12/01/2026
Die Diskussion darüber, Wahlärztinnen und Wahlärzte zu verpflichten, für das Kassensystem zu arbeiten, verfehlt den Kern des Problems ❗️Zunächst ist es wichtig, eines klarzustellen: Die Unterscheidung zwischen Kassenarzt und Wahlarzt ist keine Qualitätsunterscheidung. In beiden Systemen gibt es hervorragende, engagierte und hochkompetente Ärztinnen und Ärzte – ebenso wie durchschnittliche oder auch schlechte, wie in jedem Berufsfeld.
Viele von uns entscheiden sich bewusst für eine Wahlarztordination, weil sie medizinisch verantwortungsvoll arbeiten wollen und ein zentraler Punkt dabei ist Zeit❗️Zeit für ein ausführliches Gespräch, für eine sorgfältige Untersuchung, für Aufklärung, Prävention und individuelle Betreuung. Zeit, die im derzeitigen Kassensystem oft schlicht nicht vorhanden ist. Medizin auf Fließbandniveau hilft weder Patientinnen und Patienten noch dem Gesundheitssystem langfristig.
Gleichzeitig wird in dieser Debatte oft ausgeblendet, dass sehr viele von uns Wahlärztinnen und Wahlärzte zusätzlich im öffentlichen Spital tätig sind. Wir leisten dort unseren Beitrag, tragen Nachtdienste, Wochenenddienste etc.
Anstatt über Zwang nachzudenken, sollte man sich ernsthaft fragen, warum das Kassensystem für viele Ärztinnen und Ärzte unattraktiv geworden ist. Denn genau dort liegt der Hebel. ❗️Bessere Rahmenbedingungen, realistische Zeitkontingente pro Patient, faire Honorierung, planbare Arbeitszeiten und echte Entlastung im Alltag würden mehr bewirken als jede Verpflichtung. Attraktivität schafft Motivation – Zwang schafft Frust und Abwanderung.❗️