Die Polizei schießt also auf den eigenen Körper.
Und jetzt kommt der kritische Punkt:
Wenn man ätherische Öle anwendet, die das Immunsystem anfeuern, aktivieren oder stärken, dann gibt man dieser fehlgeleiteten Polizei mehr Waffen, mehr Energie und mehr Verstärkung.
Das bedeutet konkret:
stärkere Entzündungen
heftigere Autoimmun-Schübe
aggressivere Gewebeschädigung
ausgeprägtere Schmerzen
Verschlimmerung des Autoimmunprozesses
Und NEIN – es betrifft nicht nur die innerliche Einnahme oder das Einreiben auf der Haut.
Auch Diffuser reichen aus, um das Immunsystem messbar zu aktivieren. Wissenschaftlich belegt.
Häufige gefährliche Fehlanwendungen in doTERRA-Gruppen
Diese Empfehlungen, die in vielen Öle-Gruppen völlig unkritisch verbreitet werden, sind bei Autoimmunerkrankungen hochgefährlich:
Oregano innerlich oder an den Füßen
Thymian (alle Chemotypen)
Zimt, Nelke, Cassia
Teebaum und Eukalyptus
OnGuard, Air und andere immunaktivierende Mischungen
tägliche Diffuser-Daueranwendung
„Immunboost“-Roll-ons
Roll-ons mit heißen Ölen für Schmerzen
Protokolle, die mehrere starke Öle kombinieren
„Ein Tropfen wird schon nicht schaden“-Mentalität
All diese Anwendungen können das Immunsystem deutlich aktivieren – und damit Autoimmunreaktionen verschlimmern.
„Es gibt doch beruhigende Öle wie Lavendel?“
Ja, Lavendel, römische Kamille oder bestimmte Zitrusöle können in Studien entzündungshemmende oder immunmodulierende Effekte zeigen.
ABER:
Schon leicht höhere Dosierungen können wieder stimulierend oder irritierend wirken.
Viele Effekte wurden nur in kontrollierten Zellversuchen gesehen – nicht zuverlässig im Menschen übertragbar.
Bei Autoimmunerkrankungen ist nicht vorhersehbar, wie ein individuelles Immunsystem reagiert.
Die Gefahr eines Schubes bleibt.
Deshalb gilt:
Selbst diese „milden“ Öle sind für Laien NICHT sicher.
Eindeutige Schlussfolgerung – medizinisch und wissenschaftlich
Bei Autoimmunerkrankungen gehören ätherische Öle nicht in die Hände von Laien.
Nicht über Diffuser, nicht punktuell, nicht „nur mal probieren“, nicht innerlich, nicht täglich.
Als Laie gilt: Hände weg von ätherischen Ölen bei Autoimmunerkrankungen.
Nur unter enger Begleitung eines Arztes oder einer medizinisch qualifizierten Aromatherapeutin.
Alles andere ist fahrlässig und kann zu nachweislich gefährlichen Immunreaktionen führen.
WISSENSCHAFTLICHE BELEGE (leicht verständlich aufbereitet)
1. Natürliche „Phytoncide“ (Holz-/Baum-Öle) steigern stark die Immunaktivität
Studie 1 (Humanversuch – Inhalation):
Nach wenigen Stunden Inhalation stieg die Aktivität der NK-Zellen deutlich.
Die NK-Zellen produzierten mehr Perforin, Granzyme A und Granulysin – Stoffe, die Zellen zerstören können.
Quelle: Li Q et al., Immunopharmacology and Immunotoxicology, 2006, PubMed: 16873099.
Studie 2 (Hotelzimmer – „Forest Bathing“-Simulationsversuch):
Die Anzahl der NK-Zellen und deren Aktivität stieg erheblich an.
Der Effekt hielt 7–30 Tage lang an, obwohl die Exposition nur kurz war.
Quelle: Li Q et al., Environmental Health and Preventive Medicine, 2008.
2. Ätherische Öle wirken immunMODULIEREND – manchmal stimulierend, manchmal dämpfend
Große Übersichtsarbeit zu EO-Immunmodulation:
Viele Öle können Zytokine, Immunzellfunktionen und Entzündungsmarker verändern.
Der Effekt kann stimulierend oder hemmend sein – je nach Öl, Dosis und Setting.
Quelle: Sharifi-Rad et al., Molecules, 2019, „Immunomodulatory Effects of Essential Oils“.
3. Lavendel & Co. können Zytokine senken – ABER nur unter eng definierten Bedingungen
Studie: Lavendelöl reduzierte in Zellmodellen IL-6, IL-8, TNF-α – entzündungshemmend.
ABER:
höhere Konzentrationen wurden reizend,
biphasische Wirkung: niedrig beruhigend, höher stimulierend.
Quelle: Peana et al., Life Sciences, 2002; sowie Studien in Journal of Ethnopharmacology.
Endfazit – kompromisslos klar
Die Wissenschaft zeigt eindeutig:
Ätherische Öle können das Immunsystem über die Luft, über die Haut und innerlich nachhaltig beeinflussen.
Sie können es stark aktivieren, stark modulieren oder entzündungsfördernde Prozesse triggern.
Bei Autoimmunerkrankungen ist dieser Einfluss nicht kontrollierbar und kann gefährlich sein.
Deshalb gilt für jeden Laien – und besonders in Gruppen wie doTERRA:
Ätherische Öle bei Autoimmunerkrankungen nur mit medizinischer Begleitung.
Besser: vollständig meiden.