10/07/2020
Mensch wie kannst du nur!
Täglich begegne ich Pferden und ihren Besitzern, die sich alle, so unterschiedlich sie auch sein mögen, am Ende doch das gleiche Wünschen: Viele wunderbare und möglichst gesunde gemeinsame Jahre verbringen zu dürfen. Sie alle lieben ihre Pferde und tun für sie was sie können. Und manchmal, ja, da sehe ich auch einsame Pferde, missverstandene, verzweifelte Wesen, von denen eon paar sich selbst fast aufgegeben haben und dem Menschen nicht mehr trauen. Nicht allen kann man helfen oder besser gesagt darf.
Aber zuschauen, das kann und möchte ich dann auch nicht... .
Da kann ich dann nur hoffen, das der Mensch seinen Verstand schnellst möglich wiederfinden wird!
Ja und wenn das dann doch nicht passiert, dann nimmt das Schicksal des Pferdes seinen Lauf.
Einige haben irgendwann dann mal Glück im Leben und finden einen Menschen, der ihm endlich einmal zuhört, aber die meisten wohl eher nicht.
Ja es gibt schwierigere Charaktere und ja nicht jeder passt zu jedem!
Aber wo der Verstand und das Wissen enden, da beginnt die Gewalt.
Und da kann ich dann nur sagen: Mensch wie kannst du nur!
So möchte ich heute von genau so einem Wesen erzählen.
Seine Vergangenheit erinnert mich sehr an die Geschichte von Black Beauty, das Ende ist aber wohl noch ungewiss.
In seinem Neuen Leben haben wir ihn Confiado getauft. Confi ist ein 10 jähriger PRE mit dessen Lebensgeschichte ich wohl ein ganzes Buch füllen könnte, dabei weiß ich noch lange nicht alles über ihn. Aber ob ich es überhaupt wissen will, wahrscheinlich nicht.
Nur so viel, er kam 7 jährig als Hengst nach Deutschland. In den letzten 3 Jahren landete er mehrmals bei verschiedenen Händlern und hatte (soweit ich bisher zählen konnte)mind. 9 Besitzer. Ja gut, wer dreht bei so vielen Veränderungen irgendwann nicht durch?!
Mittlerweile Wallach und im vergangenem Herbst noch in einer Reitschule eingesetzt, wurde er im Winter mit einem anderen Pferd getauscht. Von dort an bis zu mir im April, nochmals 4 Stallwechsel und 2 Bereiter.
So bekam ich eines Tages einen Anruf, ob ich nicht ein Pferd aufnehmen könnte. Mein Verstand sagte Nein, mein Mund aber: Warte, ich bin gleich da und hole ihn ab.
Tja, so stand er dann auf meiner Weide.
Die Papiere völlig zerfleddert, die Vorbesitzerin, ja weiß ich auch nicht wer das ist oder war, hat sich mir nicht vorgestellt und das Pferd nicht verabschiedet. Sollte wohl im Tierschutz sehr aktiv unterwegs sein 🤔
Und zu guter Letzt, ein verunsichertes völlig kraftloses und abgemagertes Schimmelchen.
Kurzer Checkup und es war klar, das Pferd hat massive Schmerzen und kann schlecht Luft holen.
Was wirklich drastisch ist, und man selbst als Osteo so und in der Form selten zu Gesicht bekommt. 3 der vorderen Rippen sind nach innen gedrückt, genau dort wo ein Sattelgurt entlang führen würde.
Die andere Sache, die Zähne waren in einem so extrem schlechten Zustand, dass er überhaupt nicht fressen konnte.
Da hat wohl noch nie jemand reingeschaut. Aber geritten wurde er bis Anfang diesen Jahres.
Mensch, wie kannst du nur!
Inzwischen lässt er sich stressfrei von mir anfassen, ich darf ihn aufhalftern und kraulen. Darüber bin ich sehr dankbar ❤
Putzen, Hufe geben, Anbinden, Fressen, das alles bedeutet für ihn so unglaublich viel Stress, dass es mir das Herz zerbricht.
Ich weiß nicht wo unsere Reise hinführen wird, aber ich weiß, dass er nichts muss und alles darf. Er hat alle Zeit der Welt und solang bin ich einfach nur da.