29/03/2026
Mit unser Geschichte zum Nachdenken, wünschen wir Ihnen einen entspannten Sonntag:
Ich habe meine inzwischen 90-jährige Mutter gefragt, wie sie das alles geschafft hat…
Krieg.
Verlust von Menschen, die sie geliebt hat.
Flucht, Vertreibung, Hunger.
Kälte, Wohnungsnot, kaum Energie, oft nicht einmal das Nötigste.
Ich habe sie gefragt:
„Wie habt ihr das ausgehalten… wie seid ihr da durchgekommen?“
Sie hat mich angeschaut - ruhig, klar - und ihre Antwort war so einfach, dass sie mich tief getroffen hat:
„Wir hatten nicht viel, also haben wir aus wenig alles gemacht.“
Und plötzlich habe ich verstanden.
Sie hatten keine Sicherheit im Außen, also haben sie Halt im Inneren gefunden.
Sie hatten keinen Überfluss, also haben sie gelernt, dankbar zu sein für das, was da war.
Sie hatten keine Ablenkung, also waren sie im Leben wirklich da.
Sie hatten keine Wahl, also haben sie sich gegenseitig getragen.
Ich habe weiter zugehört und gemerkt, dass ihre Stärke nicht aus Härte kam, sondern aus Einfachheit.
Ein warmes Stück Brot wurde geteilt.
Ein Blick konnte mehr sagen als tausend Worte.
Ein gemeinsamer Moment hatte Gewicht.
Man hat repariert, statt weggeworfen.
Man hat gewartet, statt alles sofort zu verlangen.
Man hat gehalten, statt gleich loszulassen.
Und dann habe ich sie einmal gefragt, warum sie eigentlich nie „Sport“ gemacht hat, kein Fitnessstudio, kein Training, nichts davon.
Sie hat gelächelt und gesagt:
„Meine Arbeit war Bewegung genug.“
Und ich musste schmunzeln, denn ihr Alltag war voller Leben: tragen, gehen, arbeiten, schaffen, kein künstlicher Ausgleich, das Leben selbst war ihr Ausgleich.
Wenn ich sie heute frage:
„Was essen wir heute?“, dann sagt sie ganz selbstverständlich: „Wir essen das, was da ist.“
Keine Auswahl aus zehn Möglichkeiten.
Keine Fertiggerichte, keine Dosen.
Es wurde frisch gekocht, einfach, ehrlich, aus dem, was vorhanden war.
Und ihre „Hobbys“?
Die gab es in unserem heutigen Sinne kaum.
Ihr Leben bestand aus dem, was wirklich zählte:
kochen, sich kümmern, den Haushalt führen, für die Kinder da sein.
Und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb,
war ihr Leben erfüllt.
Sie war sich nie für irgendeine Arbeit zu schade.
Nie zu stolz, nie zu bequem.
Und was mich am meisten berührt:
Sie lacht heute noch.
Sie nimmt das Leben, wie es kommt.
Nicht, weil immer alles gut war, sondern weil sie gelernt hat, es anzunehmen, ohne ständiges Hadern.
Ohne dieses „es müsste anders sein“.
Einfach leben, und das Beste daraus machen.
Und wenn ich das alles zusammennehme,
dann spüre ich:
Vielleicht braucht es gar nicht immer mehr,
sondern oft einfach eine andere Haltung zum Leben.
Eine, die nicht im Außen sucht, sondern im Inneren findet.
Vielleicht ist genau das etwas, das wir uns wieder mehr von den Ältesten abschauen dürfen.
Denn diese Weisheit findest du nicht im Fernsehen,
nicht im Internet, nicht in schnellen Antworten -
sondern in gelebtem Leben.
Leise, Ehrlich, und tief.
In einer hektischen und zunehmend kälteren Welt, wünschen wir Ihnen heute den Zugang zu den "alten Werten", mit ganz viel Entschleunigung.
Ihr Rübezahl-Team
Text und Bild: Werner Schrägle